Flüchtlinge kommen zum Kantatengottesdienst und zum Abend der Begegnung

Kantatengottesdienst für ein friedliches Miteinander

Viele Flüchtlinge nahmen die Einladung zum gemeinsamen Essen im Lutherhaus an. Foto: Jacob Salzmann

Altena - Mit Bach und seiner Kantate Nr. 164 „Ihr, die ihr euch von Christo nennet“ rief Kantor Johannes Köstlin am Sonntag in der Lutherkirche beim festlichen Kantatengottesdienst zum Abschluss des 14. Altenaer Kantatenprojekts zu Barmherzigkeit und Nächstenliebe auf.

„Manchmal macht es einem Johann Sebastian Bach nicht leicht mit seinen Texten. Bei dieser Kantate ist das anders. Sie ist in alter Sprache geschrieben, aber was sie sagt, ist höchst aktuell", sagte Johannes Köstlin. 

Von zentraler Bedeutung für die Aussage des alten und doch so aktuellen Textes seien die Zeilen: „…dass meines Nächsten Wehe, er sei auch, wer er ist, Freund oder Feind, Heid oder Christ, mir als mein eignes Leid zu Herzen allzeit gehe!“ Auf das Leid von Flüchtlingen und Asylsuchenden sowie die Bereitschaft, sich ihrer anzunehmen, zielten seine eindringlichen Worte. Inhaltlich war Barmherzigkeit das zentrale Thema des gut besuchten Gottesdienstes.

Zur großen Freude von Kirchengemeinde und Stellwerk, in diesem Jahr beim Kantatenprojekt mit im Boot, nahmen viele Flüchtlinge die Einladung zu Gottesdienst und anschließendem gemeinsamem Essen im Lutherhaus an und nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich näher kennen zu lernen. „Das ist unglaublich schön, überwältigend!“, freute sich Pfarrerin Merle Vokkert (Liturgie), als sich der Saal mit Menschen aus aller Herren Länder füllte. In großer Besetzung, mit namhaften Solisten, Orchester und dem am Kantatenprojekt (27. Februar bis 1. März) beteiligten Projektchor mit Sängern und Sängerinnen aus dem gesamten Märkischen Kreis brachte Johannes Köstlin beim Gottesdienst klangschöne Werke, die zu Nächstenliebe und einem friedlichen Miteinander aufriefen, zur Aufführung. Von Camille Saint-Saens spannungsgeladenem Eingangssatz

„Warum sind die Völker in Aufruhr und murmeln die Nationen leere Worte?“ über die Bach-Kantate mit ihrer aufrüttelnden Botschaft bis hin zum vertonten Psalm „O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“ – kunstvoll als Wechselgesang von Bass und Chor dargeboten – spannte er den Bogen. Als Solisten bereicherten Maike Lehmkuhl (Sopran), Christine Wehler (Alt), Lothar Blum (Tenor) und Alexander Schmitt (Bass) den stimmgewaltigen, farbenreichen Chorgesang. Den Instrumentalpart bestritt das Kammerorchester „Musica da camera“ virtuos. Warme Klangfarben von Streichern, Orgel und Oboen begleiteten und untermalten die schönen Stimmen.

Mit Camille Saint-Saens und seiner erregten Tonsprache erklärten die Ausführenden beredt den Ist-Zustand der Welt: Aufruhr und Krieg vielerorts. Erst der Blick nach oben, zu Vater und Sohn, brachte das Wüten zur Ruhe. Die Bach-Kantate, die für die tragenden, klaren Stimmen der Solisten und den harmonisch miteinander musizierenden Chor dankbare Aufgaben bereithielt, mahnte in Arien, Duett, Rezitativen und Choral die Christenpflicht der Nächstenliebe an. Auch die Predigt von Merle Vokkert zielte auf Barmherzigkeit. Für das gemeinsame Essen im Lutherhaus hatten Stellwerk und Gemeinde 150 halbe Hähnchen geordert.

von Monika Salzmnann

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