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Flüchtlinge aus Ukraine: Kümmerer im MK stehen schon parat

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Von: Thomas Bender

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In der Grundschule Knerling wurde 2015 eine Kleiderkammer eingerichtet. Sie existiert bis heute und ist nicht zuletzt wegen vieler Spenden nach der Flutkatastrophe gut gefüllt. Die Geflüchteten können sich dort einkleiden.
In der Grundschule Knerling wurde 2015 eine Kleiderkammer eingerichtet. Sie existiert bis heute und ist nicht zuletzt wegen vieler Spenden nach der Flutkatastrophe gut gefüllt. Die Geflüchteten können sich dort einkleiden. © Bender, Thomas

Einige Flüchtlinge sind bereits in Altena angekommen. Wie viele Flüchtlinge in Altena insgesamt unterkommen sollen, ist vom sogenannten Königssteiner Schlüssel abhängig. Ein Überblick.

Altena – Am Montag, 14. März, kam die Nachricht vom Städte- und Gemeindebund: Ab sofort werden den Kommunen ukrainische Flüchtlinge zugewiesen, die nach Deutschland gekommen sind und untergebracht werden müssen. Die Verteilung erfolgt nach dem sogenannten Königssteiner Schlüssel, der sich nach der Einwohnerzahl der Kommunen richtet. Wie viele Flüchtlinge Altena aufnehmen muss, hängt allein davon ab, wie viele überhaupt nach Deutschland kommen. Die Stadtverwaltung zeigt sich vorbereitet und informierte am Montag über die wichtigsten Themen.

Flüchtlinge aus Ukraine: Die leidige Bürokratie

Einige Ukrainer sind bereits in Altena. Es ist wichtig, dass diese Flüchtlinge sich beim Bürgerservice melden – auch wenn sie bei Verwandten untergebracht sind und von denen versorgt werden. Ohne die Registrierung haben sie keinerlei Ansprüche auf staatliche Leistungen. Das Verfahren ist einfach: Bei Anette Wesemann (Tel. 02352/209218) melden. Sie macht kurzfristig einen Termin beim Bürgerservice und sorgt auch für einen Dolmetscher, wenn das nötig ist.

Flüchtlinge aus Ukraine: Wohnungen werden vorbereitet

Der Stadt stehen 13 eigene Wohnungen zur Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung, etwa 15 sind ihr von Privatpersonen angeboten worden. Auch die Baugesellschaft werde sich an der Unterbringung beteiligen, sagte Bürgermeister Uwe Kober, als er gestern bei einer Pressekonferenz mit Stefan Kemper, Agnes Goniwiecha und Anette Wesemann über den Stand der Vorbereitungen informierte. Auch im Bergheim sind die ersten Flüchtlinge bereits angekommen.

Flüchtlinge brauchen vor allem Sachspenden

Im Gegensatz zu 2015, wo in großem Umfang Möbel und Elektrogeräte für Flüchtlinge aus Syrien gesammelt wurden, wird die Stadt vorerst keinen entsprechenden Aufruf starten. Die Erfahrungen damals seien nicht die Allerbesten gewesen, deutete Anette Wesemann an. Wenn etwas gebraucht werde, dann werde das Stellwerk mit gezielten Aufrufen danach suchen.

Was (nicht) gebraucht wird: Kleidung und Lebensmittel

Nach wie vor existiert die Kleiderkammer in der ehemaligen Grundschule Knerling. Nach der Flutkatastrophe sind dort viele Spenden eingegangen, sie ist deshalb gut gefüllt und kann nach Absprache von den Flüchtlingen genutzt werden. Sie können auch die Tafel nutzen, die am 29. März zum nächsten Mal geöffnet ist. Zudem stehen ihnen, wenn sie registriert sind, Hilfen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu. Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern bekommt danach rund 850 Euro für ihren Lebensunterhalt. Die Kosten für die Wohnung und für notwendige ärztliche Behandlungen trägt ebenfalls der Staat.

Flüchtlinge aus Ukraine: Die Kümmerer

Die Stadt profitiere von Erfahrungen und Strukturen aus dem Jahr 2015, sagte Stefan Kemper. Sehr bewährt haben sich damals die sogenannten „Kümmerer“ – Männer und Frauen, die einzelne Wohngemeinschaften der Flüchtlinge betreuten. Es hätten sich bereits mehrere der Kümmerer von damals gemeldet und sich bereit erklärt, wieder zu helfen, berichtet Anette Wesemann. Das als Ehrenamtsbörse gegründete Stellwerk werde hier eine wichtige Rolle einnehmen, hieß es am Montag. Es hat aber auch schon eine erste Zusammenkunft mit Sozialverbänden wie der Caritas und dem DRK gegeben, die ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt hätten, sagte Stefan Kemper.

Auch Schulen bereiten sich auf Flüchtlinge vor

Nach Deutschland geflüchtete Kinder sollen hier eine Schule besuchen, wenn sie im schulpflichtigen Alter sind. Das zu organisieren ist in erster Linie Sache des beim Märkischen Kreis angesiedelten kommunalen Integrationszentrums. Dennoch hat es bereits einen ersten Austausch zwischen der Stadtverwaltung und den Schulleitern gegeben, sagte Kemper. Dabei hätten alle Schulen die Bereitschaft zur Aufnahme ukrainischer Kinder signalisiert, wobei die älteren das Burggymnasium besuchen sollen. Dort existiert eine entsprechende Klasse, in der Kinder Deutsch lernen. Parallel nehmen sie am regulären Unterricht teil.

Die meisten Geflüchteten werden Frauen sein, viele davon mit Kindern, die womöglich durch ihre Erlebnisse während der Flucht traumatisiert sind. Die Schulen brauchen bei der Betreuung dieser Kinder dringend Hilfe. Die Stadtverwaltung appelliert deshalb an alle Altenaer mit einer pädagogischen Ausbildung, sich nach Möglichkeit entsprechend zu engagieren. Außerdem erhebe man bei der Registrierung der Flüchtlinge deren beruflichen Hintergrund und werde sie bei entsprechender Qualifikation bitten, in den Schulen auszuhelfen.

Sirenen bald stumm? Diskussionen wegen Ukraine-Flüchtlinge

Obwohl alle Feuerwehrleute mit digitalen Meldeempfängern ausgerüstet sind, sieht die Alarm- und Ausrückordnung für Altena Sirenenalarm schon dann vor, wenn auch nur der Verdacht auf einen Wohnungsbrand besteht, weil beispielsweise ein Rauchmelder piepst. 2015 habe man die Erfahrung machen müssen, dass Sirenen oder andere laute Geräusche bei den Flüchtlingen Panik auslösen können, berichtet Wesemann. Deshalb werde derzeit auf Kreisebene diskutiert, ob und wie sich die Zahl der Sirenenalarme verringern lasse, ergänzte Bürgermeister Uwe Kober.

Im Gegensatz zu regulären Asylbewerbern dürfen Flüchtlinge aus der Ukraine sofort in Deutschland arbeiten. Den Behörden wird empfohlen, ihnen bei der Registrierung direkt eine Arbeitserlaubnis auszustellen. Allerdings sind viele der Betroffenen Mütter mit kleinen Kindern.

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