Flüchtling aus Afghanistan

Beispiel für gelungene Integration: Nazeer M. Mohseni hat es geschafft

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Nazeer Mohammed Mohseni ist längst „einer von uns“: Der 31-Jährige kam vor sechs Jahren nach Altena und ist inzwischen stellvertretender Teamleiter im DHL-Verteilzentrum in der Brachtenbeck.

Altena – Er kam an Heiligabend nach Altena. 2014 war das, also noch vor der großen Flüchlingswelle. In seinem Heimatland Afghanistan sei es für ihn zu diesem Zeitpunkt zu gefährlich gewesen, schildert Nazeer Mohammad Mohseni. Deshalb hätte seine Familie ihn zur Flucht gedrängt. In der Burgstadt fand er schnell Beschäftigung. Erst arbeitete er als Hausmeister für die Flüchtlingsunterkünfte. Als er dann im Jahr 2015 abgeschoben werden sollte, kümmerten sich Stadt und Stellwerk um eine dauerhaftere Beschäftigung und verschafften Mohseni einen Ausbildungsplatz bei der der Post, was ihn zunächst vor der Abschiebung verschonte.

 „Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen“ heißt der Beruf, den der heute 31-Jährige zwei Jahre lang erlernte – nicht nur am Zustellstützpunkt Altena, sondern auch im Briefverteilzentrum und natürlich auf der Berufsschule. So eine Fachkraft muss weit mehr können als Briefe in die richtigen Briefkästen zu stecken. „Dazu gehört auch der richtige Umgang mit Produkten wie einer Postzustellurkunde“, sagt Post-Pressesprecher Rainer Ernzer.

All das lernte Mohseni gut und schnell. Logisch also, dass der Post ihn nach Ende seiner Ausbildung behalten wollte – „wir haben ein Interesse daran, dass die von uns ausgebildeten Kräfte nach ihrem Abschluss bei uns bleiben“, sagte Enzer auch mit Hinweis auf den nach wie vor großen Personalbedarf des Unternehmens. Und auch Mohseni wollte gerne weiter im Zustellstützpunkt Altena arbeiten. „Hier hat es mir von Anfang an richtig gut gefallen“, sagt und lobt das gute und kollegiale Verhältnis unter den Altenaer Briefträgern und Paketboten.

„Das ist wie eine Familie hier“. Was anfangs gut funktionierte wurde zum Problem, als Mohseni Karriere machen sollte. „Wir haben ihn gefragt, ob er sich vorstellen kann, in Altena die stellvertretende Teamleitung zu übernehmen“, berichtet Gunawanto Sukirman Kostermans, der für den Märkischen Kreis zuständige Personalchef der Post. Mohseni wollte – aber so einfach war es nicht, aus dem bis dahin befristeten ein festes Arbeitsverhältnis zu machen. Ohne Visum kein Vertrag, ohne Vertrag kein Visum – das war die Zwickmühle, die reichlich Arbeit und Nerven kostete, wie sich Kostermans erinnert. Das ist vorbei, Mohseni hat seine Festanstellung und kümmert sich um Dinge wie Dienstpläne, Fahrzeugeinsatz, Krankheitsvertretungen und Urlaubsplanung. Er ist Ansprechpartner, wenn einer seiner Kollegen in seinem Bezirk Probleme hat – sechs kennt er aus dem Effeff, die anderen wenigstens ein bisschen.

Und er muss noch selber ‘raus: Auch als stellvertretender Teamleiter hat er noch einen (allerdings etwas kleineren) Zustellbezirk. Wenn alles Organisatorische erledigt ist, steigt er deshalb in seinen Street-Scooter („der fährt richtig gut“) und düst zum Nettenscheid, um dort Briefe und Pakete zuzustellen. Seit seiner Flucht ist Mohseni nie wieder in Afghanistan gewesen. Den Kontakt zu seiner Familie, die er auch finanziell unterstützt, hält er per Whatsapp. Nach Afghanistan zurückkehren? Das kann er sich nicht vorstellen, ist er doch in Altena längst heimisch geworden.

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