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Fleisch zu teuer: Nur noch vegetarisches Schulessen?

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Von: Jona Wiechowski

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Nur noch ein vegetarisches Gericht an Grundschulen, um Geld zu sparen? In Freiburg soll das ab dem kommenden Schuljahr so kommen. In Altena ist das an den Schulen mit Offenem Ganztag noch kein Thema. Hier setzt man auf eine Mix aus Fleisch, Fisch und vegetarischen Angeboten.
Nur noch ein vegetarisches Gericht an Grundschulen, um Geld zu sparen? In Freiburg soll das ab dem kommenden Schuljahr so kommen. In Altena ist das an den Schulen mit Offenem Ganztag noch kein Thema. Hier setzt man auf eine Mix aus Fleisch, Fisch und vegetarischen Angeboten. © imago stock&people

Nur noch vegetarische Gerichte in Schulen und Kitas? Die Stadt Freiburg will das ab kommenden Jahr durchziehen, um Geld zu sparen. Gutes Fleisch sei ein Preistreiber, heißt es. Hier vor Ort ist das noch kein Thema. Wie alles andere, wird allerdings auch das Schulessen teurer.

Lennetal/Hönnetal – „Die Überlegung, nur noch Vegetarisches aus Kostengründen anzubieten, haben wir nicht“, sagt Klaus Giljohann, Geschäftsführer der Freien Waldorfschule in Neuenrade. „Wir versuchen, das ganze Spektrum anzubieten“, sagt er. Heißt: Es gibt alles Mögliche – mit Fleisch oder ohne, allerdings immer nur ein Gericht pro Tag. Auswählen können die Eltern vorher online, ob ihr Kind das jeweilige Gericht essen möchte – oder sich selbst etwas mitbringt.

Orientieren würde sich die Schule bei ihrem Speiseangebot an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und beispielsweise maximal zweimal Fleisch in der Woche anbieten, wobei es dann manchmal auch noch einmal Fisch gebe. Das variiere. „Solange es tragbar ist, werden wir es so machen.“

Ein Essensangebot gibt es an der Waldorfschule nur im Offenen Ganztag. Das betrifft rund 60 der insgesamt etwa 300 Schüler. Geliefert werden die Mahlzeiten tiefgefroren von einem Caterer. Diese werden dann an der Schule am Remmelshagen in einem Konvektomaten erhitzt. „Für 60 Kinder lohnt sich keine Küche“, sagt der Geschäftsführer.

Entstanden war die Diskussion um das vegetarische Einheitsmenü in Freiburg vor allem aus Kostengründen. Ein Problem, das es so an der Waldorfschule eher nicht gebe: Wer sein Kind auf eine Privatschule schicke, für den seien mögliche Mehrkosten für das Essen stemmbar. Die Preise müssten immer dann erhöht werden, wenn sich die Bezugspreise änderten, erklärte Giljohann.

Nur Vegetarisches? Klares „Nein“ auch in Plettenberg

Auf vegetarische Kost umsteigen? Diese Überlegungen gibt es auch bei der Stadt Plettenberg nicht. Auf die Frage antwortet Stadtsprecher Hanno Grundmann nach Rücksprache mit LernZeit gGmbH-Geschäftsführerin Katharina Kreikebaum, mit einem klaren „Nein.“ Und weiter: „Wir werden nicht auf rein vegetarische Kost umstellen, sondern uns weiterhin bei der Verpflegung an den Qualitätsstandards der DGE orientieren.“ Die LernZeit gGmbH ist in der Vier-Täler-Stadt der Betreuungsverein schwerpunktmäßig für die Offenen Ganztagsschulen im Stadtgebiet.

Die Essensauswahl ist gemischt: „An den Grundschulen und Kitas gibt es einen Wochenplan und jeden Tag ein Gericht, in Teilen können die Einrichtungen und Kinder allerdings auch Wünsche äußern, die so weit möglich erfüllt werden. An den weiterführenden Schulen ist die Auswahl etwas breiter gefächert.“

Plettenberg liege mit 40 Euro pro Monat für das Essen im Offenen Ganztag im Vergleich zu Nachbarkommunen am unteren Ende der Preisspanne. Wie andere Kommunen komme auch Plettenberg um Preiserhöhungen allerdings nicht drumherum. Als Grund nennt Grundmann gestiegenen Lieferantenpreise. Der Schritt sei nicht vermeidbar und liege der Gesellschafterversammlung so als Beschlussvorlage vor. Die findet Mitte des Monats statt. Dann gebe es auch Details, wieviel teurer das Essen konkret werde. „Allerdings werden wir in bestehende/laufende Verträge nicht eingreifen. Eine transparente Information und Kommunikation über die Erhöhung und die Gründe hierfür ist dann ebenfalls nach dieser Sitzung vorgesehen“, so Grundmann. Klar ist in Sachen Anpassungen bis jetzt allerdings schon: „Ziel ist es, die Qualität beim Schulessen mindestens zu halten und dafür die Preisanpassungen unserer Lieferanten in moderatem Umfang weiterzugeben.“

Fleischreduziert, aber nicht vegetarisch in Altena

Die Stadt Altena ist nur indirekt als Schulträger im Boot, was die Schulessen angeht. Organisiert wird der Offene Ganztag für die Grundschulen Breitenhagen und Mühlendorf von der Awo, die in diesem Jahr für beide Einrichtungen auf denselben Caterer zurückgreift, wie Kämmerer Stefan Kemper im Gespräch erklärt.

Kemper ist auch zuständig für die Schulen und berichtet mit Blick auf die aktuelle Diskussion: „Das Essen ist fleischreduziert, aber nicht vegetarisch.“ Heißt: Mal gebe es Fleisch als Beilage, mal Fisch, mal sei das Essen vegetarisch. Ausschließlich Fleischfreies gebe es aber nicht – „und es gibt auch keine aktuelle Diskussion darüber“, so Kemper. Der Caterer, mit dem man im Falle der Schule am Breitenhagen schon seit einiger Zeit gute Erfahrungen mache, orientiere sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die eben auf eine fleischreduzierte Nahrung setzt.

Freiburg: Vegetarisches Einheitsmenü, um Geld zu sparen

Im kommenden Schuljahr soll es an Grundschulen und Kitas in Freiburg nur noch ein Gericht geben – und das soll dann ausschließlich vegetarisch sein. So will die Stadt Geld sparen, da gutes Fleisch ein Preistreiber sei. Entschieden hatte das der Freiburger Gemeinderat kürzlich mehrheitlich mit 27 Stimmen, wobei es 14 Gegenstimmen gab.

Bisher hatte es stets zwei Essens-Möglichkeiten zur Auswahl gegeben – Gerichte mit Fleisch und Fisch gab ebenso wie rein vegetarische. Auch mit der Einheitsmenü-Regelung sollen die Essens-Preise im Schuljahr 2023/2024 schrittweise erhöht werden.

Nicht überall kam die Entscheidung gut an. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre auch Fleisch, hatte das Ministerium in Stuttgart (Baden-Württemberg) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitgeteilt. Eine ausschließlich vegetarische Ernährung als Vorgabe unterstütze das Ministerium deshalb nicht.

Auch Elternbeiräte formulierten Einwände, etwa, dass es künftig keine Wahlmöglichkeit für die Kinder mehr geben solle. Der Freiburger Gesamtelternbeirat beispielsweise könne sich ein Streichen des Fleisches vorstellen, wenn es dafür zwei unterschiedliche vegetarische Gerichte geben würde. Ins Spiel gebracht wurde ebenso eine optionale Fleischbeilage zum vegetarischen Gericht, etwa einmal wöchentlich.

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