Altena: Wirtschaftsgespräch der SIHK mit fast allen wichtigen Unternehmen

Firmen sorgen sich um Internet und Nachwuchs

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Ein Teil des Podiums: Dr. Andreas Hollstein (Bürgermeister Stadt Altena), Britta Hölper (Firma Möhling/Mitglied der SIHK-Vollversammlung), Dr. Frank Hoffmeister (Vizepräsident SIHK) und Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat (von links).

Altena - Fabian Schmidt von der Firma Lüling blickt in eine „etwas nebulöse“ Zukunft, Volker Klusczka meldete als Vertreter der Firma Hohage Rückgänge beim Absatz von Ladeneinrichtungen, während die Nachfrage nach Beschlägen für die Bauindustrie deutlich anzögen

Drahthersteller Schmidt und Drahtverarbeiter Hohage waren gebeten worden, beim SIHK-Wirtschaftsgespräch im Altenaer Rathaus über die Perspektiven ihrer Unternehmen zu sprechen. Schmidt war dabei einer der wenigen, die nicht über zu langsames Internet klagten. 

Lüling hängt schon am Glasfaserkabel, während Hohage manchmal noch nicht einmal Ware versenden kann: „Es gibt Tage, da kommen wir nicht auf die Server unserer Logistikpartner, um Sendungen anzumelden“. Dem Ruf der Industrie- und Handelskammer waren praktisch alle größeren Unternehmen der Stadt gefolgt, sodass Dr. Frank Hoffmeister, der Vizepräsident der Kammer, sich bei der Begrüßung über eine sehr gute Resonanz auf die Einladung freute. 

5G-Netz zwingende Voraussetzung

Wo Handel und Industrie der Schuh drückt, das betonte SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat in seinem Eingangsstatement: „Gewerbeflächen, Fachkräftemangel, digitale Infrastruktur – in jedem Gespräch kommt mindestens eines dieser Themen vor“. „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“ – mit dieser Aussage hat sich Bundesforschungsministerin Anja Karliczek keinen Gefallen getan: „In Südwestfalen steht hinter der Milchkanne womöglich die Fabrik eines Weltmarktführers“, sagte der Geschäftsführer. 

5 G sei zwingende Voraussetzung für die viel beschworene Industrie 4.0, die gerade für die hoch innovativen Unternehmen im SIHK-Kammerbezirk ein großes Thema sei. Auch in Südwestfalen müsse deshalb ein flächendeckendes und leistungsfähiges Mobilfunknetz aufgebaut werden und bei der Verlegung von Glasfaserkabeln müssten Gewerbegebiete absolute Priorität haben.

Kammer geht in die Kindergärten

Thema Facharbeitermangel: Im Kammernbezirk fehlen nach Angaben Geruschkats schon jetzt 20 000 Fachkräfte, 18 000 davon im gewerblichen Bereich. Deshalb sei es ganz wichtig, junge Menschen für eine Ausbildung im gewerblichen Bereich zu begeistern. Damit will die Kammer bald schon im Kindergarten beginnen.

Mit viel Elan schilderte Dr. Ralf Geruschkat, was die Hauptprobleme der Unternehmen sind.

„Wir müssen uns aber auch fragen, was wir den Mitarbeitern bieten“, sagte der Hauptgeschäftsführer und meinte damit nicht nur die Unternehmen: „Es ist ganz wichtig, dass wir junge Menschen für die Region begeistern“ Bei der Südwestfalenagentur sei diese Botschaft längst angekommen, erklärte später deren Vertreterin Dr. Stephanie Arens. Bei der Regionale 2025 werde die Suche nach der „Südwestfalen-DNA“ und deren Aufpolierung eine sehr zentrale Rolle spielen.

Altenas Firmen stemmen viel

Das Gemeinwohl sei auch Sache der Unternehmen. Das sagte Britta Hölper, Geschäftsführerin der Firma Möhling. „Hier in Altena stemmen Industrie und Wirtschaft ganz viel, um die Stadt attraktiv zu halten.“ Das zeige auch Wirkung, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein in seinem Statement und wies auf die sogenannten „Wanderungssalden“ hin. 

In der Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen sei sie in Altena positiv. Als bedauerlich bezeichnete es der Bürgermeister, dass der Start des Lennetal-Intercities verschoben wird – diese Verbindung mache Altena als Wohnort für Menschen interessant, die in Dortmund arbeiten. Grundsätzlich müsse die Stadt „ihre Vorteile im Bezug auf die Großstädte besser herausarbeiten.“

Neben Altenaer Unternehmern nahmen auch die Fraktionsvorsitzenden von CDU und Grünen an der Veranstaltung teil.

Hinderlich sei dabei allerdings, dass Großstädte von Bund und Land deutlich stärker gefördert würden als „der sogenannte ländliche Raum“. Einmal mehr betonte der Bürgermeister, dass er Zuwanderung für ein Zukunftsthema hält – nur so könne der demografische Wandel bewältigt werden.

 Hollstein denkt dabei nicht nur am Flüchtlinge (von denen nach seinen Angaben schon 35 Prozent in Arbeit sind), sondern auch an junge EU-Bürger – schließlich gebe es in Ländern wie Griechenland und Spanien eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Wichtig sei es, die in Altena bereits vorhandene „Kompetenz im Integrieren dieser Menschen“ weiter auszubauen.

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