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Endspurt im Lennetal: Gelber Riese sorgt für freie Ruhr-Sieg-Strecke

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Von: Volker Heyn

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Ingenieur Sebastian Gollmer kontrolliert die Zentimeterarbeit der gigantischen Bettungsreinigungsmaschine. Der 200 Meter lange Arbeitszug hebt die Schienen samt Schwellen an, räumt den verschlammten Schotter ab, füllt frisches Material ins Gleisbett und verdichtet es wieder.
Ingenieur Sebastian Gollmer kontrolliert die Zentimeterarbeit der gigantischen Bettungsreinigungsmaschine. Der 200 Meter lange Arbeitszug hebt die Schienen samt Schwellen an, räumt den verschlammten Schotter ab, füllt frisches Material ins Gleisbett und verdichtet es wieder. © Heyn, Volker

Schotterbrocken fliegen umher, es ist dröhnend laut, es riecht nach Maschinenöl, Diesel und Schwefel, und zum Glück ist es gerade nur kalt und angenehm feucht – die Männer, die mit der monströsen Bettungsreinigungsmaschine zentimetergenau an den Gleisen zwischen Werdohl und Letmathe arbeiten, sind in jeder Hinsicht harte Kerle.

Lennetal - Dass es sich dabei um hochprofessionelle Spezialisten handelt, erklärt der technische Leiter Michael Dickhut. Von der Bochumer Zentrale der Spitzke-Gruppe für Westdeutschland ist Dickhut in diesen Tagen viel im Lennetal unterwegs. Spitzke ist von der DB Netz damit beauftragt, den vom Hochwasser verdreckten Schotter auf der Bahnlinie zwischen Werdohl und Letmathe auszutauschen.

Dazu ist die rund 200 Meter lange „RM 900 S“ im Lennetal unterwegs, eine so genannte Hochleistungs-Bettungsreinigungsmaschine. In einem Arbeitsgang werden Schienen und Schwellen angehoben, der verdreckte Schotter abgeräumt und frisches Material eingefüllt und verdichtet.

Die Teams auf den Arbeitszügen kommen aus der Spitzke-Zentrale in Großbeeren bei Berlin. Sebastian Gollmer gehört zu so einem Team, der gebürtige Berliner lebt mit Frau und Kind in Brandenburg. Als verantwortlicher Ingenieur und „Bauleiter Großmaschinen“ kontrolliert er die zentimetergenaue Arbeit des langsam fahrenden Ungetüms anhand eines Gleisabschnittsverzeichnisses. Jeder Meter ist dort mit genauesten Angaben vermerkt und beschrieben. Vorab sind die Gleise vermessen worden, an diese Angaben müssen sich die Leute von Spitzke halten.

Was das bedeutet, lässt sich unmittelbar beobachten: Das Räumschild fährt tatsächlich in etwa 15 Zentimetern Abstand an einem Schachtbauwerk neben den Gleisen vorbei. Gollmer hat die Hand am Schnellabschaltknopf, andere Mitarbeiter haben den Arbeitsbereich ebenfalls genau im Blick. „Man muss immer hellwach sein“, so Gollmer, der die Männer auf dem Zug fast schon als seine Familie ansieht. In ganz Deutschland und viel in Nordeuropa sind er und seine Männer unterwegs. Während des Einsatzes im Lennetal wohnt die Truppe im Hotel Zur Mühle in der Grüne.

Den Jungs auf dem Zug spricht Michael Dickhut ein Kompliment aus: „Die machen eine super Arbeit, die bringen eine hervorragende Performance.“ Denn der Zeitplan bis zur geplanten Wiederinbetriebnahme der Strecke ist eng. Neben der Schotterreinigung sind noch andere Firmen mit den Schallschutzwänden in Altena und mit der Erneuerung der Signaltechnik beschäftigt. Dickhut spricht von sehr großen logistischen Anstrengungen.

Am Ende dürfte es eine Punktlandung werden, es gehe tatsächlich um Stunden, wenn am 12. Dezember die Strecke wieder von Zügen befahrbar sein wird. Großen Anteil an der präzisen Arbeit der Spitzke-Leute habe der Projektleiter Rene Czudaj, so Dickhut. Czudaj koordiniere von Letmathe aus die komplexen Vor- und Nacharbeiten sowie mit Unterstützung des Logistikteams die An- und Ablieferung des Schotters über Schiene und Straße. 50 000 Tonnen frisches Material werden am Ende verbaut sein.

Die Strecke zwischen Werdohl und Altena ist fertig bearbeitet, im Augenblick ist der Abschnitt von der Steinernen Brücke bis zum Altenaer Bahnhof an der Reihe. Bis einschließlich 6. Dezember geht es weiter durch Nachrodt bis Letmathe.

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