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Firma Berg: Eigentümerwechsel steht bevor

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Von: Volker Heyn

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Als bei Firma Berg noch Speichen und Nippel hergestellt wurden, gab es Büroräume mit einem repräsentativen Balkon. Mittlerweile ist fast alles heruntergekommen, nicht alle ehemaligen Mieter haben ihre Hinterlassenschaften beseitigt.
Als bei Firma Berg noch Speichen und Nippel hergestellt wurden, gab es Büroräume mit einem repräsentativen Balkon. Mittlerweile ist fast alles heruntergekommen, nicht alle ehemaligen Mieter haben ihre Hinterlassenschaften beseitigt. © Heyn, Volker

Der neue Eigentümer aus Wetzlar weiß, was er da sehr günstig ersteigert hat in Altena. Die ehemalige Firma Wilhelm Berg, einst ein Zeugnis stolzer Industriegeschichte und untrennbar mit der Drahtstadt Altena und speziell dem Rahmedetal verbunden, ist eigentlich nur noch eine Schrottimmobilie. 

Altena - Doch der Investor aus Hessen hat Pläne, er erscheint auf seiner Homepage seriös und kompetent. Er hat auch schon ernsthaften Kontakt mit der Stadt Altena aufgenommen. Wer sehr viel Geld in die Hand nimmt, kann aus dieser charaktervollen Immobilie durchaus etwas zaubern.

Einer, der schon seit 20 Jahren das Kommen und Gehen in dem Backsteingebäude verfolgt hat, ist Thomas Boeke. Der Metallbauer, selbst ein Mann aus der Rahmede, kennt den Komplex und viele von denen, die dort einmal waren und die es immer noch sind. Boeke ist vor Jahren vom nördlichen Teil des Fabrikgebäudes in den südlichen Teil umgezogen. Seine Werkstatt hat er im zweiten Stock. Der Metallbauer hat auch typische Altenaer Drahtbäume gebaut, gerade soll er einen reparieren, der vor dem Gebäude der Altenaer Baugesellschaft von Unbekannten sinnlos zerstört wurde. An viele verschiedene Vermieter hat er seine Miete gezahlt, vieles hat er in der langen Zeit gehört.

Metallbauer Thomas Boeke ist seit mehr als 20 Jahren Mieter in der ehemaligen Firma Berg. Er repariert gerade einen von Unbekannten zerstörten Drahtbaum-Brunnen der Baugesellschaft.
Metallbauer Thomas Boeke ist seit mehr als 20 Jahren Mieter in der ehemaligen Firma Berg. Er repariert gerade einen von Unbekannten zerstörten Drahtbaum-Brunnen der Baugesellschaft. © Heyn, Volker

Der letzte Großmieter nimmt Abschied

Unten im großen Innenhof nimmt gerade der letzte Großmieter Abschied. Ein Firmeninhaber aus der Rahmede hatte neben seinem eigentlichen Betrieb bei Firma Berg große Flächen für die Produktion angemietet. Der stadtbekannte Unternehmer stellte seit 1955 allgemeine Drehteile, zuletzt hauptsächlich Hydraulik-Armaturen her. Durch die Räume bei ehemals Berg schoss vor knapp einem Jahr die Flut des Rahmedebachs und richtete allerschlimmste Verwüstungen an – wie überall im unteren Rahmedetal. Danach wurde mit der Instandsetzung der Schäden begonnen, doch jetzt ist komplett Schluss. Der Firmenchef ist jetzt einiges über 70 und hat seinen kompletten Betrieb stillgelegt.

Eine ganze Halle ist voll mit leeren Kartonagen, Verpackungen und Papieren.
Eine ganze Halle ist voll mit leeren Kartonagen, Verpackungen und Papieren. © Heyn, Volker

Türen und Tore stehen offen

So gut wie alle Türen und Tore in dem mehrstöckigen und verwinkelten Gebäude stehen offen. Baufällig oder gar einsturzgefährdet scheint hier nichts, das Gebäude besteht aber eigentlich nur aus Ziegeln und metallgerahmten Fenstern. Die Aufzüge sind lange stillgelegt, grobe elektrische Anschlüsse zeugen von vielen Jahren Produktionsgeschichte. Im Erdgeschoss befand sich lange eine Galvanik, die Wilhelm Berg für die Herstellung von Fahrrad- und Motorradspeichen nutzte. Die Firma fertigte in den späten 1980er-Jahren auch Krankenhausbetten. Unterm Dach finden sich noch Relikte aus der Zeit.

Derweil ist ein Kleinmieter dabei, seine Sachen zu packen. Der ehemalige Altenaer ist nach Niedersachsen gezogen und hatte bei ehemals Berg private Gegenstände eingelagert. Gerade räumt er sein Lager aus, vom kurz bevorstehenden Eigentümerwechsel hat er erfahren. Jetzt wolle man eine riesige Stromrechnung von ihm beglichen sehen, doch er habe ja nie Strom gebraucht in seinem Lager. Vorbildlich nimmt dieser Mann alles mit. Das haben nicht alle der Nutzer so gehandhabt. Eine Halle ist voll mit Kartonagen, eine mit Autoreifen. Vieles steht leer, es gibt aber auch eine komplett ausgerüstete Hobbyschrauberwerkstatt samt Fahrzeugen.

Eine andere Halle ist vollgepackt mit Altreifen, sicher problematisch für den Brandschutz.
Eine andere Halle ist vollgepackt mit Altreifen, sicher problematisch für den Brandschutz. © Heyn, Volker

Investor wird viel zu tun haben

Mit dem Aufräumen und der Klärung der Verhältnisse wird der Investor eine Menge zu tun haben. Am Wochenende wurde der gerichtliche Aufhebungsbeschluss erwartet, der den rechtskräftigen Übergang der Immobilie vom Lüdenscheider Zwangsverwalter Larsen Klein auf die Ipem Immobilien-Projektentwicklungs- und Management Gesellschaft von Kristof und Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach aus Wetzlar vollzieht.

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