Besondere Osterferien

Finn und Ole Becker (12) pilgern mit dem Großvater über den Jakobsweg

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Friedhelm Höke mit seinen Enkelkindern Finn und Ole Becker aus Evingsen. Mehr als 20 Kilometer legte das Trio pro Tag zurück.

Altena - Wenn Finn und Ole Becker heute wieder in Evingsen eintreffen, haben die beiden 12-jährigen Zwillingsbrüder in der ersten Oster-Ferienwoche etwas Herausragendes geleistet. Unter Führung ihres Großvaters Friedhelm Höke (67) sind sie mehr als 100 Kilometer auf dem weltbekannten Jakobsweg gewandert. Sie folgten dabei einer Teilstrecke von Paderborn nach Dortmund. Sie gehört zum Projekt „Wege der Jakobspilger in Westfalen.“

„Blasen, Muskelkater, Verletzungen, Pflasterkleben? Nee, haben die Jungs bisher nicht gehabt oder gebraucht!“, meldete sich gestern ein gut gelaunter Pilgerführer. „Doch ich muss sagen: Mich hat es erwischt“, so Friedhelm Höke. „Ich musste in eine Apotheke, Blasenpflaster kaufen.“

Der ehemalige Marine-Soldat ist schon viele Etappen des bis nach Spanien gehenden Pilgerweges in den vergangenen Jahren „abgelaufen“. Irgendwann haben ihn seine beiden Enkel gefragt, ob sie nicht mit auf Tour dürften. Höke bereitete die Zwillinge wie auch sich persönlich gut vor und entschied sich für den Weg durch Westfalen. Der 67-Jährige kommt gebürtig aus Höxter und kam dort schon während seiner Kindheit mit dem dort verlaufenden Teilstück des Jakobsweges in Berührung. Denn eine Route führt aus seiner Geburtsstadt nach Bochum. Die Drei wanderten jetzt über die Paderborner Hochfläche und die fruchtbaren Hellwegbörden bis ins industriell geprägte Ruhrgebiet mit dem Ziel Dortmund, Reinoldikirche.

Finn und Ole (12) beim Studieren der zuvor ausgedruckten Pilger- und Wanderkarte.

Natürlich haben sich die Drei in ihren Pilgerpass an allen Stationen, unter anderem Erwitte, Soest und Werl, den sogenannten Pilgerstempel in ihr Dokument einstempeln lassen. „Wir haben auch Kirchen besucht und angesehen. Mich persönlich hat dieses Geschichtserforschen immer gereizt“, sagt Höke und seine Enkel waren auch mit Eifer dabei. Glück mit dem Wetter hatten die Marschierer „wirklich an allen Tagen. Gut, am Donnerstag hat es mal ein bisschen getröpfelt, aber nicht wirklich dramatisch.“

Hökes Rucksack brachte stattliche 15 Kilogramm auf die Waage, die beiden roten Rucksäcke der Kinder waren mit je fünf Kilogramm etwas leichter. „Viel trinken ist wichtig und ab und zu ein Snack“ – Höke kennt sich aus und hatte daran natürlich gedacht. Ist es im Ausland – speziell in Frankreich und Spanien üblich, in speziellen und oft sehr einfachen Jakobus-Pilger-Unterkünften zu nächtigen, ist die Infrastruktur auf den deutschen Pilgerweg-Passagen noch nicht so ausgeprägt. Höke: „Ich habe deshalb im Vorfeld einfache Unterkünfte oder kleine Hotels gebucht. Nur am Mittwoch waren wir in einer Pilgerherberge. Das war ein großes Erlebnis für die Kinder.“ Hier trafen sie Gleichgesinnte.

Bis zu fünf Kilogramm Gepäck trägt jeder der Zwillinge aus Evingsen auf dem Rücken.

Auf den Waldwegen selbst begegnen ihnen eher Mountainbiker oder Spaziergänger. „Immer hat sich eine gute Unterhaltung ergeben“, sagt Höke. Er ist Katholik, Finn und Ole sind evangelisch getauft. Wird auf dem Weg durch die Natur, immer den blauen Wegweisern nach, im Pilgersinn gebetet oder gesungen? „Eher nicht. Wir unterhalten uns über vieles. Pilgern heißt ja auch, sich selbst ein wenig besser kennenzulernen.“ Finn und Ole erlebten deshalb keine Frömmelei, „sie sind einfach begeistert und haben mich schon bedrängt, im kommenden Jahr eine weitere heimische Pilgerroute mit ihnen zu erlaufen. Ich hätte nichts dagegen - es macht einfach Spaß.“

http://www.jakobspilger.lwl.org/de/routen/ab-hoexter-weg-2/

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