Schwarzenstein-Brache und Co.

Filetgrundstücke: Altena setzt auf Ideen von Studenten 

Vom Schandfleck zum Vorzeige-Projekt? Ideen gibt es viele für die Schwarzenstein-Brache.
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Vom Schandfleck zum Vorzeige-Projekt? Ideen gibt es viele für die Schwarzenstein-Brache.

Die Studenten haben mit ihren Ideen für die künftige Nutzung der Schwarzenstein-Brache das Feuer entfacht: Die Stadt will künftig enger mit den Unis und Studenten zusammenarbeiten, um Altenas Zukunft zu gestalten. Nicht nur am Schwarzenstein.

Altena – Einfach mal Ideen sammeln, frei von allen Vorurteilen. Kein „Ja, aber...“. Barrieren im Kopf vergessen. Gerade, wenn es um Stadtentwicklung geht, ist das gar nicht so einfach. Wie gut das aber tun kann, zeigte sich beim Ideen-Workshop der Pioniere mit Studierenden der Universitäten Siegen und Köln und Bürgern in der Burg Holtzbrinck.

Drei Tage lang beschäftigten sich Studenten und Pioniere, wie berichtet, mit potenziellen Entwicklungsmöglichkeiten für die Industriebrache Schwarzenstein. Ohne viele Vorgaben. Sie sollten ihre Ideen sprudeln lassen. Und das taten sie. Die Ideen reichten von einer Brücke mit Licht und Klang über eine Fahrrad-Seilbahn bis zur Gastro mit Dachterrasse.

„Wir haben immer alle schon die Barrieren im Kopf. Bevor wir eine Idee aussprechen, denken wir schon an die Finanzier- und Umsetzbarkeit. Das können junge Leute einfach viel besser“, sagte Andreas Kisker, Abteilungsleiter Planen und Bauen, im Rahmen der Abschlusspräsentation.

Masterarbeit über den Schwarzenstein?

Und das ist auch gut so, wie Thorsten Erl, Professor für Stadtentwicklung an der Uni Siegen, erklärte: „Für so einen Prozess ist es wichtig, dass jeder Gedanke ausgesprochen werden darf. Gestrichen wird später automatisch. Aber nur so können wir von der vollen Kreativität profitieren.“

Und genau aus diesem Grund möchte die Stadt die Zusammenarbeit mit den Hochschulen intensivieren. „Wir könnten uns sehr gut vorstellen, dass vielleicht jemand seine Masterarbeit über die Brache Schwarzenstein schreibt. Gerne würden wir die Ideen, die daraus entstehen, in unsere Pläne mit aufnehmen. Außerdem haben wir auch noch diverse andere Punkte in der Stadt, die für Studierende interessant sein könnten“, sagte Andreas Kisker.

Wandel von Industrie- zu Wissensgesellschaft in Altena zu sehen

Erl begrüßte die Einladung. Spätestens zum Sommersemester sei eine Zusammenarbeit gut denkbar. Von einer solchen Kooperation profitierten schließlich beide, Stadt und Studenten. Und Altena habe spannende Aspekte zu bieten. Denn hier werde der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft eindrucksvoll deutlich. Zugleich seien Unternehmen aber auch nach wie vor fest verwurzelt, obwohl die Standortverhältnisse nicht immer perfekt seien.

Großen Wert legt Erl bei der Stadtentwicklung auf Räume für einen Austausch der Generationen. Die Gesellschaft habe sich stark gewandelt. Es gebe immer weniger Orte, an denen sich verschiedene Menschen treffen, an denen beispielsweise Senioren, Jugendliche und Familien gleichzeitig aufhalten. „Früher hatten beispielsweise die Kirchen eine solche Funktion. Doch das ist nicht mehr so“, erklärte Erl.

Neue Räume für Begegnung schaffen

Dass die Gemeinden es immer schwerer haben, zeigt sich aktuell an den Entwicklungen in der katholischen Pfarrei, die gleich zwei Kirchen samt Gemeindehaus schließt. Seiner Meinung nach sei dieser fehlende Raum auch der Grund für die teils extremen Meinungen, die sich derzeit in der Gesellschaft bilden. „Es ist einfach ein Umdenken erforderlich – und das können gerade junge Menschen gut“, betonte Erl.

Was sich daran zeigt, dass alle drei Studierenden-Gruppen beim Workshop am Wochenende Räume für Begegnungen ins Zentrum ihrer Ideen für die Brache Schwarzenstein gesetzt hatten. Zudem appellierte Erl mit Blick auf die Brache eindringlich an die Stadtvertreter, keine radikalen Abrisse vorzunehmen. Auch wenn der Fabrikkomplex derzeit ein Schandfleck am Stadteingang ist, sei ein Komplettabriss falsch: „Das ist Ihre Stadtgeschichte und ein Zeitdokument der Industriekultur. Nutzen Sie das und lassen Sie es sichtbar und vor allem erlebbar werden.“

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