Feuerwehr ist mehr als löschen

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Nachts ‘raus zum Löschen: Das sei Arbeit und müsse deshalb unters Arbeitszeitgesetz fallen, meint die EU. Für die Freiwillige Feuerwehr hätte das drastische Folgen. ▪

ALTENA ▪ Darüber wurde im Rat nicht lange diskutiert: Einstimmig verabschiedete das Stadtparlament eine Änderung bei der Entschädigungssatzung für Feuerwehrleute. Selbstständige bekommen jetzt einen Verdienstausfall von bis zu 20 Euro.

Die einzige Wortmeldung zu diesem Thema kam von Uwe Kober. Der CDU-Ratsherr ist aktiver Feuerwehrmann und war bis zu seinem Wechsel zur Sparkasse selbstständig. Es gehe bei diesen Entschädigungen nicht so sehr um einen finanziellen Ausgleich für Einsätze, sagte er. Vielmehr sei es so, dass auch ehrenamtliche Feuerwehrleute zu Seminaren und Lehrgängen müssten, zum Teil auch „unter der Woche“. Drücke eine Selbstständiger fünf Tage lang für’s Ehrenamt die Schulbank, dann sei der bisher gezahlte Stundensatz von höchstens 15 Euro viel zu niedrig. Auch mit den 20 Euro, die jetzt gelten, liegt die Stadt Altena noch unter dem, was in Nachbarstädten gezahlt wird.

Abzuwarten bleibt, wie es grundsätzlich weitergeht mit der ehrenamtlichen Feuerwehr – beim Deutschen Feuerwehrverband jedenfalls läuten wegen einer Initiaive der Europäischen Union sämtlche Alarmglocken. In Brüssel wird nämlich zurzeit diskutiert, ob die Tätigkeit der Ehrenamtlichen nicht „Arbeit“ ist und deshalb die Arbeitszeitverordnung anzuwenden ist.

Das hätte zum Beispiel zur Folge, dass ein Feuerwehrmann, der nachts zu einem dreistündigen Einsatz gerufen wird, erst acht Stunden nach dessen Beendigung zur Arbeit gehen dürfte – das würden die Arbeitgeber der Ehrenamtlichen auf Dauer kaum mitmachen.

Deswegen laufe der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) gegen dieses Vorhaben Sturm, berichtete gestern Udo Winter, der Leiter der Feuer- und Rettungswache. Tatsächlich sieht die Organisation die Existenz der Freiwilligen Feuerwehren durch die Arbeitszeitrichtlinie bedroht. „Das Ehrenamt wäre damit weitgehend unmöglich gemacht“, erklärt DFV-Präsident Hans-Peter Kröger. „Dies würde auch für viele andere Bereiche wie zum Beispiel Sanitätsdienste und Wasserrettung, Sport und Kultur, Umweltschutz und viele andere mehr zutreffen“, gibt er zu bedenken. Der DFV sei der festen Überzeugung, dass die Arbeitszeitrichtlinie für die Freiwilligen Feuerwehren nicht gelten könn. „Deshalb lehnen wir insbesondere eine Aufnahme der Freiwilligen Feuerwehren in die Richtlinie ab!“, betont der DFV-Präsident. ▪ ben.-

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