Zu viel Konkurrenz in zu kurzer Zeit?

Feste in Altena und Lüdenscheid: Kreis zettelt Mittelalter-Fehde an

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Kampfeslustig gaben sich die Ritter beim Mittelaltermarkt am Wochenende in Altena. Hinter den Kulissen gibt es den einen oder anderen Schlagabtausch zwischen den Lüdenscheider Veranstaltern und dem Kreis.

Altena/Lüdenscheid – Zu viel Konkurrenz fürchtet der Kreis durch das Mittelalterfest in Lüdenscheid für den Mittelaltermarkt in Altena - und zwingt die Händler, sich für einen Termin zu entscheiden.

Ist der kleine Altstadt-Marktflecken Lüdenscheid eine große Konkurrenz zur mittelalterlichen Burgstadt Altena? Dieser Eindruck hat sich jedenfalls bei den Altstädtern in Lüdenscheid verfestigt. 

Hinter den Kulissen herrscht nicht nur eitel Sonnenschein: Zwar sind beide Veranstalter zufrieden mit ihren just zurückliegenden Mittelalterfesten. Aber: Mehr als sonst habe man gespürt, dass der Kreis das ehrenamtlich organisierte Lüdenscheider Graf-Engelbert-Fest kritisch sehe. 

„Dabei haben wir einen ganz anderen Anspruch und eine andere Klientel als Altena“, sagt Harald Weidlich, Zweiter Vorsitzender des organisierenden Altstadt-Vereins.

Händler dürfen nur bei einer Veranstaltung sein

Es habe Gespräche gegeben, in denen der Kreis den Lüdenscheidern nahegelegt habe, lieber eine Gründerzeit-Fete zu machen, da ihre Altstadt nicht richtig mittelalterlich sei. 

Dazu komme, dass Künstler und Händler eine Gebietsschutzklausel unterschreiben müssten, sich also entscheiden sollten, ob sie in Lüdenscheid oder Altena teilnähmen. Das sei zwar normal in der Branche, sagt Weidlich. Doch in Lüdenscheid sehe man es nicht als Problem, wenn Händler hier wie dort ihr Geld verdienten. 

Packende  Ritterturniere

Schade sei gewesen, dass das Drahtmuseum nicht mehr mit einem Mitmach-Stand in Lüdenscheid habe antreten dürfen wie noch in den Vorjahren. 

Schlechtere Besucherzahlen der Vorjahre schuld?

Womöglich rühre die Sorge des Kreises auch einfach daher, dass im vergangenen Jahr deutlich weniger Besucher nach Altena gekommen seien als in den Vorjahren, meint Weidlich. 

In diesem Jahr zeigen sich die veranstaltende Veranstalter Agentur Pfiffikus und der Märkische Kreis sehr zufrieden mit mehr als 18 500 Besuchern beim Markt in Altena. Im Vorjahr, als Lüdenscheid das Stadtjubiläum ausnahmsweise mit einer zweitägigen Mittelalter-Veranstaltung gefeiert hatte, waren es in der Burgstadt 3500 Besucher weniger gewesen.

Mittelaltermarkt in Altena 2019: Der Samstag

Seit 2009 werde am ersten Augustwochenende in Altena gefeiert, sagt Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper. Nun ist in Lüdenscheid seit einigen Jahren eine Woche vorher ebenfalls ein Mittelalterfest: „Dass man Themen in unmittelbarer Nähe nicht beliebig oft bespielen kann, ist nicht neu.“ Und: „Ich weiß nicht, ob die Lüdenscheider sich einen Gefallen tun, immer eine Woche vorher den Termin zu besetzen.“ 

Mittelaltermarkt in Altena 2019 - das war der Auftakt

Daher sei die Gebietsschutzklausel in die Künstlerverträge aufgenommen worden. Schließlich zahle niemand in Altena Eintritt für Top-Acts, die eine Woche vorher in Lüdenscheid kostenlos zu hören gewesen seien. Finanziell habe der Kreis lediglich in den ersten zwei, drei Jahren „was ‘reingeschossen“, inzwischen laufe die Veranstaltung ohne Zuschuss – auch wegen des Eintrittsgeldes. 

Zu wenig Personal fürs Drahtmuseum

Doch dasAngebot in Lüdenscheid sei auch sehr reichhaltig gewesen, sehr gelungen. Hinweise auf einen möglichen Wettbewerb seien „gar nicht bedrängend oder böse gemeint“, betont die Kreisdirektorin. 

Was den fehlenden Stand vom Drahtmuseum angeht: „Wir haben selbst nichts mit dem Drahtmuseum gemacht.“ Eine Rückfrage habe ergeben, dass es dafür nicht ausreichend Personal gegeben habe. „Wir arbeiten auch viel mit ehrenamtlichen Honorarkräften.“ 

"Mittelalter in der Altstadt", Graf-Engelbert-Fest- alle Fotos hier

Am vergangenen Mittelaltermarkt-Wochenende ging zugleich die Soester Fehde über die Bühne – mit Historienspiel und handgemachten Kostümen. Die Soester feierten alle zwei Jahre, aber mit einem anderen Anspruch an Authentizität. Mit denen habe man vor Jahren ebenfalls Gespräche geführt. „Wir hätten sicher noch mehr Zuschauer gehabt, wenn Soest nicht gewesen wäre“, vermutet die Kreisdirektorin. 

Kreisdirektorin: "Mittelalter noch nicht zuende erzählt"

Tatsache sei: „Das Thema Mittelalter läuft, es läuft sehr gut und ist noch nicht zu Ende erzählt.“ Gleichwohl überlege man sich, was passiere, „wenn das Thema nicht mehr zieht, wenn es auserzählt ist. Das geht natürlich umso schneller, je mehr dieser Veranstaltungen sind.“ Deshalb erprobe man Neues, wie zuletzt das Steam-Punk-Fest auf der Burg Altena.

Für die Altstadt-Vereinsvorsitzende Sigrid Schroeder hat das Graf-Engelbert-Fest vor allem eine Aufgabe: „Wir möchten die Altstadt beleben. Wir sind kein Mittelalter-Verein.“ 

Wenn es aber darum gehe, wer zuerst was gemacht habe, dann erinnere sie nur an die Aktivitäten des ersten Altstadtvereins, der in den 80er-Jahren mit der damals ganz neuen Truppe Kramerey und Kurtzweyl bereits mittelalterliche Feste in der Altstadt organisiert habe: „Da hab’ ich schon Bratwürstchen verkauft.“  

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