Publikum feiert mehr als 100 Mitwirkende nach der Aufführung der Matthäus-Passion frenetisch

Fesselnd, mitreißend, intensiv

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Christine Wehler übernahm sämtliche Alt-Partien.

Altena - Trauer, Trost, Hoffnung und Erlösung: Alle Facetten des Leidens und Sterbens Jesu kamen am Sonntag in der Matthäuskirche bei der Gesamtaufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, mit dem das diesjährige Ökumenische Passionsprojekt einen glanzvollen Abschluss fand, zum Vorschein.

Nach dem einführenden Gesprächskonzert am Samstag erlebten die Besucher in der nahezu voll besetzten Kirche eine von der ersten bis zur letzten Minute fesselnde, ungemein intensive und bewegende Begegnung mit dem monumentalen Meisterwerk, in dem Bach seine gesamte kompositorische Meisterschaft entfaltet. Bemerkenswertes dramaturgisches Gespür und Sinn für die stilistischen und musikalischen Besonderheiten der Bach’schen Musik bewies das große, mitreißend auftrumpfende Ensemble, dem unter Leitung von Johannes Köstlin ein zutiefst berührender Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart gelang.

Die ökumenische Zusammenarbeit möchte Dirigent Johannes Köstlin unbedingt fortsetzen.

Ergreifend arbeiteten Sänger und Musiker – von Köstlin kongenial durch das berühmte Bach-Werk geleitet - die in der Passion steckende tiefe Menschlichkeit heraus. Zwei Orchester, zwei Chöre und großartige Solisten führten die letzten Stunden im Leben Jesu klangmächtig und bildgewaltig vor Augen. Eingebunden in die mit stehenden Ovationen gefeierte Aufführung waren Annabelle Heinen (Sopran), Christine Wehler (Alt), Mark Heines (Tenor) und Christoph Scheeben (Bass) als Solisten, das (in zwei Orchester untergliederte) Kammerorchester „musica da camera“, der Kammerchor „Collegium Canticum“ und der Ökumenische Projektchor „Chorgemeinschaft Altena“ mit Mitwirkenden aus der Evangelischen, Evangelisch-Freikirchlichen, Katholischen und Neuapostolischen Gemeinde.

Ökumenische Gemeinschaft

Mit groß angelegten Chören, Rezitativen und kontemplativen, dramatischen und klagenden Arien, in denen das Unfassbare des Geschehens farbigen Widerhall fand, versetzte das gesamte Ensemble seine Zuhörer mit den Augen des Evangelisten Matthäus in biblische Zeit. Ganz dicht an das Ringen Jesu mit Gott im Garten Gethsemane, den Verrat und die verzweifelte Reue des Judas, die Verleugnung des Petrus und das grausige Geschehen der Kreuzigung führte die opulente, fesselnde Aufführung heran. Die fulminanten Eingangs- und Schlusschöre, die das Werk umrahmen, sowie die (das Geschehen kommentierenden) Choräle – voran Paul Gerhardts Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ – waren von überwältigender Wirkung und brachten innerste Saiten zum Klingen.

Zwei Orchester, zwei Chöre und Solisten bildeten bei der Aufführung eine Einheit.

Ein glückliches Händchen bewies Johannes Köstlin bei der Auswahl der Solisten, die in die Rollen des Evangelisten, von Jesus, Pontius Pilatus und weiterer Protagonisten schlüpften. Die Rolle des Evangelisten, der die Worte des Matthäus wortwörtlich nacherzählte, fiel dabei Mark Heines zu. Ausdrucksstark lieh er dem Evangelisten seine klare, wohlklingende Stimme. Bemerkenswert saubere Artikulation zeichnete seinen Gesang aus.

Saubere Artikulation

Den Worten Jesu verlieh Christoph Scheeben (auch Pilatus und Hohepriester) Nachdruck. Ruhe und Würde inmitten einer Welt im Aufruhr strahlte sein Gesang aus. Facettenreiche Instrumentalbegleitung mal durch die Flöte, mal durch die Geige oder andere Instrumente verlieh den klangschönen Arien von Christine Wehler und Annabelle Heinen besondere Innigkeit und Wärme. Schöne Stimmen aus Chorreihen vervollständigten die Riege der Solisten. Zwischen den verschiedenen musikalischen Formen, denen sich Bach in seiner gut dreistündigen Passion bediente, waren das Kammerorchester „musica da camera“ und Christopher Brauckmann an der Orgel eindrucksvolle Vermittler.

100 Mitwirkende bei der Matthäus-Passion

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