Dahler Wilfried Bracht erarbeitet umfangreiches Buch-Manuskript zum Ersten Weltkrieg

Feldpost aus der Hölle

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Wilfried Bracht beim Sortieren von Feldpostbriefen und -Karten von Fritz Dahlhaus, dem Vater von Gerlinde Grefe.

Altena - Es ist ein ganz besonderes Zeitdokument: Auf mehr als 500 im A 4-Format eng beschriebenen Seiten hat der Dahler Wilfried Bracht Lebens- und Soldatenschicksale sowie das Ortsgeschehen im Raum Altena und Dahle in der Zeit des Ersten Weltkrieges beleuchtet. In sein neues Buch „Feldpost aus der Hölle“ hat er mehr als dreieinhalb Jahre Arbeit investiert.

2015 gab der Heimatverein Dahle das wesentlich aus der Feder des ehemaligen Rektors der Grundschule Mühlendorf stammende Buch „Dahle in der NS-Zeit“ heraus. An diesem Werk wirkten allerdings noch Günther Koopmann und die Mitglieder des Arbeitskreises Zweiter Weltkrieg und weitere Geschichtsfreunde mit.  Schon damals reifte in dem 71-Jährigen die Idee, „sich vielleicht auch mit dem Ersten Weltkrieg zu befassen.“ Eher zufällig traf Bracht Fritz Grefe und seine Frau Gerlinde geborene Dahlhaus und kam mit ihnen ins Gespräch.

Mehr als 400 Feldpostbriefe hat Wilfried Bracht gesichtet und in sein Werk einbezogen.

Als sie ihm dann erzählte, sie habe noch viele Briefe ihres Vaters Fritz Dahlhaus aus dem Ersten Weltkrieg aufbewahrt, war Brachts Interesse geweckt. „Irgendwie hat mich auf Anhieb die große Bedeutung dieses zeitgeschichtlichen Materials gereizt.“ Bracht sichtete die Schriftstücke wie Briefe und Postkarten und begann sie chronologisch zu ordnen. Eine erste große Herausforderung: Alle Texte waren in Sütterlin verfasst. Selbst als sich der Autor „eingelesen“ hatte, bereitete ihm das Entziffern der 100 Jahre alten Unterlagen, die natürlich unter der Zeit gelitten hatten, schon Probleme. „Viele waren zudem nur mit schwachem Bleistift oder stark verblichener Tinte verfasst.“ Was Bracht sich erarbeitete, beschreibt er so: „Die Karten und Briefe geben in bedrückender und brutaler Offenheit die furchtbaren Erlebnisse der Dahler Soldaten im Ersten Weltkrieg wieder.“

Mehr als dreieinhalb Jahre Arbeit steckte Bracht in sein Werk. Er hat es übersichtlich als Manuskript geordnet.

Er schreibt von ständiger Bedrohung des eigenen Lebens, vom Sterben in den Schützengräben, dem starken Verwesungsgeruch über den Schlachtfeldern und den Qualen und Entbehrungen, die die Männer aus Dahle erfahren mussten. Bracht ermittelte die Militäreinheiten, ihre Einsatzgebiete und das dortige Kampfgeschehen. Und: er ordnete ihre persönlichen Erlebnisse in die Chronologie der damaligen Großereignisse ein. „Ich glaube, so kann der Leser den großen Zusammenhang der Einzelschicksale mit dem Kriegsgeschehen des Weltenbrandes erkennen“, sagt er. Selbst die nahen Angehörigen erfuhren von diesen Dingen oft auch nach glücklicher Rückkehr nichts. Bracht: „Viele haben nur in den seltensten Fällen über das Erlebte gesprochen. Es war zu grausam, zu hart.“ In den Feldpostbriefen offenbart sich etwa bei Fritz Dahlhaus sein fester Glaube an einen Gott, der sein Schicksal in der Hand hat. Beim Beschäftigen mit dem Thema traf Bracht irgendwann auch auf Gertrud Wagener. Auch sie verfügte noch über Zeitzeugenmaterial wie Briefe und Karten, die er einarbeitete. Insgesamt findet der Leser mehr als 400 zum teil farbige Feldpostbriefe in dem Werk.

Der Titel des neuen Bracht-Werks rüttelt auf.

Wilfried Bracht hofft, mit dem Buch, für dessen Druck er noch Sponsoren sucht, „einen Beitrag zu leisten, geschichtliche Ereignisse Dahles und die damit verbundenen Schicksale der Nachwelt zu erhalten.“ Ausdrücklich betont der Autor, kein Buch der „Verherrlichung von sogenanntem Heldentum“ verfasst zu haben. Es solle vielmehr Mahnung sein, ständig am Frieden zu arbeiten. Bracht ernst: „Keiner der Gefallenen ist ein Held, alle sind Opfer. Ich bin sicher: Jedes dieser Opfer hätte gerne weiter gelebt. Bracht ist bereit, Kopien oder CDs seiner Forschungen an Interessierte abzugeben.

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