Feierstunde zum Tag der Heimat im Haus Lennestein mit ergreifenden Worten

Wo man einander erzählt und zuhört

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Eine große Ausstellung mit historischen Fotos aus dem Vereinsleben, Flaggen, Trachten und Dokumenten zog sich am Samstag quer durch den Saalbau Lennestein. Und als besondere Hingucker gab es jede Menge Rübezahl-Figuren.

Altena - Pfarrer Jürgen Ruck unternahm am Samstag eine kulturhistorische Exkursion in den Heimatbegriff mit dem Verein der Schlesier, Ostdeutschen und Altenaer. Ein alter griechischer Wortstamm von Heimat liegt im Wort „Herd“. Darauf baute der Geistliche eine sowohl unterhaltsame, wie auch ergreifende Andacht auf beim Tag der Heimat im Haus Lennestein.

Viele Mitglieder des Vereins können sich noch gut an die wohlige Wärme des Herds in der alten Heimat erinnern. „Wenn Sie uns davon erzählen, dann tun Sie das nicht, um alte Wunden aufzureißen, sondern daran zu erinnern, dass Vertreibung ein großes Unrecht am Menschen ist“, richtete die stellvertretende Bürgermeisterin Hanna Freissler das Wort an die Mitglieder des Heimatvereins. Menschen ohne Fluchterfahrung könnten den Schmerz über den Heimatverlust kaum nachvollziehen. „Dabei war das Heimweh im 16. Jahrhundert in der Schweiz sogar eine anerkannte Krankheit“, ergänzte Pfarrer Ruck ganz passend. Beide Ehrengäste sprachen den Gastgebern der Feierstunde aufrichtige Bewunderung dafür aus, wie gut es ihnen gelungen ist, eine neue zweite Heimat in Altena zu finden und zu gestalten. In Erzählungen und Liedern lebt das frühere Lebensumfeld weiter. Die Texte wecken Neugierde bei denen, die nie Berührungspunkte mit Ostpreußen, Schlesien oder Pommern hatten. „Und wo wir erzählen und zuhören, da entsteht auch Heimat“, brachte es Ruck sehr schön auf den Punkt.

Das rege Vereinsleben lebt von den Mitgliedern. 85 von 105 hatten sich zur Feierstunde angemeldet.

In Altena ist in den 70 Jahren des Bestehens des Heimatvereins ein erstaunlicher Spagat gelungen: Mittlerweile sind mehrere Generationen in ihm vertreten, die gemeinsam das Schlesierlied anstimmen können und sich füreinander interessieren. „Wir sind eine große Familie von 105 Personen, die in tiefer Verbundenheit zueinanderstehen“, so Vorsitzende Karin Klinke. Sie begrüßte am Samstag Friedel Klenke, die noch gut die schlesische Mundart beherrscht und einige Wortbeiträge mit diesem Dialekt mitgebracht hatte. Zwei Mal trat im Laufe des Abends die Tanzgruppe „Nußknacker“ auf. Und neben dem Stück „Hohe Tannen“ wurde auch „Altena, Du Stadt des Drahtes“ angestimmt. der Bogen von der alten Heimat zur neuen wurde immer wieder gespannt. Sehr sehenswert war die Ausstellung, die zum 70-jährigen Vereinsbestehen zusammengestellt worden war. Sie zeigte Dokumente und Fotografien aus dem Vereinsleben, Trachten aus Breslau und Schlesien, Flaggen und Begrifflichkeiten. „Und ganz wichtig sind unsere Rübezahl-Leihgaben!“ so Karin Klinke. Der Berggeist des Riesengebirges hütet heute manche Stube inmitten der Sauerländer Berge. Ein musikalisches Denkmal ist ihm mit dem Titel „Hohe Tannen“ gesetzt: „Hohe Tannen weisen die Sterne, an der Iser in schäumender Flut. Liegt die Heimat auch in weiter Ferne, doch du, Rübezahl, hütest sie gut.“

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