Feierliche Zeremonie

Koptischer Papst in Altena - Erzengel-Michael-Kirche eingeweiht

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Der Papst bei der Auswahl des Abendmahlbrotes.

Altena – Eine Marmorinschrift an der ehemaligen Reformierten Kirche in der Innenstadt dokumentiert seit Samstag den Übergang zu einer neuen Zukunft als Erzengel Michael Kirche einer koptisch-orthodoxen Gemeinde: „Seine Heiligkeit Papst Tawadros II. hat während der Amtszeit seiner Eminenz Anba Michael, Bischof von Süddeutschland, die Erzengel Michael Kirche, am 18. Mai im Jahre des Herrn 2019, entsprechend dem 10. Baschans des Jahres AM, eingeweiht.“

Aus Sicherheitsgründen bildeten Polizeibeamte ein kleines Spalier, als die kleine Fahrzeugkolonne des geistlichen Oberhauptes von Millionen koptischer Christen um kurz vor neun Uhr in die Kirchstraße einbog. In der Kirche hatte sich zuvor der Chor eingesungen, Mütter hatten die Anzüge ihrer Kinder zurechtgerückt, und die anwesenden Geistlichen konnten noch einmal die umfangreichen Einweihungszeremonien und die mehrstündige Gottesdienst-Liturgie durchgehen.

Schon die riesige Chorschranke (Ikonostase) mit den Ikonen, deren Ankauf in Ägypten ein unbekannter Spender aus der Gemeinde möglich gemacht hatte, verdeutlichte die Bilderfreundlichkeit dieses altchristlichen Bekenntnisses. Entsprechend vermehrte sich die Bilderflut durch Fotos und Videoaufnahmen der prächtigen Zeremonie, deren verborgene oder schwer zu erkennenden Seiten mittels Live-Übertragung für die Gemeinde sichtbar wurden.

Koptischer Papst in Altena

Papst Tawadros und Anba Michael, Bischof von Süddeutschland und damit einer der beiden ranghöchsten Vertreter der koptischen Kirche in Deutschland, präsentierten sich mit prominenten Geistlichen zunächst an der Eingangstafel, die das große Ereignis fortan dokumentiert. Der Chor begleitete die Zeremonien mit einem altkirchlichen psalmodierenden Gesang, der die Feierlichkeit der Bilder und der Messgewänder ergänzte. Immer wieder erklang aus dem Gemisch arabischer und koptischer Sprache das vertraute „Kyrie eleison“ - „Herr erbarme dich“.

Die heute nicht mehr im alltäglichen Leben gesprochene koptische Sprache Altägyptens ist eine liturgische Sprache mit einem Wortschatz, der zu großen Teilen auf altgriechischen Einfluss zurückgeht. Stark objektbezogen setzte der Papst die Einweihung der neuen Kirche um: So wurde der Altar in einer langen Zeremonie seiner neuen Bestimmung zugeführt. Auf einem kleineren Tisch wählte der Papst später das Abendmahlsbrot aus. In sorgfältiger Detailarbeit weihte er jede Ikone der Ikonostase mit Weihwasser. Gemeinsam mit den anderen Geistlichen zog der Papst drei Mal durch die Kirche  und erfüllte auch auf diese Weise das neue Gotteshaus und seine Gemeinde mit seiner Gegenwart.  

Im Rahmen seiner Dienstreise weihte Tawadros II. mehrere Kirchen in Deutschland ein. Seine nächste Station war Unna. In der neuen Erzengel-Michael-Kirche in Altena wird es wöchentlich, aber im Wechsel zwischen Samstag und Sonntag, Gottesdienste geben. Abuna, „unser Vater“, nennen die Kopten einen Mönch in der Funktion eines Gemeindepriesters. Der nun auch für Altena zuständige Abuna Antonius war bisher schon Pastor einer koptischen Gemeinde in Bonn, die er auch weiterhin betreuen wird.

Die Gemeinde, die sich zukünftig in Altena versammeln wird, müsse sich noch finden, erklärte Heidi Jensen aus Dortmund. Die zukünftigen Gemeindeglieder leben demnach weit verstreut mit offenen Grenzen, die durch die koptischen Nachbarkirchengemeinden gezogen werden. Sie wolle sich zukünftig nach Altena hin orientieren, um die hiesige Gemeinde zu stärken, begründete Heidi Jensen ihren Entschluss, nicht nach Unna zu den Zusammenkünften zu fahren. Die Gottesdienste seien nicht nur für koptisch-orthodoxe Gläubige, sondern für alle Menschen offen, die sich in der neuen alten Kirche versammeln und beten möchten.

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