Zuständigkeiten klar verteilen

Familienberater Achim Schad erklärt, wie Eltern zum Dream-Team werden 

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Das Familienzentrum bot erneut eine interessante Vortragsveranstaltung an. Referent war Achim Schad (re.).

Altena - Sie haben sich kennen und lieben gelernt, sind mit besten Vorsätzen in die Elternschaft gegangen und stellen dann in der Erziehung fest, dass ihre Ansichten und Methoden ganz andere sind. Das führt oft zu großen Streitigkeiten, die man allerdings beilegen kann, wie Familienberater Achim Schad am Montag erklärte. Seine These: „Eltern können ein Dream-Team werden“.

Schad ist Sozialpädagoge, Fachbereichsleiter für Familienbildung, Buchautor und Inhaber einer Praxis für Paar- und Familienberatung. Und in seiner langjährigen Tätigkeit hat er einen interessanten Aspekt intensiv beleuchtet: Die Situation in der jeweiligen Herkunftsfamilie der Elternpaare. „Ich hatte mit einem Paar zu tun, wo die Frau als einzige Tochter einer alleinerziehenden Mutter groß geworden war. Dort fand Erziehung mit leiser Ansprache, Blicken und Gesten statt.

Eine Meinung

Dass ihr Mann, der mit zwei Elternteilen und Geschwistern aufgewachsen war, ab und zu mal in die Hände klatschte und seine eigenen Kinder laut zur Ordnung rief, empfand die Partnerin als aggressiven Angriff auf die Kinder. Es war keiner, aber allein solch eine kleine Situation im Familienalltag barg schon enormes Konfliktpotenzial“, berichtete Achim Schad. Kinder, das wussten auch die sechs teilnehmenden Mütter der Familienzentrumsveranstaltung, können solche Situationen perfekt für sich ausnutzen. Springt die Mama ihnen immer bei, wenn der Papa Kritik übt, verfestigen sie das Verhalten, das ihnen Vorteile bringt. „Allerdings ist es nicht gut, wenn regelmäßig ein Streit entbrennt, der irgendwann alle Familienmitglieder in eine Spirale zieht.

Streit ist nicht gut

Die Kinder werden verunsichert, haben Nachteile in der Schule und Probleme im sozialen Gefüge“, hat Achim Schad festgestellt. Wie aber finden Eltern zum Kompromiss? „Indem sie Teamregeln aufstellen!“ Eine davon kann lauten: Wer zuerst aufs Kind reagiert, hat Recht. „Es kann funktionieren, wenn sich da ein Gleichgewicht einpendelt. Ich habe aber auch Mütter erlebt, die nur darauf lauerten, eingreifen zu können und dem Papa keine Chance ließen. In solchen Fällen kann man einen Schritt weiter gehen und die Zuständigkeitsfrage erweitern.“ Achim Schad schilderte einen krassen Fall aus seiner Praxis, in dem der Konfliktstrudel bereits so manifestiert war, dass das Kind stationärer Behandlung bedurfte: Die Mutter ging als Ärztin in Vollzeit arbeiten und sah jeden Abend mit an, wie ihr Mann den Sohn beim Essen kritisierte.

Kinder sind clever

Der Junge war schon fast im Teenageralter, aß aber bewusst so unbeholfen, wie ein kleines Kind. Ihm war klar, dass er sofort mütterlichen Beistand bekam, wenn er durch dieses Verhalten Streit provozierte. In diesem Fall habe ich die Zuständigkeiten noch klarer definiert: Ein Elternteil war jeweils an den geraden und ungeraden Tagen des Kalendermonats für die Erziehung verantwortlich. Für alle war es ein langer und nicht einfacher Lernprozess, aber die Situation verbesserte sich ganz deutlich“, so Schad. Der Schlüssel zum Dream-Team, das betonte der Referent abschließend, liege in den Kindern. „Die sind nämlich ganz schön clever. Und sie werden glücklich, wenn ihre Eltern es auch sind.“

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