Fallschirme „made in Altena“

Für die Fallschirmfabrik arbeiten meist gelernte Industrie-Näherinnen oder Schneiderinnen. Eine geübte Kraft kann bis zu zwei Kappen an einem Tag nähen. Die 22 Hauptnähte haben eine Länge von 3,50 Metern. -  Foto: Keim

Altena -  Wer die steile Straße „Am roten Berge“ stramm herauf marschiert, der weiß vielleicht schon, was Luftnot ist. Wer aber einmal in Luftnot gerät, so wie der Fachmann es meint, der wird froh sein über Produkte aus dem Hause Heinrich Mertens.

Der 59-Jährige betreibt „Am roten Berge“ eine Fallschirmfabrik und geht damit einem ebenso seltenen wie interessanten Gewerbe nach. Lediglich „drei oder vier“ weitere Firmen gäbe es in dieser Branche in ganz Deutschland, berichtet Mertens. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Verzögerungen wegen baurechtlicher Auflagen läuft der Betrieb mittlerweile rund – und auf vollen Touren. Die Flieger stehen landauf, landab in den Startlöchern, die Saison hat begonnen. Und sie sind auf Produkte wie die von Heinrich Mertens angewiesen. Mertens entwickelt, fertigt und wartet nämlich Rettungsfallschirme – keine herkömmlichen Sportfallschirme, sondern solche „Kappen“, die automatisch oder von Hand ausgelöst in Aktion treten, wenn andere Systeme versagt haben. Segelflieger brauchen diese Schirme, aber auch Fallschirmspringer als beruhigendes „Backup“ für die Hauptkappe. Vier Sekunden darf es im Falle des Versagens dauern, dann muss der Rettungsschirm seinen Dienst antreten. „Und dann“, sagt Mertens mit einem Lächeln, „hat man erstmal Zeit, sich die Kühe von oben anzugucken“. Bis zu 1 000 Schirme hat der 59-Jährige zum Beispiel über den Winter in Obhut, die dann durch den jährlich fälligen „Fallschirm-TÜV“ müssen. Diese Abnahmeberechtigung hat der gebürtige Lendringser ebenso erworben wie die Qualifikation zur Ausbildung von Fallschirmwarten und -prüfern. Seine Kunden, berichtet Mertens, kommen mittlerweile aus ganz Europa. Neben Fallschirmen werden „Am roten Berge“ auch Transportgurte und so genannte Berge-Netze für Hubschraubereinsätze gefertigt.

Mertens selbst beschreibt seine Rolle übrigens auch schon einmal als „Schutzengel“. Qualität und Solidität von Rohmaterial und fertigem Produkt seien ihm sehr wichtig. Etwas durchaus Beruhigendes hat in diesem Zusammenhang einer seiner Geschäftsgrundsätze: „Ich sehe meine Kunden gerne wieder.“ - Von Thomas Keim

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