Ein Fall für Spezialisten von Pilling aus Altena

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Jens Ciecielski (links) und Kevin Lückermann (Mitte) haben am Bau der Retorte mitgewirkt. Sie präsentierten sie gestern gemeinsam mit Betriebsleiter Thomas Theofel.

ALTENA Halteverbotsschilder vor der Firma Pilling zeigen an, dass dort bald wieder ein etwas größeres Teil auf die Reise geschickt wird. Diesmal ist es eine Retorte, von der Geschäftsführer Holger Pfleging sagt: „Die ist schon ‘was Besonderes“.

Gut sechs Meter Außendurchmesser, sechs Meter Höhe, 42 Tonnen Gewicht – drei Lastwagen werden gebraucht, um die Bestandteile der Anlage nach Bochum zu bringen. Empfänger ist eine Lohnhärterei, die Werkstücke beim so genannten „Aufkohlen" mit bis zu 980 Grad Hitze behandelt. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen an das Material und seine Verarbeitung. Die Fertigung solcher hitzebeständiger Schweißkonstruktionen ist ein wichtiges Standbein des Traditionsbetriebes in der Nette.

„Die Anlagen werden immer größer“, berichtet Pfleging und zeigt auf entsprechende Bilder in seinem Büro – auf einem parkt ein Smart in einer bei Pilling gebauten Rohrmuffe. „Zahnräder für Windkraftanlagen wiegen zum Beispiel bis zu 38 Tonnen“, weiß der Fachmann. Entsprechend groß müssen die Anlagen sein, in denen sie gehärtet werden.

„Am Stück“ ließe sich die Retorte nur schlecht transportieren. Deshalb wird sie in drei Teilen verschickt – Die Endmontage erfolgt vor Ort durch die Pilling-Mitarbeiter, die die Retorte auch gebaut haben. „Dafür planen wir acht Tage ein“, berichtet Werksleiter Thomas Theofel.

Den Transport übernimmt die norddeutsche Spedition HBH, mit der Pilling oft zusammenarbeitet. Am Kino wäre es für dieses Kaliber viel zu eng. Deswegen fahren die Lastwagen auch diesmal über Evingsen. Trotzdem müssen Schilder entfernt und Ampeln zur Seite gedreht werden, damit die schwere Fracht passieren kann.

Viel größer durften bei Pilling gebaute Kessel und Retorten bisher nicht sein – „das war schon ganz schön eng“, sagte Theofel. Das Unternehmen hat deshalb reagiert: Eine neue, 800 Quadratmeter große und vor allem knapp 19 Meter große Halle wird angebaut, sie steht kurz vor ihrer Fertigstellung. Eine Million Euro wurden investiert, um das Firmenareal in Altena auf 10 000 Quadratmeter zu vergrößern. Hinzu kommen 50 000 Quadratmeter in Riepe bei Emden, wo Pilling wesentlich größere Anlagen insbesondere für Feuerverzinkereien herstellt. Von den 135 „Pillingen“, wie die Mitarbeiter sich selbst nennen, arbeiten mehr als die Hälfte am Stammsitz in der Nette.

vonThomas Bender

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