Faktencheck am Berufskolleg

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Lehrer Michael Funcke (l.) und Schulleiter Wolfgang Metzen wollen die Schließung des ESBK-Standortes verhindern. Eine Umfrage soll Klarheit über die Ansichten der Schüler bringen.

Altena - Am Donnerstag wird in der Kreistagssitzung aller Voraussicht nach die Schließung des ESBK-Standortes Altena beschlossen. Schulleiter Wolfgang Metzen und Lehrer Michael Funcke kritisieren das bisherige Vorgehen der Politiker von CDU und SPD und haben ihre Schüler zum Faktencheck aufgerufen.

Von Kristina Köller

Sie bezeichnen das Vorgehen als „völlig unverständlich“. „Stellungnahmen, Fakten und Argumente gegen die Schließung des Standortes gibt es genug, aber ein Mitwirken der Betroffenen, das per Gesetz vorgeschrieben ist, sieht anders aus“, kritisierten die beiden.

Michael Funcke, Lehrer und Mitglied der Standortleitung des ESBK in Altena, stellte fest: „Wir wollten auch schon mitreden, als der Beschluss zur Schließung das erste Mal gefasst worden ist, da sind wir aber weniger öffentlichkeitswirksam vorgegangen und hatten auf einen anderen Beschluss des Kreistages gehofft.“ Gewissermaßen hätten alle dann unter Schockstarre gestanden, räumte Metzen ein.

In der Kreistagssitzung am Donnerstag würde der Schulleiter gerne zu Wort kommen. Dann möchte er die Ergebnisse eines Faktenchecks – eine Umfrage unter den Schülern – vorstellen. Selbst vor dem Hintergrund, dass seine Argumente und die der Schüler dann nicht mehr ernst genommen werden.

Nach seinem Wissensstand sind Schulen aus den umliegenden Städten und Nachbarkreisen bisher nicht am Verfahren beteiligt worden. Darin sieht Metzen einen erneuten Verfahrensfehler. „Das ist nicht passiert, auch wenn sie offensichtlich betroffen sind. Allein schon, weil sie mehr Schüler aufnehmen müssten, sollte der ESBK-Standort Altena geschlossen werden.“

Um die Argumente gegen die Schließung zu untermauern, ließ Metzen die Schüler einen Fragebogen ausfüllen. 80 Prozent nahmen teil. Die Kernfrage lautete: Wie hätten sich die Schüler bildungstechnisch entschieden, wäre der ESBK-Standort Altena schon 2010 geschlossen worden? „Dabei kam Erschreckendes ans Tageslicht“, sagte Metzen, „20 Prozent der Vollzeitschüler gaben an, sie hätten in diesem Fall auf eine schulische Höherqualifizierung ganz verzichtet.“

Die Absicht der Politiker, alle Schüler an den Hauptstandort nach Halver-Ostendorf zu schicken, sei laut Umfrageergebnissen nicht umsetzbar. „Nur zehn Prozent der Befragten würden den Weg nach Halver auf sich nehmen.“ Vielmehr sähen sich die Schüler nach fahrtechnisch günstigeren Alternativen um. Genannt seien umliegende Gymnasien oder die Berufskollegs in Lennestadt, Hagen-Hohenlimburg und Iserlohn.

Im Endeffekt seien vor allem Unternehmen im Lennetal die Leidtragenden. Metzen: „Der Zugriff dieser Betriebe auf die Schüler als potenzielle Auszubildende würde eingeschränkt.“ Er nannte gleich ein Beispiel: Pendle ein Schüler erst einmal zum Unterricht in den Kreis Olpe, so fänden auch Praktika, Werksbesichtigungen und Kooperationen in dortigen Betrieben statt. Daraus entwickelten sich bekanntlich oft Ausbildungsverhältnisse und berufliche Perspektiven. Unternehmen im Lennetal gingen dann vermutlich künftig häufig leer aus.

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