Hohe Durchfallquote in der Theorie

Zu lasche Lerneinstellung: Der Führerschein bleibt Fleißarbeit

+
„In den Fahrstunden hat man mehr Einfluss auf die Schüler“, weiß Fahrlehrer Detlef David.

Altena - Warum tun sich viele Fahrschüler bei der Theorie-Prüfung so schwer? Altenas Fahrlehrer haben da eine klare Meinung zu. 

„Die einen lernen ganz eifrig und fallen trotzdem durch. Und dann gibt es wieder welche, denen das Pauken für die Theorie eben nicht so wichtig ist.“ So bringt der Altenaer Fahrlehrer Detlef David auf den Punkt, warum das Kraftfahrtbundesamt Flensburg deutschen Fahrschülern eine 42,5-prozentige Durchfallquote bescheinigt hat. 

„Meistens ist es eine Fleißangelegenheit“, hat Detlef David in seiner langjährigen Fahrlehrerlaufbahn festgestellt. „der Großteil derjenigen, die durchfallen, hat nicht genug gelernt“, weiß der Ausbilder aus der Rahmede. Ein kleinerer Prozentsatz scheitert an Prüfungsangst. 

Der erste Test, bei dem es um was geht

„Die Fahrprüfung ist für junge Leute oft der erste Test, bei dem es richtig um was geht. Da sitzen Schüler, die richtig gut für ihre Klassenarbeiten üben und dann zitternd keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Dafür habe ich natürlich Verständnis, da muss man sehr behutsam auf die Problematik eingehen und den Schüler bestärken. Bei den faulen Kandidaten lege ich aber auch schon mal einen unbequemeren Ton an den Tag“, schildert David. 

Die Theorieprüfung an sich habe sich inhaltlich wenig verändert. „Das Niveau ist immer noch gleich hoch oder gleich niedrig, wie vor 20 Jahren. Nur dass die Schüler heute kein einziges Blatt Papier mehr in der Hand haben, wenn sie den Führerschein machen. Das Lernen funktioniert per App. 

Jeder hat sie auf dem Smartphone, man kann überall jederzeit ein bisschen lernen. Im Vergleich zu früher, wo man ein dickes Buch und jede Menge Papierbögen benötigt hat, ist das richtig komfortabel.“ Das virtuelle Lernprogramm zeigt heutzutage auch den Fortschritt der Prüfungsreife an. 

Schüler können den Termin selbst aussuchen

„Wer sich da mal ordentlich reinkniet, kann heutzutage auch viel schneller an die Theorieprüfung kommen, als das früher der Fall war“, erklärt der Fahrlehrer. Die Fahrerlaubnis-Aspiranten machen die Prüfung auch nicht mehr davon abhängig, ob der TÜV in der Fahrschule zu Gast ist. „Den Termin kann man sich selbst aussuchen.“ 

In die praktische Prüfung darf aber nur, wer die Theorie in der Tasche hat. Gut findet Detlef David, dass die Sperren für Mehrfachdurchgefallene heute gelockert sind. „Bis vor wenigen Jahren musste jemand, der drei mal hintereinander nicht bestanden hat, drei Monate aussetzen. Bei so einer langen Zwangspause konnte man als Fahrlehrer fast wieder bei Null anfangen. Für beide Seiten frustrierend...“ 

Detlef David hat aber auch festgestellt, dass die Generation Elterntaxi es heute längst nicht mehr so eilig hat mit der mobilen Unabhängigkeit. „Wenn der Weg zum Führerschein länger dauert, ist das halt so. Mama, Papa, Oma und Opa fahren schon. Das nimmt den Druck, auch bei uns auf dem Land.“ Trotzdem, das weiß auch Altenas Verkehrsexperte Heinz Wagener, besteht zwischen Ballungsräumen und Provinz ein enormer Unterschied bei der Anzahl der Führerscheinbewerber. 

Viele Menschen fahren wieder Rad

„Wer in der City mit super Anbindung zu sämtlichen Bahnen, und Bussen wohnt, der macht gar keinen Führerschein mehr“, weiß der engagierte Ortsreferent für den Straßenverkehr im ADAC. Auch ein zunehmendes Umweltbewusstsein spielt eine Rolle: „Es fahren auch ganz viele Leute wieder Rad, weil es praktisch, biologisch korrekt, gesund und kostengünstig ist. Und als Großstädter hätte ich auch keine Lust auf ewig lange Parkplatzsuche...“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare