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Fachmessen wire und tube: Heimische Aussteller „positiv überrascht“

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Von: Hildegard Goor-Schotten

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Die Drahtmesse wire fand in Kombination mit der Rohr- und Kabelmesse tube nach längerer Corona-Zwangspause in dieser Woche wieder in Düsseldorf statt – mit einigen heimischen Ausstellern.
Die Drahtmesse wire fand in Kombination mit der Rohr- und Kabelmesse tube nach längerer Corona-Zwangspause in dieser Woche wieder in Düsseldorf statt – mit einigen heimischen Ausstellern. © Tillmann

Es hat sich gelohnt: Die Firmen aus Werdohl und Neuenrade, Altena und Nachrodt-Wiblingwerde, die in den vergangenen fünf Tagen ihre Stände auf der Messe wire und tube in Düsseldorf aufgestellt hatten, ziehen durchweg eine positive Bilanz.

„Zufrieden“ bis „sehr zufrieden“ lauteten am vorletzten Tag die Antworten auf die Frage nach dem bisherigen Verlauf der Fachmessen für Draht, Kabel und Rohre.

„Wir sind doch positiv überrascht“, meinte Carsten Pleuger vom gleichnamigen Maschinenbauer. Über deutlich mehr Besucher als erwartet freute sich auch Holger Falz am Stand von Claas/Klincke. Er war nicht der einzige Messevertreter, dessen Erwartungen übertroffen wurden. „Wir hatten schon Befürchtungen, dass weniger kommen, aber alle Kunden sind da“, berichtete Fabian Schmidt, einer der Geschäftsführer der Firma Fr. und H. Lüling.

Termin mehrfach verschoben

Eher skeptisch waren die heimischen Unternehmen an die Fachmessen herangegangen, die coronabedingt zuletzt vor vier statt vor zwei Jahren stattgefunden hatten und mehrfach verschoben wurden. Über den jetzigen Termin direkt vor den Sommerferien war kaum einer glücklich. So fiel auch die Zahl der Aussteller aus dem Lenne- und Hönnetal mit 17 kleiner aus als in den früheren Messejahren. Umso größer ist die Erleichterung, dass der Aufwand sich gelohnt hat.

Nach einem üblicherweise sehr ruhigen Start am Montag hatten die Standbesetzungen in den folgenden zwei bis drei Tagen sehr gut zu tun. Von gefühlt weniger Besuchern auf der Messe insgesamt berichteten sie – was aber nicht als Nachteil empfunden wurde. „Die Gespräche sind effektiver, die Kunden sind bewusster gekommen, weil sie etwas brauchen“, berichtete Ümit Atalay, Juniorchef von AT Wire. Das bestätigten auch andere wie Klaus Hesse, Geschäftsführer der Firma Diedr. Hesse: „Es ist ruhiger, aber die Qualität der Gespräche ist höher. Es ist mehr Zeit.“ Praktisch alle Kunden habe man getroffen, nach der Corona-Pause sei die persönliche Begegnung dringend nötig gewesen.

Kontaktpflege zu den Bestandskunden

Schon immer hat die wire vor allem der Kontaktpflege zu den Bestandskunden gedient. Das spielte diesmal eine noch größere Rolle. „Es ist schön, nach vier Jahren die bekannten Gesichter wiederzusehen“, meinte Fabian Schmidt. „Es ist eine Drehscheibe, wo viele Kunden zusammen kommen. Es erspart viele Reisen und ist deshalb vielleicht noch wichtiger als sonst“, bestätigte auch Stephan Kemper von der Prinz-Mayweg-Gruppe.

Wer – neben vielen Besuchern aus Übersee – gefehlt hat, sind Mitarbeiter aus der Produktion. „Früher haben die Firmen oft auch einige Facharbeiter geschickt. Jetzt merkt man, dass die Firmen mit Blick auf hohe Fehlquoten und Ansteckungsgefahr darauf verzichten“, bedauerte Fritz Uwe Finkernagel. Er hat mit seinem Team die Besucher am neuen Messestand begrüßt, der schon vor zwei Jahren Premiere feiern sollte – mit neuem Logo und im attraktiven grau-rot sei er sehr gut angekommen bei den Kunden, von denen fast alle vorbeikamen.

Neue Kontakte und vielversprechende Projekte

Alle heimischen Aussteller freuten sich aber auch über neue Kontakte und vielversprechende Projekte. „Wir haben schon einige interessante Anfragen aus dem Ausland bekommen“, so Carsten Pleuger. „Es gab bereits viele neue Impulse. Wir haben das Gefühl, dass seit der letzten Messe das eine oder andere Projekt gestoppt war und jetzt wieder herausgeholt wird“, berichtete Torsten Schneider vom Drahtwerk Elisental aus Neuenrade: „Wir merken verstärkt Anfragen zur Elektromobilität.“ Auch sei die Versorgungssicherheit ein großes Thema. „Durch unser Tochterwerk in Spanien produzieren wir unser Vormaterial selbst“, sieht er da einen Vorteil für das Unternehmen.

Synergien möchte man bei VDM Metals nutzen, das seit zwei Jahren zur spanischen Acerinox-Gruppe gehört. „Wir stellen zum ersten Mal gemeinsam aus, das ist schon etwas Besonderes“, sagte Marketing-Managerin Janina Gressl. Auch sie berichtete von zwei übervollen Tagen und vielen hochwertigen Kontakten. „Wir können neue Kundenpotenziale erschließen, weil wir Nachfragen nach Edelstahl wie nach Nickellegierungen beantworten.“

Unterschiedliche Stimmungslagen

Die Stimmung sei immer noch eher gut, erklärte auch Henryk Leitzke, Geschäftsführer der Walzwerke Einsal, der sich von der Messe auch verspricht, „neue Impulse und Ideen zu bekommen“ und zu schauen, „in welche Richtung wir uns technologisch bewegen“.

Das scheint mehr als nötig, denn über der allseits spürbaren Zuversicht hängen düstere Wolken, ganz aktuell durch die Gasproblematik noch einmal verstärkt. „Die Stimmung ist teilweise bedrückt“, sagte Fritz Uwe Finkernagel. „Eine große Unsicherheit am Markt, wo es hingeht“, verspürte Carsten Pleuger. „Viele Herausforderungen, für die es keine Lösung gibt“, schätzte Fabian Schmidt die Lage ein. „Man ist mit Dingen konfrontiert, für die man nichts kann, auf die man nur reagieren kann“, so Klaus Hesse, „und niemand kann sagen, was morgen ist.“

„Glücksdraht“ für eine positive Zukunft

Vier von vielen Aussagen, die alle in die gleiche Richtung zeigen. Und denen andere gegenüber stehen: „Wir beschäftigen uns mit Problemlösungen“, betonte Jochen Hülle für die Prinz-Mayweg-Gruppe. „Wir stellen uns kreativ den Herausforderungen“, so Fabian Schmidt. Auch das war an den Ständen zu hören.

Da passte das Angebot von Juwelierin Ulrike Betzler perfekt. Sie hatte den „Glücksdraht“ mit auf der Messe, mit dem Slogan „für eine positive Zukunft“. Ihr Schmuck aus Altena fand auch diesmal wieder viele begeisterte Abnehmer.

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