Fabrikfeuerwehr feiert 125. Geburtstag

Historisches Fahrzeug der Fabrikfeuerwehr Basse und Selve, heute ThyssenKrupp VDM.

ALTENA - Samstag feiert die Werkfeuerwehr ThyssenKrupp VDM an der Kleffstraße 25 ihr 125-jähriges Bestehen. Die Feier mit geladenen Gästen findet ab 18 Uhr im Haus Lennestein statt.

„Ruhig Blut, guten Muth! Rasch zur Gluth, rettet Gut!“ – diesem Wahlspruch aus dem Gründerjahr ist die heute 29 Köpfe umfassende Werkfeuerwehr noch immer verpflichtet. Den 28 Männern und einer Frau steht aktuell Michael Halbasch als Brandoberinspektor vor. Er und sein Team sorgen mit einer technischen Ausstattung vom Feinsten dafür, dass die mehr als 300 Mitarbeiter auf dem 11 000 Quadratmeter großen Werkgelände im Linscheid in Ruhe ihrer Tätigkeit, nämlich der Herstellung und Veredlung von Blechen und Stangen, nachgehen können.

Halbasch, als Angestellter bei VDM Altena in der zentralen Qualitätsstelle und -Sicherung tätig, kennt dabei jeden Weg und Steg der verwinkelten und immer wieder durch Anbauten erweiterten Firmenhallen.

Zwei Löschfahrzeuge, ein LF 16 und das 4 000 Liter Wasser fassende Lösch- und Hilfsfahrzeug HLF 1620, ein moderner Gerätewagen mit Anhänger, Ölsperren und ein fast neuer Mannschaftstransportwagen gehören neben einer speziellen Gefahrengut-Ausrüstung aktuell zum Equikment. „Wir sind damit eine der best ausgerüsteten Wehren in Altena“, sagt Halbasch nicht ohne Stolz.

Ehrenamtlich leisten die Aktiven ihren Dienst. Deshalb müssen sie – wie es auch der Regierungspräsident vorschreibt – regelmäßig üben. „Wir haben zwei feste Übungsdienste im Monat.“ Das entspreche „mindestens 40 Dienststunden im Jahr, durchschnittlich leisten wir aber mehr als 66 Stunden“, weil immer mal wieder jemand urlaubs- oder krankheitsbedingt fehle. Die Ausbildung orientiert sich an den strikten Richtlinien des Feuerwehrgesetzes mit allen vorgeschriebenen Lehrgängen und Prüfungen. Deshalb rücken VDM-Werkfeuerwehr und Freiwillige sowie die Hauptwache Altena auch schon mal gemeinsam zu Einsätzen aus. „Wir verstehen uns prima, das Klima ist gut“, sagt Halbasch.

Er ist aktuell so etwas wie das Archiv der Werkfeuerwehr. Viele alte, meist noch handschriftliche Dokumente aus den Anfängen des Jahres 1886, hütet er wie einen Schatz. Darunter auch Unterlagen der bereits 1880 im Werk Schwarzenstein gegründeten Fabrikfeuerwehr Basse & Selve.

Eine Gänsehaut bekommt der 41-Jährige VDM-Mitarbeiter, wenn er den noch heute überlieferten Bericht des ersten Einsatzes liest. „Damals“, so entziffert er flüssig die gestochen scharfe Sütterlinschrift eines seiner Vorgänger, „brannte es kurz nach Gründung unserer Fabrikfeuerwehr in Dahle. Wir haben geholfen, so gut es ging. Menschen sind zwar nicht zu Schaden gekommen, aber es hat dermaßen geflackert, dass über 60 Häuser in Schutt und Asche gefallen sind.“

Samstag wollen die Aktiven einen Blick zurück und nach vorn werfen. Sie begrüßen dazu neben der Geschäftsleitung auch den Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates im Haus Lennestein. Einen Fackelumzug zur Villa des „Herrn Commerzienraths Selve“, des Gründervaters der VDM-Wehren, eine Übung in „den Fabrikhallen“ oder eine „Volksbelustigung mit Stangenklettern und einen Holzschuhwettlauf“ wie anno 1890, zur Fünf-Jahres-Feier, gibt es aber nicht. „Ich kann aber versprechen, wir haben für gute Unterhaltung gesorgt“, wirbt Brandoberinspektor Michael Halbasch. vonJohannes Bonnekoh

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