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Unternehmen aus Wetzlar ersteigert Berg‘sche Fabrik

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Von: Thomas Krumm

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Einst wurden hier Speichen, Matratzenfedern und Krankenhausbetten gebaut. Inzwischen ist die Berg-Fabrik in die Jahre gekommen. © Krumm, Thomas

Die Berg’sche Fabrik an der Rahmedestraße hat einen neuen Eigentümer: Die Immobilien-Projektentwicklungs- und Management GmbH (IPEM) aus Wetzlar ersteigerte bei einer Zwangsversteigerung im Amtsgericht Altena die zahlreichen Gebäude mit einer Gesamt-Nutzfläche von knapp 18 000 Quadratmetern für 215 000 Euro. Mit Auskünften über die Zukunft des Riesenareals hielten sich die Erwerber zurück: „Das wissen wir noch nicht. Mal schauen!“

Altena – Der Gewerbekomplex mit großer Geschichte hat eine Grundstücksgröße von insgesamt 18 351 Quadratmetern. Er besteht aus mehrgeschossigen Produktionshallen, Pförtnerhaus, Carport, Arbeiterwohnhaus, Büro und Trafo. Die Nutzfläche beträgt insgesamt genau 17 887,89 Quadratmeter. Baubeginn war 1922, weitere Gebäude wurden in den 1950er Jahren bis 1963 errichtet.

Fast eine Million Euro Schulden bei der Bank

Vor Beginn der Verhandlung zählte der Insolvenzverwalter die immensen Rückstände der bisherigen Eigentümer auf: Allein die Kreissparkasse Köln hat Forderungen in Höhe von rund 926 000 Euro. Dazu gehören allerdings auch riesige Zinsforderungen, die offenbar aus der schon lange bestehenden Zahlungsunfähigkeit der bisherigen Eigentümer herrühren. Die Stadt Altena erhob Forderungen aufgrund fälliger Grundsteuern in Höhe von mehr 162 000 Euro. Dazu kommen weitere Verbindlichkeiten aus Sicherungsdarlehen und Hypotheken. Auch die Finanzverwaltung gehört mit vergleichsweise geringen 17 000 Euro zu den Gläubigern. Der Erlös von 215 000 Euro, dem der Vertreter der Kreissparkasse Köln dennoch zustimmte, reicht eher sehr schlecht als recht, um diese ganzen Ansprüche zu befriedigen.

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Etwas eigenwillig: Die Elektroinstallation in dem versteigerten Objekt DeBerg-Fabrik1.jpg © Krumm, Thomas

Die derzeitigen Einnahmen aus den Vermietungen decken aufgrund vieler Leerstände nicht mal die erheblichen laufenden Kosten für Strom, Gas und Wasser. Er habe mit der Mark-E mittlerweile eine „vernünftige reduzierte Stromrechnung ausgehandelt“, berichtete der Insolvenzverwalter. Aufgrund fehlender Stromzähler sei derzeit keine zweifelsfreie Zuordnung einiger Verbraucher möglich. „In vielen Mietbereichen gibt es keine eigenen Zähler.“

Verkehrswert knapp 430 000 Euro

Ein Gutachter hatte den Verkehrswert auf 429 315 Euro geschätzt. An diesem Betrag änderte auch die Rahmedeflut nichts. Die Anfertigung eines Ergänzungsgutachtens verzögerte allerdings den Versteigerungstermin. Von Amts wegen konnte der Zuschlag bei 50 Prozent erfolgen – vorausgesetzt, der Hauptgläubiger stimmte zu. Die einzigen Bieter legten ein paar Euro drauf, und dann begann ein 30-minütiges Warten ohne weitere Gebote. Stadtkämmerer Stefan Kemper war lediglich als Beobachter vor Ort. Die Stadtfinanzen erlauben keine Investition, bei der die Stadtverwaltung und die gewählten Vertreter über die Zukunft eines derart bedeutenden Areals mitentscheiden könnten.

’n bisschen schlapp!

Zuschauer kommentiert das Ergebnis der Versteigerung

Im Saal 116 des Amtsgerichts stieß die Versteigerung auf ein recht großes Publikumsinteresse. Dieses war allerdings nicht so groß, dass der Saal nicht mehr ausgereicht hätte. Ein Beobachter, der die gebotene Summe nach kurzer Abwesenheit hörte, kommentierte den Deal: „’n bisschen schlapp!“

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