Auswirkungen des EU-Austritts bleiben ungewiss

Wegen Brexit-Chaos: Unternehmen aus Altena sind verunsichert 

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Auch die Drahthersteller aus Altena befürchten einen chaotischen EU-Austritt Großbritanniens

Altena/Hagen – Egal, was jetzt noch aus Londoner Hinterzimmern an Vorschlägen für einen Brexit kommt. Es wird Verschlechterungen im Handel geben. Daher richten auch heimische Unternehmen ihren Blick voller Sorge auf die Hauptstadt des Empires.

Deshalb sollten sich deutsche Firmen auf den Worst Case, also einen ‚No Deal‘-Brexit vorbereiten, auch wenn am Schluss mit einer Übergangsphase etwas Zeit gewonnen werden kann“, sagt Frank Herrmann, Außenwirtschaftsexperte der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen. 

Was nach dem 29. März geschieht, ist nach Ansicht Herrmanns noch unklar. Betroffen vom Brexit wären unter anderem Unternehmen, die britische Lieferanten und/oder Kunden haben und über keinerlei oder wenig Erfahrung bei der Abwicklung von Geschäften mit Drittländern verfügen. 

Im Grunde „sei jeder betroffen“

Zusätzlich betroffen wären aber auch Unternehmen, die zwar mit der Abwicklung von Drittlandsgeschäften vertraut sind, aber die Besonderheiten (die noch zu verhandeln sind) des Brexit in ihre Geschäftsabläufe integrieren müssen. Fabian Schmidt, Mitgeschäftsführer der Fr. und H. Lüling, Altena, sieht den kommenden Brexit „eher nicht gelassen.“ Der Wirtschaftsingenieur meint, im Grunde „sei jeder betroffen“ – auch wenn er das eher mittelbar feststelle. 

Auf jeden Fall sieht er große Risiken auf die deutsche Wirtschaft, aber auch das eigene Unternehmen mit seinem England-Geschäft, zukommen. Schmidt zieht den Vergleich mit der Lehmann-Brothers-Bank-Pleite aus dem Jahr 2008 und fügt an: „Jetzt ist der größte Finanzplatz Europas betroffen, London.“ Er sei sehr gespannt, wie das im Falle einer Nichteinigung ausgehen werde. 

Infoabend „Brexit – What will change?“

Konkret macht sich sein Unternehmen bereits Gedanken in Richtung Zollabwicklung. „Erst heute habe ich noch im Haus gesprochen, dass das Passieren der Grenze in ein, zwei Minuten schon bald vorbei sein könnte.“ Ein Weg seien möglicherweise längerfristige Lieferfristen, mit denen man kalkulieren müsse. Der Burgstädter sieht „dunkle Wolken“ aufziehen und weiß nicht, wie jetzt noch richtiger Deal aussehen könnte und ob es dann „wirklich zu einer Aufhellung kommt.“ 

Verunsicherung macht sich unter vielen Menschen in ganz Europa breit - wie hier bei Protesten in London

Was Unternehmen nun genau beachten müssen, darüber informieren am 6. Februar die Handelskammern aus Arnsberg, Hagen und Siegen. Gemeinsam laden sie betroffene Unternehmen zur Informationsveranstaltung „Brexit – What will change?“ ab 14 Uhr nach Arnsberg ein. Zunächst wird Arndt Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Kirchhhoff Gruppe, einen Impulsvortrag zum Brexit-Szenario halten. 

Es folgt eine Podiumsdiskussion mit Arndt Kirchhoff, SIHK-Präsident Ralf Stoffels und zugleich Inhaber der BIW Isolierstoffe GmbH in Ennepetal, sowie Matthias Dubbert, Leiter des Referats Europapolitik im Brüsseler Büro des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). 

Anschließend ist Zeit für Diskussionen und den individuellen Austausch. Die Veranstaltung findet statt im IHK-Bildungshaus, Königstraße 12, in Arnsberg. Anmeldung unter: www.ihk-arnsberg.de/va-brexit. Zudem bietet die SIHK unter sihk.de einen Brexit-Newsletter und eine Checkliste mit 18 Themenfeldern an, die aufzeigt, an welche Punkte alles gedacht werden muss und die laufend anhand der Verhandlungsergebnisse erweitert und aktualisiert wird.

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