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Extreme Lieferengpässe für Elektrogeräte: Kunden und Fachhändler frustriert

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Von: Janine Tokarski

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Heiß begehrte Geräte: Die Lieferzeiten für Herde, Spülmaschinen, Kühlschränke und weitere Küchengeräte sind extrem lang und machen das Geschäft für Fachhändler Alexander Schmitz aus Altena „extrem schwierig“.
Heiß begehrte Geräte: Die Lieferzeiten für Herde, Spülmaschinen, Kühlschränke und weitere Küchengeräte sind extrem lang und machen das Geschäft für Fachhändler Alexander Schmitz aus Altena „extrem schwierig“. © Thomas Bender

„Weiße Ware“ nennt der Fachmann Elektro-Geräte für Küche und Wäsche. Die macht Fachhändlern wie Alexander Schmitz aus Altena derzeit große Sorgen. Denn die Geräte sind kaum lieferbar. Kunden müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Altena – Das Weihnachtsgeschäft hat Alexander Schmitz schon vor Jahren abgeschrieben. „Wenn man realistisch ist, wird man weniger enttäuscht“, sagt der Betreiber des Elektrofachgeschäfts Radio Schmitz an der Kirchstraße. Mit dem Online-Handel kann er nicht mithalten. „Wir müssen das Geld über das Jahr verdienen.“

Computer und Spielekonsolen nahm er komplett aus dem Warenbestand. Von dieser „braunen Ware“, wie die Unterhaltungselektronik in der Branche genannt wird, sind Fernsehgeräte sein Hauptgeschäft. Vor allem aber verkauft er „weiße Ware“, also Küchengeräte und Elektrogroß und -kleingeräte.

Wunschgeräte kaum zu bekommen

Und die macht Alexander Schmitz die Arbeit derzeit „extrem schwierig. Es ist deutlich anstrengender geworden, die Wünsche der Kunden zu bedienen“. Die „weiße Ware“ ist nämlich schlichtweg kaum zu bekommen. Zum Verdruss seiner Kunden. Wer nach einer ganz bestimmten Spülmaschine sucht, geht ebenfalls oft leer aus. Man müsse derzeit flexibel sein – und nehmen, was es auf dem Markt noch gibt, sagt Schmitz.

Der Grund sind extreme Lieferengpässe beim Material für die Elektrogeräte, vor allem Leiterplatinen fehlen. Zudem haben Flut und Corona-Pandemie die Situation verschärft – und die Nachfrage enorm in die Höhe getrieben. Beim Hochwasser wurden nicht nur in Altena tausende Elektrogeräte zerstört, die nun ersetzt werden müssen. Auch den Lockdown nutzten viele, um in ihr Heim zu investieren.

Fernseher etwa 50 Euro teurer

Vor wenigen Tagen hat Alexander Schmitz einen Multifunktionsdrucker bestellt, ein Standard-Modell, sagt er. Beim Blick auf den PC wollte er seinen Augen nicht trauen. Erwarteter Liefertermin: 6. Januar 2023. Eine Spülmaschine, die er im Mai 2020 bestellt hatte, wurde vor drei Wochen geliefert. Und beinahe täglich erhält der Fachmann Mails von Herstellern, die vor sehr langen Lieferzeiten warnen. „Egal, ob weiße oder braune Ware: Die Zeiten von wünsch dir was sind vorbei“, sagt Alexander Schmitz.

Bei Spülmaschinen und Küchen-Einbaugeräten sind es Lieferengpässe, bei der braunen Ware sind es deutliche Preissteigerungen, die Kunden verärgern. Etwa vier bis fünf Prozent mehr als noch vor einem Jahr müssen Kunden ausgeben, schätzt der Einzelhändler. Das seien bei einem Fernseher schnell mal 50 Euro. Und auch bei Druckerpatronen, die bei Radio Schmitz ebenfalls erhältlich sind, stieg der Preis – von 40 auf 47 Euro.

Geschäft „aus dem Bauch“ heraus

Beide Entwicklungen machen das Geschäft von Alexander Schmitz kompliziert. „Es ist schwer zu kalkulieren“, sagt er über den Einkauf und Bestellungen. Statt je nach Bedarf und Verkauf sein Lager nach und nach mit zwei bis drei Spülmaschinen aufzufüllen, kauft er nun lieber gleich zehn. In der Hoffnung, sie überhaupt geliefert und dann auch verkauft zu bekommen. Derzeit macht er sein Geschäft „aus dem Bauch heraus“.

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