Zwischen Altena und Lüdenscheid

Auf "Extratour" vor der Haustür: Der neue Pilgerweg im Test

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Der Pilgerweg ist identisch mit dem schon viele Jahre bestehenden Drahthandelsweg.

Altena - Ein paar Stunden ohne Corona im Hinterkopf, ein paar Stunden mal so richtig durchpusten. Das ist der Plan – auf dem neuen Pilgerweg zwischen Altena und Lüdenscheid. Ein Test.

„Ich bin dann mal weg“, tippe ich der Liebsten eine Nachricht – und lege direkt eine Drohung nach: „Komme später aber wieder.“ Noch ein lachendes Emoji hinterher und gut ist. Es geht auf „Extratour“. 

So jedenfalls bezeichnen schlaue Köpfe des Bistums Essen den Wanderweg, der nun auch das Lennetal an das Pilgerweg-Netz anschließt und ein „Abstecher“ vom eigentlichen Pilgerweg, der quer durch das Ruhrbistum führt, sein soll. 

Identisch zum Drahthandelsweg

Um es gleich vorwegzunehmen: Die gut 17 Kilometer lange Extratour zwischen Altena und Lüdenscheid ist identisch mit dem im September 2011 eingeweihten Teilabschnitt des Drahthandelsweges, der zwischen Lüdenscheid und Iserlohn insgesamt ordentliche 32 Kilometer lang ist und auf dem zweiten Abschnitt von Altena bis Iserlohn noch 15 echt schicke Kilometer zu bieten hat. 

Das kann der Hobby-Wanderer an dieser Stelle behaupten, weil er diesen Themenwanderweg mit seinen vielen Informationstafeln über die Industriegeschichte der heimischen Region vor Jahren schon unter die Sohlen genommen hat. 

Bewusst habe ich mich dafür entschieden, die Extratour des Bistums Essen von Lüdenscheid nach Altena zu marschieren und eben nicht von der Burg- in die Bergstadt. 

Brummi knurrt Wanderer an

Deshalb stehe ich vor dem Wissenschaftsmuseum Phänomenta, dem Ausgangspunkt, und nicht am Busbahnhof Markaner, an dem in Altena die Extratour beginnen kann. 

An einem Baum vor der Phänomenta ist das Wegekennzeichen des Drahthandelsweges, ein weißes „D“ auf schwarzem Grund, ebenso wenig zu übersehen wie das direkt darüber befestigte Wegekennzeichen der Extratour mit magentafarbener Schrift auf weißem Grund. 

Apropos Magenta: Das Handy wird ausgeschaltet und verschwindet zu den Käsebütterken im Wanderrucksack. Jetzt ist Sendepause. „Beim Pilgern findet man zu sich selbst und zur inneren Ruhe“, habe ich die Tage noch irgendwo gehört. 

„Genau das habe ich nach dem Lockdown und der Kontaktsperre im März jetzt gebraucht“, nuschele ich mir in den Bart, als ich die Phänomenta hinter mir lasse, die Friedhofstraße hinauf in Richtung Mathildenstraße gehe und wenig später, der markanten Wegkennzeichnung der Extratour folgend, durch das kleine Tor auf den evangelischen Friedhof einbiege. 

Idyllische Flusspartie an der denkmalgeschützten Steinernen Brücke.

Der Weg führt ein kurzes Stück über diese letzte Ruhestätte und dann via Zum Weißen Pferd und Diebesweg hinunter an die Kreuzung Altenaer Straße/Rahmedestraße. An der Ampelanlage wartend lasse ich mich von einem Brummi anknurren. Herrlich hier! 

"Idylle" mit Müll vom Vorabend

Schnell die Straßenseite gewechselt und ein paar Meter die Altenaer Straße bergab, geht es kurz hinter der Bushaltestelle Schafsbrücke rechts ab auf die Straße Unterm Vogelberg in Richtung Lenneteich, wo es irgendwelche Experten am Vorabend nicht geschafft haben, ihre Pizzakartons und Schnaps pullen in den Mülleimern zu entsorgen. Nein, ich rege mich jetzt nicht auf. 

Nach Unterer Worthagen, Am Rahmedequell und einem kleinen Stück an der Lennestraße führen Drahthandelsweg und Extratour links den Buschhauser Weg hinauf und dann auf die Alfred-Heinze-Straße. 

Lokal noch zu: Keine Pause

Verlaufen kann man sich eigentlich nicht, weil die komplette Tour wirklich gut vom Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) gekennzeichnet worden ist. Nach knapp 40 Wanderminuten, die keine besonders schönen waren, erreiche ich die Fuelbecker Straße. 

Ich könnte jetzt einen frischen Kaffee vertragen, ein riesiges Plakat aber lässt mich wissen, dass die Gaststätte Nanny‘s Kirchhahn, an der ich vorbei marschiere, erst „Mitte Juli“ eröffnet werden soll. 

Wenige Meter nach Kirchhahn und der folgenden Brücke über die A 45 knickt die Extratour rechts ab in den Wald. Weicher Boden statt harter Asphalt. Geht doch! 

Das Rauschen der Sauerlandlinie wird leiser und leiser auf diesem Waldweg hinunter zur Fuelbecker Talsperre. Es geht ordentlich bergab; und ich klopfe mir gedanklich selbst auf die Schulter für die Entscheidung, von Lüdenscheid aus zu starten. Ich bin aber auch ein Fuchs! 

Bütterken und Pilger-Pils schmecken

Es geht ein großes Stück herum um die Talsperre. Während die Jogger ihre Runden um dieses Idyll drehen, beiße ich mit Blick aufs Wasser genüsslich ins Bütterken und krame aus dem Rucksack noch ein Pülleken Pilger-Pils heraus. Plöpp. Prost! Versacken ist aber nicht, im Gegenteil. 

Der Weg führt von der Fuelbecke den Wörensiepen bergauf nach Rosmart. Es wird steiler und steiler und plötzlich mächtig heiß unter der Fleecejacke. Die Sache mit dem Fuchs, wir sollten sie an dieser Stelle besser wieder streichen... 

An zwei weidenden Rindviechern vorbei schleppe ich mich hoch nach Rosmart und folge wenig später rechts der Abbiegung in den Ortsteil „Horst“. Grüß Gott! Es geht an ein paar Häusern vorbei bergab. 

Als von Weitem die Türme des Kraftwerks Elverlingsen zu sehen sind, führt die Extratour rechts wieder in Waldgebiet hinein. 

Es folgt für mehrere Kilometer das schönste Stück auf diesem Wanderweg. Hier im Wald herrscht absolute Ruhe. So macht es doch Spaß. 

Knochen melden: Es reicht!

Nach knapp drei Stunden Wanderung ist der Breitenhagen erreicht, über den Breitenhagener Weg und Mozartstraße geht es hinab ins Tal und über die Steinerne Brücke dann über die Lenne. 

Die Knochen melden sich, gerne könnte der Weg jetzt an der Lenneuferstraße entlang direkt zum Ziel Markaner führen. Macht er aber nicht. Durch die Nonnengasse und dann über die Bornstraße geht es am ehemaligen St.-Vincenz-Krankenhaus vorbei mächtig steil hinauf. 

Die Kraxelei aber wird sich noch lohnen, denn der anschließende kleine Pfad bietet echt schöne Ausblicke auf die Burgstadt. Über Am Roten Berge und Fritz-Thomée-Straße laufe ich schließlich hinunter in die Stadt, an der Burg Holtzbrinck vorbei und später links ans Lenneufer. 

Vier Stunden: Tour erledigt

Nach etwas mehr als vier Stunden ist der Busbahnhof Markaner erreicht, die Extratour vorbei. Zur Belohnung gibt‘s ein extragroßes Kaltgetränk. Eigentlich sollte es dann mit dem Bus zurück nach Lüdenscheid gehen. Eigentlich. Weil die Schutzmaske aber schön am Rückspiegel des an der Phänomenta abgestellten Autos baumelt, lasse ich mich abholen. Kaputt, aber zufrieden. Es hat sich gelohnt.

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