Aus Wehringhausen an die Spitze der Musik-Charts

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Mit extrabreiten Hits unterhielten Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg das Publikum auf der Burg.

Altena-Unter dem Motto „Lesung und breite Hits unplugged“ haben Extrabreit-Frontman Kai Havaii und Gitarrist Stefen Kleinkrieg am vergangenen Freitagabend auf der Burg Altena eine Zeit aufleben lassen, als die Neue Deutsche Welle (NDW) eine bis dahin eher unbekannte Punk-Band aus Hagen in die Musikcharts katapultierte.

Erst als das Publikum laut klatschend die Zugabe einforderte und Kai Havaii mit „Hurra, hurra, die Schule brennt“ und „Flieger, grüß mir die Sonne“ auch ablieferte, sprangen die Emotionen so richtig über. Dennoch wurden die Besucher auch in den vorangegangenen zwei Stunden bestens unterhalten, auch wenn der Extrabreit-Sänger anmerkte, dass es ja recht still im Saal sei. 

Zwischen den Songs las der Hagener aus seiner Biografie „Hart wie Marmelade - Erinnerungen eines Wahnsinnigen“ und ließ mit sprachlichem Witz die Jahre zwischen 1979 und 1982 wieder aufleben. Dabei zeichnete er das Bild einer Zeit, in der sich im Hagener Stadtteil Wehringhausen in den nicht durch den Krieg zerstörten Jugendstil-Villen eine linke Subkultur entwickelte und die ersten Wohngemeinschaften als ein Gegenmodell zu bürgerlichen Zwängen aus dem Boden schossen. Eine Kneipe am Wilhelmsplatz sollte im Leben des Sängers auch eine besondere Rolle spielen. Nicht nur, dass der Wirt dort eine „generöse Deckelwirtschaft mit extrem langen Laufzeiten“ zelebrierte; auch lernte Havaii dort mit Jörg A, Hoppe den ersten Manager der Band kennen. 

Als musikalisches Erweckungserlebnis schilderte Kai Haivaii das Album „Never Mind the Bollocks“ der britischen Punkband Sex Pistols. „Grell, schnell und rasiermesserscharf“ sei der Sound der Startschuss für eine Kulturrevolution gewesen. Der erste Extrabreit-Auftritt auf einem Stadtteilfest in Wehringhausen spaltete das Publikum. „Wenn etwas so stark polarisierte, konnte es nicht schlecht sein“, folgerte der Sänger daraus und machte mit seiner Band weiter. 

Was dann folgte, trug der Extrabreit-Frontmann auch mehrere Jahrzehnte später immer noch mit großem Erstaunen vor. Es war das Jahr 1982 („Der Anfang von dem Wahnsinn“), als ein „Kultur-Tsunami“ über die Musiker hinwegfegte. Was war passiert: Die Neue Deutsche Welle war in der Mitte der Gesellschaft ankommen, was wiederum Extrabreit aus der Nische an die Spitze der Musikcharts katapultierte. Die Folge: „Wir verkauften viele Platten und verdienten viel Geld.“ Das „Wunder an der Volme“ brachte im weiteren Verlauf der Lesung noch so manche Stilblüte hervor. Auf einmal fand sich „ein Rudel Hagener Jung-Punks“ in der Lobby eines noblen Münchner Hotels wieder. Hier sollte Udo Lindenberg genauso eine Rolle spielen, wie Nena oder der große Udo Jürgens. 

„Wie es im Kulturbetrieb üblich ist, machen wir auch eine Pause“, kündigte Kai Haivaii gleich zu Beginn der musikalischen Lesung an. „Ihr könnt gerne Arbeitsgruppen bilden und das Gehörte diskutieren.“ In der Tat standen die treuen und wohl auch langjährigen Fans der Band zusammen und tauschten sich über vergangene Konzerterlebnisse aus. Kurz vor Schluss reichte ein Besucher zwei Pinneken mit hochprozentigem Grappa an Havaii und Kleinkrieg und ließ die Band hochleben. In den kommenden Wochen gehen die Musiker übrigens auf eine kleine Weihnachtstour. Am Samstag, 1. Dezember, steht ein Jubiläumskonzert zum 40-jährigen Bestehen in der Hagener Stadthalle auf dem Programm. Nach drei umjubelten Zugaben endete das Konzert und Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg standen noch für Autogrammwünsche bereit.

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