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Strompreis: Die Lawine rollt

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Von: Thomas Bender

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Über 46 Cent für die Kilowattstunde Strom, und das ohne Netzentgelt und andere Nebenkosten: Diese Bekanntmachung der Mark-E dürfte der Vorbote für Preissteigerungen auch für private Kunden sein. © Keim, Thomas

46,2 Cent für die Kilowattstunde Strom, Netzentgelt, EEG-Umlage und Energiesteuer noch obendrauf? Wer am Freitag in den Anzeigenteilen auf eine Bekanntmachung der Mark-E stieß, der traute seinen Augen kaum. Das Unternehmen teilte darin seine Tarife für die „Ersatzversorgung für Neukunden mit Versorgungsbeginn ab 29. Oktober und gewerblichem Bedarf größer 10 000 Kilowattstunden mit“ – eben jene 46,21 Cent. Das ist weit jenseits dessen, was bei dem örtlichen Anbieter jemals für den Strom bezahlt werden musste.

Märkischer Kreis – Die Ersatzversorgung ist durch das Energiewirtschaftsgesetz geregelt. Es sieht vor, dass örtliche Grundversorger wie Mark-E Kunden mit Energie versorgen müssen, wenn deren bisheriger Stromanbieter keine Belieferung mehr durchführen kann, zum Beispiel bei einer Insolvenz – und die gibt es inzwischen bei Stromanbieten immer mal wieder.

Nur wenige Firmen betroffen

Damit betreffe der neue Tarif nur einen verschwindend kleinen Kreis von Unternehmen, betonte Uwe Reuter, der Konzernsprecher von Mark-E. Sie sind zudem nicht lange an diesen teuren Tarif gebunden: Wer in der Ersatzversorgung landet, kann den Vertrag mit einer 14-tägigen Frist kündigen. Das setzt natürlich voraus, dass man einen neuen Anbieter findet, was angesichts der großen Verunsicherung in der Branche nicht immer ganz einfach ist. „Alle Versorger sind im Moment mit dem gleichen Problem konfrontiert: Der Preistrend geht nach oben“, sagte Reuter. Deshalb seien die meisten Anbieter abwartend und scheuten langfristige Festlegungen.

Preiserhöhungen drohen auch für Provatkunden

Neue Privatkunden (die in der Regel einen höheren Arbeitspreis bezahlen als das Gewerbe) will Mark-E im Moment sogar gar nicht mehr haben. Sie zahlen im Momnent 31,52 Cent pro Kilowattstunde, und zwar brutto. Das ist eine Zahl, die man übrigens auf der Mark-E-Homepage vergeblich sucht. Auch der integrierte Tarifrechner ist (wie auch beim Tochterunternehmen Stadtwerke Lüdenscheid) verschwunden. Dort heißt es: „Leider sind zurzeit keine Tarifabschlüsse möglich“. Dass bei Mark-E wie bei allen anderen Anbietern zum Jahreswechsel die Preise angehoben werden, ist angesichts explodierender Beschaffungskosten sehr wahrscheinlich.

Wirtschaft hat große Sorgen

Explodierende Preise für Strom und Gas machten der stark exportorientierten Wirtschaft Südwestfalens erhebliche Sorgen, teilte die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (SIHK) mit. Den Einzelfall Mark-E kommentierte man dort so: Es handele sich um ein vertriebliches Angebot. „Es wird ja niemand gezwungen, seinen Strom von der Mark-E zu beziehen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Andreas Lux. Grundsätzlich beobachte die Kammer die Entwicklung der Energiepreise aber mit großer Sorge: „In der Region haben wir eine Konzentration von Betrieben, die sehr energieintensiv sind. Die trifft das bis hin zur Existenzbedrohung“, meinte Lux. Die Entwicklung sei so bedrohlich, dass Bund und Land aufgerufen seien, schnellstmöglich regulierend einzugreifen.

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