Ex-Kommunalpolitiker bewerten Wahlausgang

Wilfried Kretschmann - Wahlsieger in Baden-Württemberg.

ALTENA - Die ersten Hochrechnungen zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben alle vor dem Fernseher verfolgt. Und gestern ausführlich Kommentare und Analysen in unserer Zeitung zum Siegeszug von Grün-Rot nachgelesen. Unsere Zeitung sprach mit ehemaligen Rats-, Kreistags- und Ortsvereinsvorsitzenden von CDU, SPD, FDP und Grünen zur Umkehrung der politischen Landschaft im Land.

Dr. Ulrich Bachmann (FDP), sieht im dramatischen Absacken seiner Liberalen „die Mitbestrafung der CDU-FDP-Koalition in Berlin.“ Es sei immer schwierig, als Juniorpartner zu bestehen, wenn man im Grunde seine Wählerstimmen aus dem gleichen Pool, dem so genannten bürgerlichen Lager, abschöpfe. Für das gute Abschneiden der Grünen hat er nur eine Erklärung: „Fukushima war der größte Wahlhelfer.“ Das Dümpeln der SPD im 20-Prozent-Gemenge führt der langjährige Ortsvereinschef „auch auf den sehr häufigen Personalwechsel an der Spitze zurück.“ Der Bürger sei einfach verunsichert gewesen, „da fehlte ein roter Faden.“ Selbstkritisch meint Bachmann aber auch: „In der Atomfrage ist meine Partei in der Vergangenheit sehr statisch gewesen“. Sie habe sich 20 Jahre von der Atomlobby beeinflussen lassen.

Gisela Gontermann, SPD, saß zehn Jahre für die Sozialdemokraten im Kreistag. „Mir war Sonntag ab 18 Uhr richtig flau im Magen.“ In Baden-Württemberg habe sie mehr erwartet. Den Grünen-Erfolg führt sie auf die jahrelange Haltung der Partei etwa in der Atompolitik zurück. Sie gab zu, Grüne früher selbst als ein wenig chaotisch und sich selbst überholend eingeschätzt zu haben, doch die Partei sei jetzt eine feste Größe. Für Kanzlerin Angela Merkel seien es jetzt schmerzhafte Tage, die Anlass gäben, viele CDU-Positionen neu zu überdenken.

Ulrich Hins, CDU, über 40 Jahre als Kommunalpolitiker tätig gewesen: „Ich sehe das ganze natürlich nicht neutral.“ Allerdings zeichne es eine Demokratie nun mal aus, dass es nach 58 Jahren – wie in Baden-Württemberg, einen demokratischen Wechsel geben könne. „Das schmerzt zwar, aber das beunruhigt mich nicht.“ Hins hält Stuttgart 21 und Japan für wahlentscheidend. Den Grünen habe er vor 30 Jahren das alsbaldige Ende vorher gesagt, „heute sind sie etabliert.“ Spitzenkandidat Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg) sei gut beim Wähler angekommen. „Ehrlich muss ich sagen, er gefällt mir auch besser als der Trittin.“ Unverständnis ruft bei Hins hervor, „dass die SPD ob ihres schlechten Abschneidens noch so stramm jubelt.“

Heinrich Hojda, 22 Jahre als Grüner-Ratsherr in Altena tätig: „Ich freue mich mit den Grünen. Wir sind oft und immer wieder angeeckt.“ Aber der Wähler habe auch erkannt, „wir bleiben unseren Grundsätzen treu, wackeln nicht aus wahltaktischen Gründen.“ Diese Ehrlichkeit über Jahrzehnte trage nun Früchte.

vonJohannes Bonnekoh

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