Ex-Frau belastet Angeklagten

ALTENA ▪ Im Prozess um den Mord am Muckelbeutel und einen weiteren Mord in Köln hat am Montag die Ex-Ehefrau des Angeklagten ausgesagt. Ihre Aussagen war mit einiger Spannung erwartet worden.

Die Schilderungen belasteten den Angeklagten – der zu den Vorwürfen schweigt – erheblich. Von 9 bis 17 Uhr hat die 4. Große Strafkammer als Schwurgericht gestern zahlreiche Zeugen vernommen, darunter den Leiter der Dortmunder Rechtsmedizin, Kripobeamten, den Arbeitgeber und einen Kollegen des Angeklagten sowie auch eine frühere Freundin des 48-Jährigen, die zur Zeit des Muckebeutel-Mordes mit ihm zusammenlebte. Dabei ging es um die Frage, ob die heute 34-Jährige von dem mutmaßlichen Täter schon etwas von dem Mord an der Altenaer Rentnerin erfahren hatte. Die Frau verneinte das. Eine Aussage, die einige Zeit später von der Ex-Frau des Angeklagten als weiterer Zeugin in Zweifel gezogen wurde. Sie benannte die mögliche Mitwisserin namentlich.

Die frühere Ehefrau sagte dem Gericht, ihr geschiedener Mann habe ihr einmal erzählt, „dass er in Altena eine alte Frau erschossen hat.“ Dabei nannte die Frau auch grausige Details zu den Schussverletzungen, die der 79-Jährigen zugefügt worden waren. Die Vernehmung der Ex-Frau nahm mit allein drei Stunden den größten Teil des dritten Verhandlungstages ein. Die Zeugin sagte, sie habe sich immer gefragt, ob das Geschilderte wahr sei oder aber eine „Story“, denn der Angeklagte habe sich allgemein gerne interessant gemacht. „Ich habe ihn unterbrochen, weil ich das nicht hören wollte.“

Mehr als das recht lange zurückliegende Verbrechen belastete die Frau dann ein Vorgang im Jahr 2006. Da sei der 48-jährige losgefahren, um sich um ihr verschwundenes Boot zu kümmern. Als er am Nachmittag zurückkehrte, sei er nervös gewesen und habe ihr gesagt: „Ich hab Mist gemacht und muss weg.“ In einer Pizzeria habe er „durch einen Aktentasche hindurch“ einen Mann erschossen. Eine schwarze Jacke, die er am Morgen noch getragen hatte, sei verschwunden gewesen und ebenso eine Aktentasche, die ein familiäres Geschenk war. Kurz darauf sei ihr Mann dann tatsächlich verschwunden und für etwa zehn Tage weg geblieben. Zwischenzeitlich soll er sich telefonisch erkundigt haben, ob die Polizei im Haus gewesen sein.

Die Frau erinnerte sich weiter daran, dass die Flucht des 48-Jährigen in die Zeit ihres eigenen Geburtstages fiel. Aus diesem Anlass seien sowohl ihre Eltern als auch die des Angeklagten zu Besuch gekommen. „Ich habe ihnen erzählt, dass Michael auf einem Lehrgang war.“ Weil der Neuenrader mit einem Firmenwagen unterwegs war, erhielt sie in dieser Zeit auch einen Anruf des Unternehmens, wo der Wagen bleibe. „Ich habe mich dann dafür eingesetzt, dass der Wagen zurückkommt“, sagte die Frau.

Der Rechtsmediziner Dr. Ralf Friedrich Zweihoff schilderte dem Gericht, dass die Altenaer Rentnerin von drei Schüssen getroffen war, wovon schon der erste wegen einer Herzverletzung tödlich gewesen sei. Der Prozess wird Freitag fortgesetzt. ▪ tk

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