Evingser wollen eigenen Dorfpfarrer

Im Kindergarten wird ein eigener Pfarrer besonders vermisst.

ALTENA ▪ Die Gottesdienste in der evangelischen Kirche in Evingsen werden von wechselnden Pfarrern gehalten, das Pfarrhaus mitten im Dorf wurde entwidmet und ist inzwischen anderweitig vermietet. Von Silvia Sauser

Wie gehen die Evingser mit dieser Situation um? Die Kirchmeisterin und 1. Vorsitzende des Presbyteriums, Helga Mosch, hat den „Niedergang im Kirchenkreis“ bereits seit 2004 beobachtet, sie bestätigt jedoch, dass die Arbeit der einzelnen Gruppen innerhalb der Gemeinde problemlos weiterläuft, es aber „kein Zustand auf Dauer“ sein kann. Man hört kein großes Murren im Dorf, aber trotzdem fehlt den Menschen der Pfarrer, der der Gemeinde auch ein Gesicht gibt. Die Gottesdienste werden von Pfarrern der Nachbargemeinden gehalten und auch, wie bereits all die Jahre zuvor, von Rolf Kaemper, dem Laienprediger der Gemeinde. Damit müssen sich die Gottesdienstbesucher auf immer wechselnde Gesichter einstellen und auf eine immer etwas andere Liederauswahl. Für Beerdigungen ist Pfarrer Krause aus Dahle der erste Ansprechpartner, erklärt Rolf Kaemper, und „wenn´s mal brennt, komm ich löschen!“ Damit ist Kaemper, ebenso wie die Kirchmeisterin, eine wichtige Bezugsperson für die Gemeinde.

Frauenhilfe, Dorfcafé und Gemeindefrühstück laufen durch den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer weiter wie bisher, mit dem Unterschied, dass die Andachten nun nicht mehr Pfarrer Pallmann hält, sondern abwechselnd einer der Presbyter.

Für den kirchlichen Unterricht und die Jugendarbeit hat das Presbyterium inzwischen die Jugendreferentin Annedore Weidlich eingestellt, die eine gute Beziehung zu den Jugendlichen aufgebaut hat. Am meisten wird der „dorfeigene Pfarrer“ im Kindergarten vermisst. Claudia Calitri-Voss, Leiterin der Einrichtung, berichtet, dass den Kindern „ihr“ Pfarrer fehlt. Ernst Pallmann hat sich viel Zeit für seine jüngsten Gemeindemitglieder genommen, fast täglich dem Kindergarten einen Besuch abgestattet, die Kinder mit in die Kirche genommen und besonders vor Ostern und Weihnachten Projekte mit den Kindern erarbeitet. Die Mitarbeiterinnen und ihr Chef waren ein eingespieltes Team, man wusste einfach, wie der Pfarrer auf die Kinder eingeht. Bei den Vertretungen weiß das Kiga-Team das nicht, jeder reagiert anders auf die kleinen Besucher im Gottesdienst. Viel Lob gab es von der Leiterin für Sabine Malms und Klaus Sauer, die als Presbyter für die Kindergartenarbeit zuständig sind und nun so manchen offiziellen Termin und einiges an Mehrarbeit leisten müssen. „Schnelllebig und unsicher“ seien die Zeiten geworden, bestätigt Sauer, allerdings profitierten er und seine Kollegin von dem guten Zusammenhalt im Presbyterium. „Die Kontinuität fehlt“, bemängelt Sabine Malms. Es sei auch manchmal schwierig und eine große Verantwortung, Entscheidungen für die gesamte Gemeinde zu treffen. „Andererseits - jeder neue Pfarrer bringt neue Impulse ins Dorf“, kann sie der Situation doch noch etwas Positives abgewinnen.

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