Wo immer ein Bett frei ist

Hans-Gerd Mosch zeigte den Campteilnehmern den „Türkischen Bund“. Der ist nützlich beim Halstuch binden.

ALTENA ▪ Drei Tage überleben in freier Natur kann sogar ganz komfortabel sein, wenn man mit den Pfadfindern unterwegs ist: Die Stämme Evingsen und Iserlohn veranstalteten am Wochenende ihr großes Pfingstcamp bei Landwirt Jochheim in Kesbern. Der liefert den Jungpfadfindern sogar täglich frische Milch.

Zeitungspapier für die feuchten Schuhe und ein Paar Socken mehr sind ganz nützlich im Pfadfindercamp. Wenn ein findiges Altmitglied allerdings ein ordentliches Regendach übers Zelt gespannt hat, kommt man trockenen Fußes durch drei Tage im Kesberner Wald. Thomas Scherff, Stammessprecher der christlichen Pfadfinder in Evingsen, hat da einige Erfahrungswerte. Mit seinem Iserlohner Pendant Felix Bernstein hieß er am Samstag auch Mitglieder der Siedlung Hattingen willkommen, die noch zu einem Stamm werden wollen. Camperfahrung hatten diese Freunde noch nicht.

Geboten wurde den jungen Leuten viel: Nach dem anstrengenden Aufbau der Zeltstadt inclusive Küchenzelt und Wohnbereich ging’s am nächsten Tag in die Workshops: Hans-Gerd Mosch kann Knoten, Angelika Mosch weiß, wie Ledertaschen und Trommeln hergestellt werden. Eine Gruppe muss immer für Holz und Wasser sorgen. Ersteres gibt’s im Wald, das Zweitgenannte spendiert Gastgeber Jochheim. „Und wenn wir morgens vor dem Tanklaster da sind, gibt’s auch frische Milch für uns“, erklärt Thomas Scherff lachend.

20 Evingser bevölkerten das Kesberner Camp - fast die Hälfte der Gesamtmitgliederzahl. Obligtorisch sind Lagerfeuer und Nachtwanderung mit anschließender Tschai-Verkostung, einem typischen Pfadfinder-Heißgetränk mit abenteuerlicher Mixtour. Meist sind insbesondere die Mädchen sind pfiffig und denken sich ein Improvisationstheater zur Abendgestaltung aus. Auch eine Gitarre fehlt nie bei den christlichen Pfadfindern. Die Lagerfeuerromantik hat eine zusammenschweißende Wirkung auf die Teilnehmer: Nach drei Tagen ist die Sehnsucht nach dem eigenen Bett und einer warmen Dusche ebenso groß wie der Abschiedsschmerz, wenn Isomatte und Schlafsack wieder eingepackt werden müssen.

Die Campatmosphäre ist so einzigartig, dass sich den Pfadfindern an diesem Wochenende sogar „Pfingstcamp-Hopper“ angeschlossen haben, die von Ort zu Ort ziehen und um einen Schlafplatz bitten. Bei Pfadfindern wird der nie verwehrt. Sie gilt nicht nur für eine Isomatte, sondern auch fürs heimische Sofa: Auch Thomas Scherff hat schon oft eine Schlafstätte für Gäste bei sich zu Hause angeboten oder in Anspruch genommen.

Das Wochenende war insbesondere für Neu-Camper eine tolle Übung: 2014 wird zehn Tage lang gecampt - beim Bundeslager in Baden-Württemberg. ▪ Von Ina Hornemann

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