Kirche spart vor allem an der Musik

Überbringer von Hiobsbotschaften: Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier, Presbyter Peter Krey und Pfarrerin Merle Vokkert informierten über die bedenkliche Entwicklung der Gemeindefinanzen.

ALTENA - Kirche wird kleiner und damit auch ärmer - für die Evangelische Kirchengemeinde Altena ist das mit schmerzhaften Einschnitten verbunden. Wie berichtet, stellte das Presbyterium am Montag Sparpläne vor, die vor allem bei der Kirchenmusik einschneidende Veränderungen zur Folge haben dürften.

Die (ohnehin schon reduzierte) Stelle von Kirchenmusiker Johannes Köstlin soll danach um ein Drittel gekürzt werden. Das sei zwingend erforderlich, weil der Kirchenkreis die Kirchenmusikerpauschale an die Gemeinde halbiert habe, argumentierte Pfarrer Dr, Kehlbreier. Er versicherte, dass die Gemeinde trotzdem versuchen werde, einen hohen Standard zu halten. „Orgelmusik vom Band“, von einer Besucherin der Versammlung befürchtet, werde es im Gottesdienst nicht geben. „An der Kultur wird immer zuerst gespart“, sagte Irmgard Herberg und zeigte sich „erschüttert“ über die Sparpläne. Johannes Köstlin selbst teilte der Versammlung mit, dass er - allerdings erfolglos - Alternativvorschläge gemacht habe, zum Beispiel die intensive Suche nach Sponsoren. Es sei gewiss möglich, jährlich einen Betrag von 15- bis 20000 Euro aufzubringen, um den Standard zu halten.

Dass die Personalkosten das Hauptproblem sind, zeigt ein Blick in den Etat. Knapp 370000 Euro stehen der Gemeinde jährlich zur Verfügung, 270000 Euro gibt sie für Löhne und Gehälter aus - und das, obwohl im Gemeindebüro bereits Personal abgebaut wurde. Köstlin ist nicht der einzige, der verzichten soll: Pfarrerin Merle Vokkert hat bereits ihre Bereitschaft erklärt, 25 Prozent ihrer Stelle zur Verfügung zu stellen. Bei Dr. Dietmar Kehlbreier passiert das automatisch, weil 25 Prozent seiner Stelle befristet waren.

Weiteres Einsparpotenzial sieht das Presbyterium an den Gebäuden beziehungsweise bei deren Energieverbrauch. 90000 Euro stehen der Gemeinde jährlich für deren bauliche Unterhaltung zu. Diese Mittel sind zweckgebunden, dürfen also für nichts anderes verwendet werden. Die Gemeinde will sie in den kommenden Jahren in erster Linie für Energiesparmaßnahmen nutzen und hat damit bereits begonnen: Das Gemeindezentrum Mühlendorf bekam vor einigen Monaten neue Fenster.

Die Gemeindeversammlung am Montag war ein Auftakt. Kehlbreier kündigte Besuche in allen Gruppen an, um dort über die Sparmaßnahmen zu sprechen. Diskutiert wurde noch nicht viel an diesem Abend, es gab in erster Linie Verständnisfragen - so zum Beispiel nach 30000 Euro Zinseinnahmen, die der Gemeinde seit der Renovierung der Lutherkirche fehlen, was aber erst jetzt durchschlägt. Zur Herrichtung des Gotteshauses hat die Gemeinde vor sechs Jahren eine Rücklage von rund einer Mio. Euro aufgelöst. Der Kirchenkreis erklärte sich bereit, fünf Jahre lang den Zinsverlust aufzufangen. Diese Frist ist abgelaufen, jetzt fehlen diese Mittel. Kehlbreier betonte auf Nachfrage, dass der Kirchenkreis sich über Jahre hinweg sehr für die Gemeinde in Altena eingesetzt und sie immer wieder mit Mitteln aus einem Härtefallfonds bedacht habe.

Aus der Gemeindeversammlung kamen auch erste Vorschläge, wie die Not gelindert werden kann. Von einem Förderverein speziell für die Kantoreien war da die Rede und auch davon, dass man Rentner, die keine Kirchensteuer mehr zahlen, um einen regelmäßigen Obolus bitten könne.

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