Evangelische Kirche begrüßt Besuch aus Chile

+
Liliana Starodub und Ehemann Carlos Neibirt sind zur Zeit Gäste von Dr. Dietmar Kehlbreier (stehend) und seiner Pfarrer-Kollegin Merle Vokkert.

ALTENA - „Ich hoffe, dass ich persönlich in den kommenden zwei Monaten neue theologische Einblicke gewinne. Zudem möchten meine Frau und ich viel lernen und uns gleichzeitig neu finden.“ Das sagt Pfarrer Carlos Neibirt aus Chile, der zur Zeit mit seiner Ehefrau Liliana Starodub Gast der Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier und Merle Vokkert ist.

Der 47-Jährige, vierfache Familienvater kennt Deutschland aus Studien- und Ausbildungsjahren und spricht – wie seine Ehefrau, die in der Heimat als Deutsch- und Religionslehrerin arbeitet – perfekt deutsch.

Carlos Neibirt ist einer von zwei Pfarrern in der Gemeinde Frutillar und zuständig für 250 Familien mit etwa  1000 evangelischen Christen. Sein Arbeitssitz liegt am westlichen Ufer des Llanquihue-Sees rund 45 Kilometer von Puerto Montt entfernt. Der Ort erlangt häufig internationale Aufmerksamkeit, weil hier die Erde so häufig bebt, wie sonst nirgendwo in Südamerika.

Erdbebengebiet

Neibirts Dienst verteilt sich über eine gigantische Entfernungslinie von nahezu 1 500 Kilometern. „Ja, in Chile sind die Menschen überwiegend katholisch. Unsere Glaubensgemeinschaft stellt nur rund ein Prozent aller Einwohner vor Ort“, sagt er. Weil es keine Kirchensteuern gibt, zahlt jeder Haushalt etwa 250 Euro pro Jahr als Obolus für die Kirche.

Ganz anders als bei den Kollegen an der Lenne ist sein Dienst in der christlichen Verkündigung dennoch nicht. Vom Gottesdienstfeiern, dem Erteilen des Religionsunterrichts über das Vorbereiten auf die Konfirmation, das Begleiten der verschiedenen gemeindeeigenen Vereine und Gruppierungen bis hin zu Trauungen oder Beerdigungen reicht sein tägliches Pensum. Und das bringt es mit sich, dass der Mann in einem Monat schon mal  bis zu 5000 Kilometer mit dem Auto zurücklegen muss. Evangelische Kirche in Chile: Das muss man sich nicht als Armen-Kirche vorstellen. Denn zur Klientel von Pfarrer Carlos Neibirt gehören durchaus gut situierte Menschen. Viele sind deutschstämmig. Und diese Wurzeln in sein momentanes Gastland reichen weit in die Geschichte zurück. Es verblüfft, wenn Neibirt erzählt, dass erst seit 1970 die Gottesdienste in spanischer Sprache gehalten werden. „Vorher“, so erläutertet er, „war deutsch die Kirchensprache. Denn unsere Kirche leitet sich ab aus der Teilkirche der altpreußischen Union der evangelischen Kirchen Deutschlands.“ Und noch immer sei es für viele Kinder ein Privileg, eine deutsche Schule besuchen zu dürfen. An einer solchen Einrichtung unterrichtet auch seine Frau. Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier und seine Kollegin Merle Vokkert, die sechs Monate in ihrem Auslandsvikariat in Chile verbrachte, haben ein voll gestopftes Programm mit ihren Gästen zu absolvieren.

Gegenbesuch in Chile

Der Pfarrer, der schon bald zu einem privaten Gegenbesuch nach Chile reisen wird, erhofft sich selbst von der Begegnung „einen fremden Blick auf unsere Kirche und unser Leben. Was ist gut, was weniger?“ Und Merle Vokkert möchte in erster Linie „alte Freundschaften pflegen und neu begründen.“ Doch findet die Theologin auch ganz viele Parallelen, die es zu pflegen gelte. „Kirche ist weltweit und es fasziniert mich, wie ähnlich wir uns doch sind.“

Möglich gemacht hat den Besuch die Evangelische Kirche von Westfalen, die eine enge Partnerschaft mit Argentinien unterhält. Froh sind Kehlbreier und Vokkert, mit dem Ehepaar Neibirt-Starodub zwei Personen vor Ort zu haben, deren Heimatland im März Gastgeberland des Weltgebetstages ist. „Das kann uns auch nur befruchten.“

von Johannes Bonnekoh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare