Erzieherinnen lernen: Daumenlutschen ist erlaubt

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In großer Runde im Awo-Kindergarten Heimecke kamen die Erzieherinnen zusammen.

ALTENA - Dürfen kleine Kinder am Daumen lutschen? Wie können Erzieherinnen schreiende und fremdelnde Kleinkinder beim morgendlichen Abgeben in der Einrichtung wirkungsvoll beruhigen? Wie gehen sie andererseits mit Müttern um, die ein sichtbar schlechtes Gewissen haben, ihre Mädchen oder Jungs im Alter von null bis drei Jahren quasi bei den Fachfrauen „abzugeben“? – Nur drei Fragen, die am Freitag von Gerhild Schöberl von der Fachhochschule Potsdam im Rahmen einer Weiterbildungsschulung im Awo-Kindergarten an der Heimecke beantwortet wurden.

Auf Initiative von Jörg Kempfer vom Träger war die gestrige Veranstaltung bereits der vierte Termin einer Reihe, die unter dem Schwerpunkt-Thema „frühkindliche emotionale Entwicklung“ stand.

Fachkräfte aus allen Awo-Einrichtungen des Märkischen Kreises sowie aus dem Hagener Raum folgten dabei der Referentin und tauschten sich mit ihr aus. Sie konnten dabei unter anderem auf Erfahrungen des speziellen Awo-Projektes „Frühe Chancen“ zurückgreifen, das allein in zehn Einrichtungen die Aufstockung des Personals durch Bundesinitiative um je eine halbe Stelle ermöglicht hat.

Für Sprachheilerzieher Jörg Kempfer ist eine „ständige Weiterbildung und -Qualifizierung einfach unumgänglich“. Dabei kommen immer schwierige und neue Aufgaben und Problemstellungen auf die Erzieherinnen in ihrem Arbeitsalltag zu. „Es geht speziell um die so genannte ganz frühe Bindung“, erläutert Kempfer.

Gestern sahen die 21 teilnehmenden Erzieherinnen nicht nur Videobeispiele, sie erfuhren auch aus erster Hand von einer Expertin, wie sie die sich ständig ändernden Anforderungen bewältigen und meistern können.

Übrigens: Nach Ansicht von Kempfer dürfen kleine Kinder in einer Art Selbstberuhigung sehr wohl am Daumen lutschen. „Da muss man gepflegt mal drüber wegsehen“, so der Fachmann. Das helfe dem Kind, ganz schnell Stress abzubauen.

Die Kolleginnen, so sagte er gestern, seien ständig gefordert, die richtige Distanz zu Kindern, Problemfällen, Elternarbeit und ihrem Beruf zu finden. „Deshalb ist Fortbildung so wichtig.“ Die Awo unterstütze das vorbehaltlos. Zum Konzept gehöre es aber, keine weiten Bildungsreisen zu unternehmen sondern: „Wir holen die guten Leute hierher“ – gestern eben aus Potsdam.

von Johannes Bonnekoh

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