Erstmals: Altenas neuer Imam ist ein Deutscher

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Der neue Imam: Mehmet Bas (31) ist der neue Imam der Moschee an der Lüdenscheider Straße 28. Ihm zur Seite stehen Bünyamin Solak (l.) und Burak Karadavut vom Vorstand.

Altena – Mehmet Bas (31) ist anders als alle seine Vorgänger: der neue Imam der Ditib-Moschee ist ein Deutscher, spricht Deutsch und setzt vor allem auf Dialog mit Christen und Juden.

Mehmet Bas ist seit Mittwoch neuer Imam der Moschee-Gemeinde an der Lüdenscheider Straße 28 in Altena. Das islamische Gotteshaus und die 190-köpfige Gemeinde steht in Trägerschaft des Türkisch-Islamischen Vereins Altena, der dem Ditib-Verband angehört. 

Bas folgt Imam Mikdat Güclü, den die türkische Religionsbehörde auf eigenen Wunsch in eine größere Gemeinde nach Dortmund versetzt hat. Er war drei Jahre in Altena tätig. 

"Altena gefällt mir"

„Ich muss sagen: Altena gefällt mir. Das ist mein erster Eindruck“, sagt Mehmet Bas über seinen neuen Wirkungskreis. Der ledige Mann ist 31 Jahre alt und gebürtiger Krefelder. Dementsprechend besitzt er neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit. 

Er hat sein Fachabitur in Krefeld abgelegt und dann in Ankara Theologie studiert. Er schloss es mit dem Bachelor of Arts ab und schreibt zurzeit noch an seiner Masterarbeit. 

Willkommen hießen ihn zum offiziellen Dienstbeginn Bünyamin Solak und Burak Karadavut von der Türkisch-Islarmischen Gemeinde. Sie werden auch mit weiteren Vorstandsmitgliedern dafür sorgen, dass „er sich gut und schnell einlebt und eine angemessene Wohnung am Ort findet“. 

Imam für Islam, "von dem viele zu wenig wissen"

Imam – dieser Begriff wird übersetzt mit Vorbeter. Und das ist auch die vordringliche Aufgabe des neuen geistlichen Oberhauptes. Er wolle Impulse geben, Ansprechpartner für Jung und Alt sein und stehe selbst für „den Islam, von dem viele viel zu wenig wissen“. 

Deshalb sei ihm auch wichtig, am Ort, also in Altena, „das Gespräch mit allen anderen Religionen zu führen. Ich möchte mit Katholiken, evangelischen Christen und Juden sprechen und mich austauschen. Wir sollten uns kennenlernen und dann gemeinsam versuchen, die Welt etwas besser zu machen.“ Das ist sein Anspruch. 

Keine Sprachbarrieren mit Flüchtlingen

Mehmet Bas spricht perfekt deutsch – ein Novum in der bisherigen Bestellung von Imamen für Altena. „Es ist mir wichtig, dass die Menschen mich verstehen. Denn, das wurde mir schon gesagt, durch die Flüchtlingswelle hat sich auch in Altena viel verändert.“ Burak Karadavut ergänzt: „Es kommen viele Syrier zu uns. Die sprechen kein Türkisch, aber meist Arabisch oder Deutsch, weil sie hier entsprechende Kurse besuchen. Unser Imam kann jetzt problemlos mit ihnen kommunizieren. Darüber freuen wir uns.“ 

Mehmet Bas spricht neben Deutsch, Türkisch und Englisch auch „ein bisschen Arabisch. Das muss ich noch vervollkommnen“. Die Gemeinde in Altena hofft, dass der Neue „langfristig bei uns bleibt und wir uns nicht wieder in ein paar Jahren umstellen müssen auf ein neues Gesicht“, merkt Bünyamin Solak an. 

Tag der offenen Moschee

Altena ist die erste Stelle als hauptlicher islamischer Geistlicher für Bas. Sich selbst beschreibt er deshalb auch bescheiden als „Auszubildenden“. Eine Anspielung auch auf den Religionsverband Ditib, der ihn entsandt hat. „Ich konnte mir Altena nicht aussuchen. Man kann immer Wünsche äußern, und dann wird abgewogen. Die Chancen stehen 50 zu 50, ob man dann wirklich in seine Wunschgemeinde kommt“, sagt der 31-Jährige. 

Hohe islamische Feiertage stehennach dem Ende des Ramadan in diesem Jahr nicht mehr an. „Ich möchte dennoch, dass die Altenaer aller Religionsgruppen oder auch Atheisten mich und unsere Gemeinde kennenlernen. Deshalb sind wir bereits mit dem Vorstand des Türkisch-Islamischen Vereins übereingekommen, am 3. Oktober einen Tag der offenen Moschee anzubieten. Ich hoffe, das wird angenommen, und wir können dann viele gute und zukunftsweisende Gespräche führen“, sagt Bas. 

Gewollt neue Richtung von Ditib

Der halbstaatliche Ditib-Verband stand in den vergangenen Monaten häufig in der öffentlichen Kritik. Bas weiß das und sagt: „Ich spreche gut Deutsch, das ist sicherlich vorteilhaft und durchaus auch eine gewollte neue Richtung von Ditib.“ 

Burak Karadavut sagt: „Ich denke, unser Imam kann deshalb vielleicht in Absprache mit den entsprechenden Stellen Koranunterricht in deutscher Sprache erteilen. Längst sind wir nämlich keine reine türkisch-islamalische Gemeinde mehr. Die Flüchtlinge hier am Ort haben uns in der Tat bunt gemacht, Multikulti würde ich sagen."

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