In erster Linie ein buch für „normal Gesunde“

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Peter Prange (r.) und Michael Martin mit Schülern der Jahrgangsstufe 11 des Burggymnasiums. ▪

ALTENA ▪ „Wenn ihr merkt, dass ihr irgendetwas unbedingt machen wollt, dann macht es.“ So lautete am Donnerstag der Rat Peter Pranges an Schüler der Jahrgangsstufe 11. Denn: „Man bereut immer das, was man nicht gemacht hat.“ Der Autor und ehemalige Altenaer war zu Gast in der Burgstadt, um morgens sein Buch „Platz da, ich lebe!“, in dem Kinder und Jugendliche des Hospiz Balthasar zu Wort kommen, am Burggymnasium und abends in der Stadtbücherei vorzustellen.

„Ich wollte diesen Kindern ein Denkmal setzen“, erklärte Peter Prange den 17- bis 18-Jährigen seine Motivation für dieses Buch. Ein Besuch im Kinderhospiz hatte den 57-Jährigen sehr beeindruckt und gleichzeitig beschämt. Im Angesicht des Todes seien diese Kinder und Jugendlichen so heiter und fröhlich gewesen.Wir hingegen, würden das Leben nicht genießen können, uns vielmehr ständig Sorgen um Erfolg und Geld machen. „Wir leben ja eigentlich alle auf den Tod hin, nur die Kinder im Hospiz tun es viel intensiver. Dort wird gelacht, sogar viel gelacht.“

Prange führte Gespräche mit totkranken Kindern und Jugendlichen und deren Eltern – denn auch für sie wollte er etwas schaffen, das bleibt. „Und ganz zum Schluss“, so Prange, „habe ich gemerkt, dass es in erster Linie ein Buch für uns ‘normal Gesunde’ ist, denn wir vergessen, wie gut es uns geht. Erst im Spiegel dieser Schicksale wird uns das bewusst.“ Prange bezeichnete die Kinder und Jugendlichen im Hospiz als „Botschafter des Lebens“ und: „Wir dürfen ihnen dankbar sein, dass sie uns Einblick in ihr Leben gegeben haben.“

Die erste Geschichte, die Prange vorlas, ist die vom 22-jährigen Christian. Er leidet an einer Lipidspeichermyopathie, ist von Geburt an körperbehindert, an ein Beatmungsgerät angeschlossen und 24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen. Der junge Mann stelle sich die Frage, „Muss ich denn im Leben gefangen sein?“ Und Peter Prange fragte ihn, was er mit einer Million Euro machen würde. „Ich würde eine Akademie für Sterbehilfe gründen“, sei sein Antwort gewesen. Weil er massiv körperbehindert ist, könne er sich selbst nicht das Leben nehmen. „Er möchte sich nicht umbringen – aber er möchte die Freiheit haben, es tun zu können, wenn es nicht mehr geht“, versuchte Prange zu verdeutlichen.

Spätestens jetzt hatte Prange die volle Aufmerksamkeit der rund 45 Gymnasiasten, denen wohl die Tragweite eines solchen Schicksales durch seinen Vortrag bewusst wurde. „Habt ihr Fragen?“, wollte der Autor von den Schülern wissen. Doch vielleicht hatten die jungen Frauen und Männer doch Berührungsängste mit den Themen Hospiz und Euthanasie – eine Frage-Antwort-Runde wollte nicht wirklich entstehen. Lediglich ein Schüler fragte, wie viele Hospiz-Kinder mit ihrem Schicksal haderten. „Irgendwann kommt jeder im Balthasar dahin, sein Schicksal zu akzeptieren. Dann können sie besser damit leben und sind genauso lebenshungrig wie wir“, so Prange darauf.

Ein „heikles“ Thema, das der Schriftsteller, der sein Studium als „staatlich geprüfter Erotologe“ abgeschlossen hat, im Hospiz nicht ansprach, brachte Prange aber bei den Schülern auf den Tisch: „Diese Totkranken haben doch auch sexuelle Bedürfnisse, erotische Phantasien und Wünsche. Was ist damit, was meint ihr?“ Große Ratlosigkeit – ein paar unterdrückte Lacher – und ein mutiges Mädchen mit dieser These: „Vielleicht reicht es denen schon, wenn sie daran denken – kann ja sein.“

Begleitet wurde Peter Prange am Donnerstag von seinem Freund Michael Martin. Der gebürtige Werdohler hat eine Werbeagentur und drehte einen Film über die Entstehung des Buches.

http://www.kinderhospiz-balthasar.de,http://www.bg-altena.de

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