Sanierung nach Brandanschlag

Erster Gottesdienst in der restaurierten Lutherkirche

Mit Blumen dankte die Gemeinde allen Helfern, vor allem auch der Feuerwehr.

Altena - „Mir ist danach, einen großen Luftsprung zu machen“ – Merle Vokkert, die Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde Altena, strahlte am Sonntag (12. März) mit der Sonne um die Wette: „Endlich können wir zurück in unsere Lutherkirche“, jubelte sie und hunderte von Altenaern applaudierten tosend.

Schon der Beginn des Gottesdienstes hatte hohe Symbolkraft: Die Gemeinde versammelte sich auf dem Vorplatz und zog gemeinsam in die brandsanierte Kirche ein – „Tut mir auf die schöne Pforte“ sangen die Gottesdienstbesucher dabei mit der Unterstützung von Luther- und Paul-Gerhardt-Kantorei.

Als dann die Kirchengegenstände zum Altar gebracht wurden, gingen der katholische Pfarrer Ulrich Schmalenbach und Altenas Feuerwehrchef Alex Grass an der Spitze. Sie trugen Kerzen in die Kirche. Sowohl der Wehr als auch der katholischen Gemeinde seien Altenas Protestanten zu großem Dank verpflichtet, sagte Merle Vokkert immer wieder.

Insbesondere der Dank an die Wehr zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Gottesdienst. Sie war mit einer großen Delegation vertreten. „Ohne sie säßen wir heute nicht in dieser Kirche“, sagte Vokkert. In ihre Predigt streute sie kleine Interviews ein: Grass erinnerte sich daran, wie es war, als in der Nacht zum 17. Mai meterhohe Flammen im Kirchenschiff wüteten. Wie er schilderte auch Pfarrer i.R. Dieter Claßen eine Szene nach den Löscharbeiten als besonders ergreifend: Nach dem Kommando „Feuer aus“ versammelten sich Claßen und die Einsatzkräfte in der stark beschädigten Kirche zu einer kurzen Andacht am Altar. „Gott war da“, ist Grass sich sicher – sonst wäre die Kirche nicht zu retten gewesen. Besonders dankbar sei er auch darüber, dass bei dem Einsatz niemand verletzt wurde.

Wiedereinzug in die Lutherkirche

Es gab immer wieder Applaus während des Gottesdienstes. Besonders laut war der, als Vokkert und ihr Presbyterium die Einsatzkräfte nach vorne baten. Jede Feuerwehrfrau und jeder Feuerwehrmann erhielt zum Dank eine Rose. Für ihn als Bürgermeister sei es ein Fest, dass ehrenamtliches Engagement der Brandschützer und all derer, die sich in ihrer Freizeit für die Sanierung der Kirche eingesetzt haben, dermaßen gefeiert werde, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein später,

Mit dem Dank an die Feuerwehr war es nämlich nicht getan: Blumen und lobende Worte gab es auch für die beiden Mitarbeiterinnen des Ellen-Scheuner-Hauses, die den Brand entdeckten, und für die an der Sanierung beteiligten Handwerker sowie für Dorothea Ossenberg-Engels. Die Architektin sprach von einer ganz besonderen Baustelle: „Hier waren alle lammfromm, es gab kein Geschimpfe oder Flüche“. Die Situation sei für alle Beteiligten nicht einfach gewesen: „Wer weiß denn schon, wie man eine ausgebrannte Kirche restauriert“. Ein besonderes Dankeschön gab es auch für Karin Thomas: Fast täglich sei die Baukirchmeisterin in den vergangenen Monaten auf der Baustelle gewesen, wusste Merle Vokkert. Weitere Blumensträuße erhielten Küsterin Angelika Kilsch, Kirchmeister Peter Krey sowie Pfarrer Schmalenbach und Christiane Frebel von der katholischen Kirchengemeinde, die im Gegenzug eine Kerze mit dem gestrigen Datum und der Lutherrose überreichten.

„Ich hatte Wut im Bauch“, erinnerte sich Karin Thomas. Inzwischen ist der Blick auf die Brandstifter ein anderer: Eine der Fürbitten bat um Gnade für die Täter, die bis heute nicht ermittelt werden konnten. Und auch bei der Wahl des Glaubensbekenntnisses wurde auf versöhnliche Worte geachtet. Die Gemeinde wählte eins von Dietrich Bonhoeffer. Dort heißt es: „ Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“. Dass die Gemeinde zusammengerückt sei und dass die ganze Stadt hinter ihr stehe, das sei nach dem Brand eine schöne und wertvolle Erfahrung gewesen, sagte Vokkert in der Predigt.

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