Einblick in die erste Senioren-WG in Altena

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Ein Zimmer der künftigen Senioren-WG am Breitenhagen.

Altena – Platz für fünf Senioren gibt's in der ersten WG am Breitenhagen. Ein besonderes Geschäftsmodell eines jungen Paares aus Lüdenscheid.

Vitali Eilenberg (38) und seine Ehefrau Katharina (36), die mit drei Kindern in Lüdenscheid wohnen, wagt einen Geschäftsversuch in Altena: Sie wollen eine Senioren-Wohngemeinschaft etablieren. Dafür haben sie an der Paul-Gerhardt-Straße 3 vor einem Jahr ein großes Haus gekauft.

Das Ehepaar sitzt entspannt auf einer großen Couch in einem noch größeren Zimmer des Hauses mit traumhaftem Blick in den sich herbstlich färbenden Wald im Wohngebiet Breitenhagen. „Ja, hier haben wir Platz. Dieser Raum hat wohl um die 70 Quadratmeter“, sagt Vitali Eilenberg. „Er wird einmal als Gemeinschaftsraum für alle Bewohner dieses Hauses dienen. Da kommt man sich ob der Größe sicher nicht so schnell ins Gehege.“ 

In diesem Haus am Breitenhagen wird eine Senioren-WG eröffnet.

Auf der gleichen Etage sind weitere Räume: Esszimmer, großzügige Küche, Hauswirtschaftsraum, Foyer mit Bibliothek. Erreichbar sind von hier aus auch der barrierefreie Garten und zwei Terrassen. Das Paar möchte Senioren ein geselliges, selbstbestimmtes Leben ermöglichen und ist sich sicher, damit auch ökonomisch den Nerv der Zeit zu treffen.

„Hier im Haus werden einmal bis zu fünf Personen einziehen, die dann in Einzelzimmern im Obergeschoss wohnen. Jeder hat dort sein eigenes Reich. Alles wurde bereits dafür technisch hergerichtet und umgebaut. Alle Räume haben fließend Wasser, eigene Energie-Zähler und natürlich TV sowie Wlan-Anschlüsse.“ 

Die Betreiber und Ideengeber: Vitali und Katharina Eilenberg.

Die Raumgrößen schwanken zwischen 17 bis 22 Quadratmetern. Es gibt zwei Bäder auf der Etage, alle groß und barrierefrei. Die Türen der Wohnräume sind besonders gedämmt und so breit, dass ein Rollstuhl bequem passieren kann. 

Wie kommt ein junges Paar darauf, sich auf so eine Geschäftsidee einzulassen? „Meine Oma war Mitte 80 und damit hochbetagt. Irgendwann ging es allein nicht mehr zuhause“, sagt Vitali Eilenberg. Sie habe dann von einer Senioren-WG in Lüdenscheid gehört und sich darauf eingelassen. „Sie hat immer nur geschwärmt, sie sei nie mehr allein, es gebe so viele gemeinsame Aktionen. Wir wussten, dort fühlt sie sich wohl.“ 

Mutter gab die Initialzündung

Das sei 2016 die Initialzündung gewesen, neu zu denken. Jetzt überlegt das Paar, auch die Großmutter von Katharina Eilenberg für ein WG-Projekt zu begeistern. Sie bewohnt mit über 80 Lebensjahren noch allein eine Einliegerwohnung. „Wir wollen, dass die Menschen hier fröhlich wohnen, sich wohlfühlen“, sagt Katharina Eilenberg.

Natürlich müssten sich die Bewohner in vielen Dingen absprechen. Etwa bei Bad- oder Küchennutzung. Aber auch das sei eine gewollte Kommunikation. Im Fokus stehe, dass alle in der Gemeinschaft ihren Alltag meisterten und gemeinsame Aktivitäten pflegten. 

Pflegebedürftige können nach Absprache ebenfalls auf dem Breitenhagen wohnen. Aber die Eheleute Eilenberg dürfen sie nicht selbst betreuen. Das wäre dann Sache eines ambulanten Pflegedienstes. 

Die Kosten für das Leben in einer Seniorenwohngemeinschaft entsprächen den „normalen“ Mietpreisen auf dem lokalen Wohnungsmarkt, merkt das Paar an. Dennoch geben sich die Eheleute Eilenberg zugeknöpft, konkrete Zahlen zu nennen. Einzig die Summe, die für die haushaltsnahen Dienstleistungen (Waschen, Putzen, Kochen durch einen angestellten Koch) zu entrichten sind, beziffern sie auf „etwa 720 Euro im Monat“. Vitali Eilenberg fügt an: „Das Wohnen hier ist auf jeden Fall günstiger als in einem Alten- und Pflegeheim.“ 

Probewohnen möglich

Eigene Möbel dürfen die WG-Bewohner mitbringen, es gibt aber auch die Möglichkeit, ein Zimmer mit Möbeln zu übernehmen. Es geht um Menschen, es geht um Wohnen, es geht um Pflege und Betreuung: Wer überwacht denn WGs wie die am Breitenhagen? 

Auf das Geschäftsmodell der Senioren-WG in Altena kommt in der vorgesehenen Form das Heimgesetz nicht zur Anwendung. Die Eheleute Eilenberg suchten das Gespräch mit den Behörden. „Wir hatten Kontakt zum Altenaer Rathaus, dort gab es keine Einwände gegen unsere WG“, sagt Vitali Eilenberg. 

Er lädt Interessenten und Angehörige ein, sich im Haus unverbindlich umzusehen. Noch sind Wohn-Plätze frei, beworben werden sie in Kleinanzeigen und über soziale Medien. Auch ein Probewohnen wäre denkbar. „Wer möchte, kann uns ein oder zwei Monate testen."

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