LWL-Archäologen nehmen sich Untergrund der Burg-Remise vor

An der Stelle, wo der Grabungsmitarbeiter kniet, wird ein 1,20 Meter breites Mauerstück erkennbar. Links begutachtet Dr. Stefan Eismann den Fundort. Für ihn ist klar: „Das stammt nicht aus der Zeit des Wiederaufbaus.“ ▪

ALTENA ▪ „Für den ersten Tag“, meinte gestern ein zufriedener Dr. Stefan Eismann, „möchte ich sagen: So darf es weitergehen!“ Der Archäologe im Dienst von LWL Archäologie aus Münster hat gestern mit einem zweiköpfigen Helferteam damit begonnen, den Untergrund der Remise auf der Burg zu untersuchen.

Notwendig und möglich werden diese Arbeiten, weil demnächst an dieser Stelle der Aufzugsstollen von der Lennestraße heraufkommt. Zunächst einmal mussten die Steinplatten aus dem Boden der Remise aufgenommen werden. Dann ging es mit konventionellen Baumaschinen die ersten 50 bis 60 Zentimeter in den Erdboden. „Seit heute geht es nur noch per Hand weiter“, berichtet Dr. Eismann. Das heißt, mit Spitzhacke, Schüppe und Eimer der Vergangenheit entgegen – langsam, aber beharrlich. Bis zu 2,50 Meter oder mehr wird es wohl heruntergehen; auf jeden Fall will man bis an den „nackten Fels“ heran. Die Spitzhacke eines Helfers saust ins Erdreich, aber sie kommt nicht weit, stoppt mit einem dumpfen Ton. Der Archäologe horcht auf: „Das klingt nach Mauer“, sagt Dr. Eismann. Einige Zeit darauf ist klar, dass er Recht behalten hat. Etwa 1,20 Meter stark sind die Überreste einer in west-östlicher Richtung verlaufenden Wand oder Mauer. Solche Wandstärken seien keineswegs ungewöhnlich, sagt Dr. Eismann. „Wir sind hier auf einer Burg.“ Für eine Einschätzung, um was es sich handelt, sei es aber noch viel zu früh. Dazu müssen sich weitere Puzzleteile finden.

In der relativ kleinen Remise sind die Ausgräber auf jeden Fall innerhalb der ersten Stunden auf drei räumlich getrennte bzw. nicht verbundene Mauerfragmente gestoßen. Eines kann Dr. Eismann schon jetzt sagen: „Die stammen nicht aus der Zeit des Wiederaufbaus.“

In diesem Zusammenhang interessant: Der älteste bekannte Plan der Festungsanlage stammt aus dem Jahr 1704. „Zu dieser Zeit stand hier nichts“, weiß der Archäologe. Bleiben also zwei Möglichkeiten: Die jetzt unterhalb der Remise entdeckten Mauern sind jünger – oder um einiges älter. Burghöfe, heute meist als Freifläche zu sehen, waren in der Vergangenheit oftmals bebaut. Eismann hofft nun, dass sich ein Gebäude nachweisen lassen wird. ▪ Von Thomas Keim

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