Erinnerung an Nazi-Opfer des Russland-Überfalls

Nur wenige Altenaer erinnerten gestern an das Schicksal der Zwangsarbeiter auf dem Friedhof.

ALTENA - Der Rasen ist akurat geschnitten. Freiwillige haben die 41 Erinnerungsplatten auf dem so genannten Russenfriedhof im Mühlendorf von Dreck und Pflanzenresten freigekratzt. Und doch wird sich kaum jemand an Nikolaus Kalika, Maria Glebwa, Grigory Kobtschenke oder Oleg Bondary erinnern. Diese russischen Zwangsarbeiter, wie 37 ihrer Kameraden und Kameradinnen, fanden hier ihre letzte Ruhe.

Sie waren – wie deutschlandweit im zweiten Weltkrieg über zehn Millionen Menschen – versklavt, geschlagen und gequält worden. Auch in Altena. An ihr Schicksal erinnerte gestern die örtliche Friedensbewegung in einer bewegenden Gedenkstunde auf dem Friedhof Mühlendorf. Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier und Historiker Matthias Wagner erinnerten in kurzen Beiträgen an Täter, Mitläufer und Opfer von einst. Kehlbreier sprach auch heute noch von einem „heimlichen Hass des Westens gegen den Osten“, attestierte diese Gefühle gar auf beiden Seiten und stellte die Versöhnungsarbeit der Christen in den Mittelpunkt der Zukunftsarbeit.

Musiker Rüdiger Drallmeyer untermalte die Beiträge musikalisch auf der Gitarre, seine gesungenen Worte, etwa das Lied der Zwangsarbeiterin Olga, gingen nicht minder unter die Haut.

Paradoxie des Alltags: In Sichtweite der Ruhestätte für die russischen Opfer steht der Gedenkstein eines Altenaers, der vier Tage nach seinem 19. Geburtstag im ersten Weltkrieg fiel, als er „von der Schulbank ins Feld musste.“ Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier schloss seine Erinnerung an den 70. Jahrestag des Überfalls von Hitlerdeutschland auf Russland mit Worten aus der Predigt von Peter Beier aus Pskow: „Unser Auftrag ist Versöhnung, eine andere Wirklichkeit zählt nicht.

von Johannes Bonnekoh

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