Erich Stievermann verlässt das Bauamt

ALTENA ▪ Keine Angst: Er geht nicht ganz von Bord – um die Kontakte zum Frettchen wird er sich nämlich weiterhin kümmern. Ansonsten aber muss die Stadt ab heute ohne Erich Stievermann auskommen. Der Fachbereichsleiter geht in Rente. 35 Jahre lang war er im Altenaer Bauamt tätig.

Der 64-Jährige weiß noch ganz genau, was er an seinem ersten Arbeitstag in Altena gemacht hat: „Eine Abbruchgenehmigung erteilt“. Die 70-er Jahre waren die Zeit großer Umbrüche in Altena: Das historische Stapel-Quartier musste dem heutigen Stapelcenter weichen, der Neubau des Krankenhauses begann, das Burggymnasium erhielt seinen Anbau. „Dafür musste ich sogar zum Lehrgang“, erinnert sich Stievermann – damals waren „splittersichere“ Räume noch Pflicht, der Bauningenieur muste sich also über Luftschutzräume informieren.

Eigentlich hatte Stievermann gar nicht vor, „auf‘s Amt“ zu gehen. Sein Vater hatte in Neuenrade eine kleine Baufirma, der Sohn lernte zunächst Maurer und begann dann ein Architekturstudium, das er aber abbrach, als der Bund ihn rief.

Vier Jahr bei der Marine haben ihn sehr beeindruckt: Heute noch ist er in den Marinekameradschaften in Altena und Werdohl tätig, hält auch die Kontakte zum Frettchen – ein prächtiges Modell des „Patenschiffs“ der Stadt ziert seit Jahren sein Büro. Mitnehmen darf er‘s heute nicht – „das gehört der Stadt“, bedauert Stievermann.

Nach der Bundeswehrzeit sattelte Stievermann um. Er studierte weiter, aber nicht mehr Architektur, sondern Bauingenieurwesen. Und er verabschiedete sich von der Idee, in den väterlichen Betrieb einzusteigen, weil er für den keine Perspektive sah.

Deshalb also der öffentliche Dienst – in Altena, wo damals Hans Brettar als Baudezernent den Ton angab. Spannende Zeiten seien das gewesen, sagt Stievermann im Rückblick. Von Brettar hat er viel gelernt, vor allem auch einen gewissen Pragmatismus: „Wenn Du durch die Nette fährst, dann musst Du auf die Straße gucken“ - so zitiert Stievermann einen Rat des längst verstorbenen Dezernenten an einen Bauamtsmitarbeiter, der sich allzu sehr für die Hallen rechts und links der Fahrbahn und vor allem daran vorgenommene Änderungen interessierte.

Angefangen hat Stievermann als stellvertretender Leiter des Bauordnungsamtes. 1991 übernahm er dort die Leitung, die Verantwortung für andere Aufgabenbereiche wie Hochbau und Planung kam hinzu. 1999 wurde er im Zuge der Umstrukturierung der Stadtverwaltung zum Fachbereichsleiter ernannt und ist seither Chef von etwa 20 Leuten. Einen Nachfolger wird es übrigens nicht geben: Bürgermeister Hollstein wird die Leitung des Fachbereichs übernehmen, zwei Bereichsleiter werden ihn unterstützen. Über die Besetzung dieser Stellen ist noch nicht entschieden.

Die größte Herausforderung in seiner beruflichen Laufbahn? Da überlegt Stievermann nicht lange: „Das Alte Krankenhaus“. Der Umbau zu Wohnungen, Kindergarten und Räumen für das Medienzentrum sei enorm aufwändig und schwierig gewesen.

Man merkt: Sein Herz hängt am Hochbau – um den ist es inzwischen ruhig geworden. Einfacher sei die Sache damit aber nicht, betont Stievermann – zunehmend müssten er und seine Kollegen sich um nachbarschaftliche Probleme kümmern, vor allem in historischen Beständen. Damals hätten halt ganz andere Regeln gegolten, die heute üblichen Normen ließen sich dort auch nicht mehr herstellen.

An seinem letzten „richtigen“ Arbeitstag, hat sich Stievermann etwas ganz Besonderes gegönnt: Er hat zum ersten Mal seit langem eine Baugenehmigung unterschrieben, und zwar eine „richtige“ – für ein Einfamilienhaus samt Garage, das bald in Evingsen entstehen wird.

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