Viel mehr Bier als 1970

Erhöhung des Bierpreises erregt wenigstens ein Gemüt

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Es fließt schon das ein oder andere Bier bei einem Schützenfest. Dass der Bierpreis in diesem Jahr auf 1,60 Euro steigen wird, nimmt die große Masse der Schützen allerdings klaglos hin.

Altena - Zehn Cent mehr pro Bier – die Erhöhung auf 1,60 Euro pro Glas war weder bei der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft noch in Evingsen den Schützen eine Diskussion wert. Nur aus Dahle kommt Protest.

Bernhard Tönnesmann, Mitglied der Dahler Schützen, hat die Vereine angemailt, die dieses Jahr feiern und gegen die Bierpreiserhöhung protestiert. Er habe „langsam den Eindruck, dass die Schützenvereine einen Wettbewerb führen über die höchsten Bierpreise“, schimpft er. Schützenfeste seien Volksfeste und dürften nicht nur „Privilegierte die es sich leisten können“ ansprechen.

Bei Klaus Hesse, dem Hauptmann der Altenaer Schützengesellschaft, stößt dieser Einwand auf Unverständnis: Im Vergleich zum Schützenfest 2015 steige der Bierpreis um zehn Cent. Das sei in erster Linie eine Entscheidung von Festwirt Otto Kühling, der natürlich auch Kostensteigerungen verkraften müsse, argumentiert Hesse. Nicht nur in der Metallindustrie, sondern auch in der Gastronomie gebe es Lohnerhöhungen und beim Abstecher in den Getränkemarkt könne jeder sehen, dass jüngst auch die Bierpreise angehoben worden seien.

Davon kann Walter Droste, Gastwirt aus Dahle, ein Lied singen. Bei ihm kostet das Bier 1,50 Euro. Während die Brauereien eine Erhöhung der Flaschenbierpreise kaum durchsetzen könnten, hätten sie in den vergangenen Jahren beim Fassbier kontinuierlich die Preise angehoben. Vergleiche man die Preise der Altenaer Gastronomie mit dem, was in größeren Städten verlangt werde, „dann sind wir hier richtig günstig“, sagte Droste. Dass die Festwirte 1,60 Euro fürs Glas nähmen, sei „völlig berechtigt. Das müssen die haben, um klarzukommen“.

Schützenfest nur noch für Privilegierte?

Mehr Bier denn je könne ein ganz normaler Schütze sich heute leisten. Das sagt Jürgen Henke, der FWG-Schützenkönig des Jahres 2003. Der beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Nachkriegsgeschichte der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft und hat sozusagen aus wissenschaftlichem Interesse auch ein Blick auf die Entwicklung der Bierpreise in den vergangenen 40, 50 Jahre geworfen.

Mehr Bier denn je könne ein Industriearbeiter heute für das kaufen, was er in einer Stunde verdiene, sagt Henke. Die Verdienste in der Metallindustrie seien nämlich seit 1970 stärker gestiegen als der Bierpreis im Festzelt.

Zurück zu Tönnesmann: Der ist Dahler Schütze. Sein Verein feierte 2017 und nahm 1,50 Euro fürs Bier. Bleibt abzuwarten, ob der Dahler Bierpreis beim Schützenfest 2019 auf diesem Niveau gehalten werden kann.

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