Kabarett mit Barbara Ruscher: Oft spitz, aber nie gemein

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Barbara Ruscher gastierte am Samstag in Altena. 

Altena  - Ist Laternen kalt? Solche Gedanken schießen Barbara Ruscher schon mal durch den Kopf, wenn sie umstrickte Pfähle in Großstädten sieht. „Und während Ihr alle im Büro sitzt, lass ich mir noch ganz andere Sachen einfallen!“, richtete die Kabarettistin am Samstag das Wort an ihr Altenaer Publikum. Dazu gehört sogar vegane Musik.

Schuld an allem ist Lutz. „Das ist nicht so einer, der seinen Veganismus still für sich lebt. Wenn ich nach seinem 20. Klingeln nicht die Tür öffne, dann schmeißt er Gemüse durchs offene Fenster.“

Barbara Ruscher hat sogar ein Lied auf Lutz geschrieben. Auf einer Trommel mag sie es nicht vortragen, deshalb hat sie sich selbst vegane Instrumente gebaut: Ein ausgehöhlter Kürbis, zwei Möhren als Schlagstöcke, die Rassel ist ein Apfel. Das ist nicht der einzige große Lacher, den die Künstlerin an diesem Abend in der Burg Holtzbrinck bei ihren Gästen abgreifen kann.

Generell, das erklärt Barbara Ruscher, hat sie gar nichts gegen Veganer oder Vegetarier. Sie selbst greift eher selten zum Steak und wenn, dann nur aus dem Bio-Angebot. Dafür hat Freundin Lucy überhaupt kein Verständnis, wie Barbara Ruscher zu lockerer Begleitmusik am Flügel erklärt: „Sie findet es vollkommen falsch, glückliche Tiere zu schlachten!“

Ja, auch essen zählt zu den Höhepunkten, die Barbara Ruscher in ihr Programm „Ekstase ist nur eine Phase“ eingebaut hat. Für Männer zählt der Kauf einer billigen Bohrmaschine zu jenen extatischen Lebensmomenten, bei Frauen ist es Yoga, für Kinder Nutella, wobei Barbara Ruscher die Klugscheißerkinder aus ihrer direkten Nachbarschaft daraus ausklammern muss: „Die bloggen ja schon im Mutterleib.“

Aufzeichnungen eines Säuglings während seiner Geburt hat die Künstlerin mal aufgeschrieben und sogar in einem Buch verarbeitet: „Fuck the Möhrchen“ geht gelungen auf den Frühförderwahn moderner Eltern ein, die ihr Kind ausschließlich mit Vollkornbrot ernähren, das in den natursteinplombierten Zähnen von Waldorfschülern gemahlen wurde.

Alles am Gesundheitswahn unterstützt sie aber nicht: Das Cannabisverbot zum Beispiel versteht sie nicht: „Jährlich 70 000 Alkoholtote, aber der Schnaps bleibt erlaubt. Alkoholisierte Menschen prügeln sich gerne, der Kiffer träumt nur von einer Schlägerei...“

Barbara Ruscher trägt locker-flockig vor, wird manchmal spitz, aber nie gemein. Ständig bleibt sie im Publikumskontakt, improvisiert und spielt mit den Altenaern, die zahlreich in die Burg Holtzbrinck gefunden haben und mit einer klugen Weisheit heimgehen: Veganer sterben nicht. Sie verwelken.

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