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Erfolgsgeschichte: Flüchtling als bester Drahtzieher-Azubi in NRW

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Von: Thomas Bender

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Dem Drahtwerk Lüling bleibt der landesbeste Auszubildende Ayham Taimouk weiterhin erhalten. Er arbeitet dort als Fachkraft für Metalltechnik.
Dem Drahtwerk Lüling bleibt der landesbeste Auszubildende Ayham Taimouk weiterhin erhalten. Er arbeitet dort als Fachkraft für Metalltechnik. © Thomas Bender

2016 kam er als Flüchtling nach Altena, jetzt hat er als Landesbester seine Ausbildung zum Drahtzieher abgeschlossen: Die Geschichte von Ayham Taimouk ist eine ganz besondere.

Altena – Ohne geht es nicht, und das schon lange: In der Firma Lüling haben längst die ersten das Rentenalter erreicht, die als junge Männer aus Griechenland, Italien oder der Türkei nach Altena kamen, um in der Drahtindustrie Geld zu verdienen. Inzwischen stehen die Kinder oder sogar die Enkel der Gastarbeiter an den Lüling-Maschinen. Auch während der Balkankrise haben viele, die damals aus ihrer Heimat flüchten mussten, im Drahtwerk an der Kleffstraße Arbeit gefunden.

Drei Handvoll verschiedener Nationen seien im Unternehmen vertreten, meinte Geschäftsführer Fabian Schmidt, als er jetzt einen syrischen Mitarbeiter ehrte. Ayham Taimouk ist Drahtzieher beziehungsweise Fachkraft für Metalltechnik, wie das heutzutage heißt.

Über die Türkei nach Deutschland

2016 kam er als Flüchtling nach Altena, 2018 begann er seine Ausbildung in der Firma Lüling. Er schloss sie im vergangenen Jahr mit einem so guten Ergebnis ab, dass er von der Industrie- und Handelskammer als Landessieger in diesem Berufszweig ausgezeichnet wurde.

Taimouk ist nicht der erste Flüchtling, der bei Lüling ausgebildet wird und auch nicht der erste Lüling-Auszubildende, der Landessieger wurde. Aber ganz sicher der erste mit einer „so herausfordernden und spannenden Lebensgeschichte“, wie Schmidt meinte. Bis 2016 lebte der heute 26-Jährige in Syrien und arbeitete dort in einem Baumarkt. Dann flüchtete er vor dem Bürgerkrieg in seinem Land.

Über die Türkei kam er nach Deutschland und landete in Altena, wo sich zunächst einmal Ludger Leweke und das Stellwerk um ihn kümmerten.

Verschiedene Deutsch-Kurse

Deutsch lernen hieß zunächst mal die Devise. Dazu gibt es A-Kurse, bei denen es ums Sprechen geht und B- sowie C-Kurse für die, die in Deutschland arbeiten wollen und dazu auch die Schriftsprache beherrschen müssen – „und daran hapert es dann oft“, weiß Leweke aus seiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit, in der er schon mehrere Flüchtlinge während ihrer Ausbildung begleitet hat.

Für die Auszubildenden müssten auch finanzielle Anreize geschaffen werden, meint Leweke. Ein Auto und die Unterstützung zurückgelassener Familienmitglieder seien für die jungen Männer wichtig. Das gehe mit Sozialhilfeleistungen eher als mit einem Azubi-Gehalt. Leweke: „Es ist nicht gut, dass Nichtstun besser bezahlt wird als Arbeit.“

Wenn ein Flüchtling arbeiten will, kommt er an Martin Döhler nicht vorbei. Der Mitarbeiter der Agentur für Arbeit betreut die Betriebe in Altena und Nachrodt und schafft es immer wieder, die Unternehmen zur Einstellung von Flüchtlingen zu bewegen. Taimouk vermittelte er zunächst einmal ein Praktikum in der Autowerkstatt von Martin Stübner und war dann auch behilflich, als es um die Ausbildung bei Lüling ging. Auch der ging zunächst ein Praktikum voraus.

Beim Vorstellungsgespräch überzeugt

Dann schrieb Taimouk seine Bewerbung. Die war noch rechtsbündig, wie das im arabischen Sprachraum üblich ist. „Aber ansonsten war sie ganz in Ordnung“, erinnert sich Sandra Poppek, die bei Lüling für Personal- und Organisationsentwicklung zuständig ist. Als sich Taimouk nach dem Bewerbungsgespräch beim Rundgang durch das Werk auch noch danach erkundigte, welche Aufstiegsmöglichkeiten es nach Abschluss der Lehre gibt, war die Sache klar: Er hatte den nötigen Ehrgeiz und wurde eingestellt.

Los ging’s mit einem Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) . Das ist eine Art Langzeitpraktikum mit den kompletten Inhalten des ersten Ausbildungsjahres, das damit im Grunde doppelt absolviert wird. „Das EQJ war sehr gut für mich“, sagt Taimouk im Rückblick.

Und bei Lüling erkannte man in dieser Zeit die Stärken und Schwächen des neuen Auszubildenden. „In der Praxis war er sehr gut“, sagt Ahmet Özdemir, der sich als Fertigungsleiter bei Lüling auch um die Auszubildenden kümmert. Schwerer fiel die Theorie, was in erster Linie sprachliche Gründe hatte. Bei mancher Fragestellung habe es gedauert, bis Taimouk sie verstanden habe.

Hervorragendes Ergebnis

Am Ende stand die Prüfung und deren sehr, sehr gutes Ergebnis. Ludger Leweke: „Ayham Taimouk ist ein Beispiel dafür, dass es funktionieren kann. So gut hat noch keiner der vom Stellwerk betreuten Flüchtlinge seine Prüfung abgeschlossen.“ Darauf könne nicht nur Taimouk selbst, sondern auch die Firma Lüling stolz sein, sagte Bürgermeister Uwe Kober, der zu der Ehrung eingeladen worden war.

Dass die in Altena stattfand, hatte wie so vieles mit Corona zu tun: Weil sein Impfschutz zu dem Zeitpunkt noch nicht komplett war, durfte Taimouk an der offiziellen Ehrung des Landesbesten durch die Industrie- und Handelskammer nicht teilnehmen. Also feierte er im Rahmen seiner Kollegen und der Chefs.

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