Erfolgreiche Organtransplantation

Michael Kuses neues Herz fühlt sich gut an

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Michael Kuse (Mitte) mit seinen Chefs Volker Kluczka und Johannes Kleinschnittger (rechts). Bei der Firma Hohage hat man gemeinsam überlegt, wie Kuse nach seiner Herztransplantation eingesetzt werden kann. 

Altena - Sechs Monate nach seiner Herztransplantation setzt sich ein Mitarbeiter der Firma Hohage dafür ein, dass sich mehr Menschen als Organspender zur Verfügung stellen.

Altena – Es passierte ausgerechnet am 2. Juni, dem offiziellen Tag der Organspende: „Wir haben ein Spenderherz für sie“, erfuhr Michael Kuse von den Ärzten des Herz- und Diabeteszentrums in Bad Oeynhausen. Wenig später lag er im OP. Gut sechs Monate später arbeitet er wieder – noch nicht „volle Kanne“, aber doch mit Freude und Dankbarkeit darüber, dass seine Chefs in der Firma Hohage Verständnis für seine Situation haben. Bis zu seinem Herzinfarkt im Jahr 2017 war er dort Einkaufsleiter, zog sich dann aber aus gesundheitlichen Gründen von diesem Posten zurück. Jetzt suchen er und die Geschäftsführung nach einem neuen Tätigkeitsfeld für die Zeit nach seiner Wiedereingliederung, die zum Jahresende ausgelaufen ist. „Zu tun gibt es hier genug“, sagt der 55-Jährige. „Zwei Drittel Veranlagung, ein Drittel Rauchen“ – das seien die Gründe dafür gewesen, dass sein Herz schlappmachte, sagt Kuse. Erst dachte er, dass er den Infarkt gut überstanden hätte – aber dann kam die niederschmetternde Diagnose der Ärzte: „Ohne Spenderherz wird das nichts, haben die gesagt“. Sein Herz sei so schwer geschädigt, dass er ohne Transplantation keine Überlebenschance habe. Kuse kam auf die so genannte Dringlichkeitsliste – wer da draufsteht, darf die Klinik nicht mehr verlassen. Im April 2017 wurde Kuse stationär aufgenommen, sechs Wochen später erfolgte die Transplantation.

Wenige Tage nach seiner Herztransplantation konnte Michael Kuse schon wieder lachen.

 „Ich habe sehr viel Glück gehabt. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt dreieinhalb Monate“, sagt der 55-Jährige. Das neue Herz fühle sich gut an, sagt der Hohage-Mitarbeiter. Ob er daran denkt, dass jemand sterben musste, damit er leben kann? „Schon“, sagt er und berichtet dann aber auch, dass den Patienten in Bad Oeynhausen neben medizinischer auch psychologische Hilfe angeboten wird – „das habe ich natürlich wahrgenommen“. Wem er sein neues Herz zu verdanken hat, weiß er jedoch nicht. „Das erfährt man in Deutschland nicht, das ist absolut verboten.“ Kein einziges Detail – weder Alter noch Geschlecht des Spenders – wird nach einer Organspende verraten. „So ist es besser, um abzuschließen und möglichst schnell sein normales Leben wieder aufnehmen zu können. Es geht ganz schnell, dass man vergisst, dass es ein anderes Herz ist,“ sagte Kuse nach der Operation in einem Zeitungsinterview. Rückblick: Die erste Herztransplantation von Mensch zu Mensch 3. Dezember 1967 riskierte Christiaan Barnard im Groote Schuur Hospital in Kapstadt, sein Patient überlebte den Eingriff nur wenige Tage. Der Eingriff löste ein immenses weltweites Medienecho mit teilweise sehr kontroversen Debatten aus, vor allem aber fand Barnaard Nachahmer. Bis zum Ende der 1960-er Jahre wurden weltweit etwa 150 Herzen transplantiert. Viele der Operierten starben kurz darauf, es gab aber auch Hoffnungsschimmer: Eine im November 1968 in Marseille durchgeführte Herztransplantation war dabei lange Zeit die erfolgreichste: Emmanuel Vitria lebte danach 19 Jahre mit dem Spenderherz und starb 1987 im Alter von 67 Jahren. Ein großes Problem waren anfangs Abstoßungsreaktionen des Körpers. Ende der 70-er Jahre wurden Medikamente entwickelt, die das unterbanden. In der Folgezeit nahm die Zahl der Herztransplantationen zwar kontinuierlich zu, in Deutschland handelt es sich aber immer noch um eine eher seltene Operation: Im Jahr 2017 wurden deutschlandweit insgesamt 257 Herzen transplantiert. „Das liegt auch an den Rahmenbedingungen“ ist Kuse sich sicher. „Deutschland und Luxemburg tragen da in Europa die rote Laterne“.

Deshalb verfolgt er natürlich die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angestoßene Diskussion und freut sich über einen ersten, kleinen Fortschritt: „Die Konditionen für die entnehmenden Krankenhäuser wurden verbessert“, erklärt er. Vorher sei eine Organentnahme mehr oder weniger ein Zuschussgeschäft gewesen und deshalb unbeliebt gewesen. Bleibt die Frage nach den Spendern. In Deutschland dürfen hirntoten Patienten Organe nur dann entnommen werden, wenn sie dem zu Lebzeiten zugestimmt haben – das dokumentieren Organspenderausweise, die diese Menschen mit sich tragen. Diese Rechtslage führt dazu, dass es in Deutschland viel zu wenige Organspenden gibt. 2016 waren es deutschlandweit 877, sie spendeten insgesamt 2900 Organe. Damit kommen auf eine Million Einwohner nur 10,8 Spender. Der EU-Schnitt liegt bei 19,5. Spitzenreiter ist Spanien mit einer Quote von beinahe 40. Dort dürfen Organe nur dann nicht entnommen werden, wenn das ausdrücklich und schriftlich ausgeschlossen wurde. Kuse hat sich vorgenommen, seinen Teil dazu beizutragen, dass die Bereitschaft zur Organspende zunimmt: Zusammen mit Freunden und Verwandten hat er an seinem Wohnort den Verein „Organspende Sundern“ gegründet, der über das Thema Organspende informiert – zum Beispiel mit Ständen auf Stadtfesten, wo bereits einige tausend Flyer – natürlich alle mit einem Organspendeausweis versehen – unters Volk gebracht wird. Der Verein setzt sich auch für eine Reform des Transplantationsgesetzes ein – Ziel müsse es sein, Organentnahmen zu erleichtern. Er respektiere aber auch, wenn jemand kein Organspender sein wolle, sagt Kuse.

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