Gutachter sucht nach Lösungen

Im Gericht schimmeln Akten

Amtsgericht
+
Das Amtstgericht ist in einem denkmalgeschützten Gebäude untergebracht.

Die Justiz schmeißt nichts weg, jedenfalls nicht so schnell: Aufbewahrungsfristen von oft mehreren Jahrzehnten sorgen dafür, dass sich in Deutschlands Gerichten riesige Aktenberge stapeln – auch in Altena. Und das macht im Moment Probleme, weil Teile der Akten schimmeln.

Altena - Hin und wieder wird dann doch geschreddert in den Aktenräumen. Vorher wird aber beim Landesarchiv nachgefragt, ob das Interesse an den Dokumenten hat. Das passierte auch, als im Amtsgericht Altena Nachlassakten aus dem Jahr 1877 entdeckt wurden. Tatsächlich reiste ein Mitarbeiter des Landesarchivs an, um die alten Akten zu sichten. „Und der hat dann ziemlich schnell den Verdacht geäußert, dass diese Akten von Schimmel befallen sein könnten“, schildert der auch für Amtsgerichte zuständige Pressesprecher des Landgerichts, Bernhard Kuchler. Der Archivar habe dazu geraden, Fachleute hinzuzuziehen.

Akten von 1877 werden vernichtet

Also wurden die Papiere begutachtet, seit dem 19. Januar liegt das Ergebnis vor: Es ist Schimmel. Der Befall ist so massiv, dass die Dokumente vernichtet werden müssen. Irgendwann einmal muss der Stapel mit den 144 Jahre alten Akten komplett durchfeuchtet worden sein, stellte der Fachmann fest. Wann das gewesen sein könnte, weiß niemand: „An einen Wasserschaden kann sich niemand erinnern“, sagt Kuchler.

Das Problem: In dem Raum lagen nicht nur Uralt-Akten, sondern auch aktuelle Nachlasssachen: Etwa 90 Prozent aller Akten zu Erbscheinen würden dort aufbewahrt und zehn Prozent der Unterlagen zu Testamenten, erklärt Kuchler. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich der Schimmel ausgebreitet hat, werden nun auch diese Bestände begutachtet. „Wenn dabei ebenfalls Schimmel festgestellt wird, dann soll der Gutachter auch Vorschläge zur Beseitigung des Schadens machen“, erklärt Kuchler. Da verschimmelte Dokumente kein Einzelfall sind, sondern in Archiven immer mal wieder auftauchen, gibt es Firmen, die sich auf den Umgang mit diesem Problem spezialisiert haben.

Auch aktuelle Vorgänge lagern in dem Raum

Einfach wegwerfen ist in diesem Fall keine Option: Es handelt sich um aktuelle Vorgänge, die noch gebraucht werden. Im Moment gilt im Gericht allerdings die Devise, dass der womöglich mit Schimmel befallene Aktenraum nur dann betreten werden soll, wenn es unausweichlich ist – und zwar mit Maske (die ja ohnehin jeder bei sich hat) und Schutzkleidung.

„Im Gespräch mit den Antragstellerinnen und Antragstellern bitten wir bei weniger dringenden Angelegenheiten um etwas Geduld, um die betroffenen Akten möglichst wenig bewegen zu müssen“, erklärt Dieter Neuhoff, der Direktor des Amtsgerichtes und verspricht auch: „Alle dringenden Anträge werden weiterhin sofort bearbeitet.“

Alle dringenden Anträge werden weiterhin sofort bearbeitet.

Dieter Neuhoff (Amtsgerichtsdirektor)

Stellt sich noch die Frage, warum im Gericht noch tonenweise Papier gehortet wird: Bei der Digitalisierung von Gerichtsakten gebe es große Unterschiede, erklärt Gerichtssprecher Kuchler. Beim Landgericht Hagen würden inzwischen alle Zivilsachen als digitale Akten geführt. „Schriftsätze, die noch in Papierform eingehen, werden umgehend eingescannt“, erklärt er. Das gelte aber nur für aktuelle Vorgänge. Nirgendwo sei vorgesehen, auch die Altakten zu digitalisieren

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare