Betrugsserie in Altena

Enkeltrick: So kämpfen Bankmitarbeiter gegen die Betrüger

Sparkasse Enkeltrick: Jamie Hallmann und Holger Wolf von der Vereinigten Sparkasse im MK
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Jamie Hallmann und Holger Wolf von der Vereinigten Sparkasse im MK in Altena.

Mehrere Fälle in wenigen Wochen: Betrüger haben es derzeit auf Senioren in Altena abgesehen. Mitarbeiter der Sparkasse sind sensibilisiert. Ein harter Kampf zwischen Detektivarbeit und Fingerspitzengefühl.

Altena – Wie massiv darf eine Sparkasse werden, um ihre Kunden zu schützen? Diese Frage stellen sich Jamie Hallmann und ihre Kollegen aus der Hauptstelle am Markaner in diesen Tagen immer wieder.

Grund: In der Burgstadt grassiert der Enkeltrick im Moment ganz besonders stark, und die an den Schaltern tätigen Sparkassenmitarbeiter haben es immer wieder mit Menschen zu tun, die größere Summen abheben wollen.

Natürlich läuten dann schnell alle Alarmglocken. Natürlich versuchen die Sparkassen-Mitarbeiter, mit dem Kunden ins Gespräch zu kommen, um abzuklopfen, ob es bei der Abhebung mit rechten Dingen zugeht. „Es kommt ja auch vor, dass ältere Kunden größere Summen holen, um ihren Kindern oder Enkeln tatsächlich etwas Gutes zu tun“, verdeutlicht Marktbereichsleiter Holger Wolf den Spagat, den seine Mitarbeiter in diesen Fällen oft machen müssen.

Betrüger bläuen Senioren Geschihcte für Nachfragen ein

„Die Kunden sagen uns, dass sie natürlich den Enkeltrick kennen und dass sie natürlich nicht darauf hereinfallen werden“, berichtet Jamie Hallmann, die schon mehrfach solche Gespräche führte und auch schon Betrugsversuche vereiteln konnte.

Einfach sei das nicht: Nachfragen würden oft konsequent abgeblockt und offenkundige Märchen erzählt. Einem fast 80 Jahre alten Kunden bläuten die Betrüger ein, er möge bei der Sparkasse erzählen, er brauche 15 000 Euro für einen Autokauf, bei dem nur Bargeld akzeptiert werde. Wolf: „So soll verhindert werden, dass wir gezielter nachfragen.“

Sehr abgeklärt habe dieser Kunde gewirkt und fast schon verärgert auf die Nachfragen reagiert, berichtet Hallmann aus diesem Gespräch. Natürlich bestehe die Gefahr, dass sich ältere Menschen durch solche Rückfragen bevormundet fühlen, entsprechend sensibel müsse man vorgehen. „Irgendwann kommt man aber an einen Punkt, da kann man einfach nichts mehr machen“, bedauert sie.

Senioren verlieren ganzes Vermögen

Wenn sich anschließend herausstelle, dass die Bedenken berechtigt waren, dann sei auch bei den Sparkassen-Mitarbeitern die Betroffenheit groß, sagt Wolf: „Uns geht das immer sehr nahe.“ Es gehe fast immer um fünfstellige Beträge, manchmal verlören die Betroffenen sogar ihr gesamtes Vermögen.

„Manchmal leisten wir regelrechte Detektivarbeit“, schildert Wolf aus der Praxis. Bei der Sparkasse kennt man seine Kunden und oft auch deren Kinder, die man dann zu erreichen versuche – wegen des Bankgeheimnisses eine Gratwanderung.

Mitarbeiter und Tochter retten Frau vor Betrügern

„Es hilft uns in diesen Fällen sehr, wenn uns eine Kontovollmacht und die Kontaktdaten des Bevollmächtigten vorliegen“, erklärt Wolf, der erst kürzlich durch ein Telefonat mit der Tochter einer Kundin einen 35 000-Euro-Betrug verhindern konnte. „Am nächsten Tag waren Mutter und Tochter bei mir und haben sich bedankt“, berichtet er.

Die Mutter habe ganz erschüttert berichtet, dass die Betrüger sie immer mit „Mutti“ angesprochen hätten und dass ihr gar nicht aufgefallen sei, dass ihre Tochter sie noch nie so genannt habe.

„Miteinander reden“ – das ist der Rat, den Wolf älteren Kunden und deren Angehörigen mit auf den Weg gibt. Eine Art Leitfaden kann dabei die Broschüre „Klüger gegen Betrüger“ sein, die in sämtlichen Filialen der Vereinigten Sparkasse ausliegt.

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