Hollstein vertritt kleine Aktionäre

Historisch gewachsen ist die Beziehung der Stadt Altena zum Kraftwerk in Elverlingsen. Was aus den Unternehmensanteilen wird, wenn die Anlage stillgelegt wird, bleibt abzuwarten. -  Foto: Archiv

Altena - Eine Arbeitsgruppe „Finanzen und Strategie“ hat – wie berichtet – der Enervie-Aufsichtsrat gebildet. Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein ist eines der Mitglieder. Er soll dort die Interessen der kleineren Aktionäre vertreten. Am Montag ließ er durchblicken, dass er dieser Berufung eher widerwillig gefolgt sei.

Der Stadt Hagen gehören 42,6 Prozent der Enervie-Aktien, Lüdenscheid (24,1 Prozent) und die RWE (19 Prozent) sind die nächst größeren Anteilseigner. Gut 14 Prozent der Aktien sind im Besitz von Kommunen im Märkischen Kreis, im Kreis Unna und im Ennepe-Ruhr-Kreis. Altena hält 4,4 Prozent der Anteile und ist damit der größte der „kleinen“ Aktionäre. Auch deshalb gehört Hollstein dem Enervie-Aufsichtsrat seit Jahren an.

Ausgabe der Arbeitsgruppe wird es sein, sich mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Enervie zu beschäftigen. Dabei muss sie das Kunststück fertigbringen, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bekommen. Einerseits wird die Eigenkapitalquote des Unternehmens wegen der sich abzeichnenden Kraftwerksschließungen bedrohlich sinken und müsste dringend aufgestockt werden, andererseits gehen die Kommunen, die Anteile an dem Unternehmen halten, bei ihrer Finanzplanung davon aus, dass ab 2016 wieder eine Dividende gezahlt wird. Passiert das nicht, dann fehlen vor allem Hagen und Lüdenscheid Millionen.

Er gehe nicht davon aus, dass in den nächsten Jahren nennenswerte Ausschüttungen erfolgen werden. Das ließ Hollstein durchblicken. Hintergrund ist offenbar die Haltung einiger Banken, die darauf hinweisen, dass die Eigenkapitalquote, die zur Zeit unter zehn Prozent liegt, deutlich erhöht werden sollte und dass mögliche Überschüsse zunächst einmal dafür verwendet werden müssten.

Die Stadt Altena würde es nur indirekt treffen, wenn die Enervie-Dividende über das Jahr 2016 hinweg nicht gezahlt würde. Dem städtischen Etat würden dadurch keine Einahmen verloren gehen: Die Enervie-Aktien gehören den Stadtwerken. Sie wurden damit vor rund 20 Jahren dafür entschädigt, dass sie hohe Verbindlichkeiten der Stadt übernehmen mussten, für die sie bis heute Zins und Tilgung zahlen müssen. Dank der Einnahmen aus den Enervie-Anteilen gelang es den Stadtwerken in der Vergangenheit trotzdem, Überschüsse zu erwirtschaften und Gewinne auszuschütten. Die allerdings gingen nicht an die Stadt, sondern an den Bäderbetrieb.

Wenn das nicht mehr funktioniert, dann werden die Bäder in die Verlustzone rutschen. Als städtischer Eigentbetrieb haben sie die Möglichkeit, das durch so genannte „Verlustvorschreibungen“ eine Zeitlang abzupuffern. Allerdings: Nach fünf Jahren ist Schluss damit, dann müsste die Stadt einspringen und das jährliche Defizit auffangen.

Mit dem Hinweis auf die Archive beantwortet Hollstein übrigens im Moment Fragen danach, wie es eigentlich weitergeht mit Altenas Anteilen an dem kommunalen Energieversorger. In der Vergangenheit hatte er – wie schon seine Vorgänger – den vergleichsweise hohen Altenaer Anteil stets mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Kraftwerkes Elverlingsen auch für die Stadt begründet – schließlich lebe ein großer Teil der Beschäftigten in der Burgstadt.

Offen bleibt was passiert, wenn Elverlingsen geschlossen wird. Diese Begründung zieht dann nicht mehr. Ein Verkauf der Aktien allerdings käme allenfalls dann in Frage, wenn sich das Unternehmen deutlich konsolidiert hätte – dass Enervies Marktwert im Moment im Keller ist, ist ein offenes Geheimnis.

Nach den bisherigen Planungen gehen die Kraftwerke Elverlingsen und Herdecke im Jahr 2020 vom Netz – was dann neue Fragen aufwirft, auf die man in der Hagener Konzernzentrale im Moment noch keine Antwort weiß. Was dann mit den Gebäuden werde, ob womöglich irgendwann ein Abriss erforderlich werde – damit habe man sich bisher noch nicht beschäftigt, hieß es bei Enervie. - Von Thomas Bender

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