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Energiekrise: So reagieren Verwaltung und Stadtwerke

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Von: Hildegard Goor-Schotten

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Gaskunden müssen in diesem Winter mit deutlich höheren Kosten rechnen. Viele passen ihre Abschlagszahlungen deshalb schon jetzt an.
Gaskunden müssen in diesem Winter mit deutlich höheren Kosten rechnen. Viele passen ihre Abschlagszahlungen deshalb schon jetzt an. © Grein, Dirk

Der Krisenstab ist in Altena noch nicht wieder aktiviert worden. Aber auch hier im Rathaus sucht man angesichts massiver Preissteigerungen und drohender Knappheit von Gas und Strom nach Einsparmöglichkeiten.

„Wir haben regelmäßig alle Gasverbräuche auf dem Schirm“, sagt Bürgermeister Uwe Kober, der wöchentlich mit Verwaltungsvorstand und Stadtwerken zusammensitzt.

Beim Draufschauen ist es nicht geblieben. „Wir haben kurzfristig alle Heizungsanlagen in städtischen Gebäuden überprüfen und neu einstellen lassen“, berichtet er: „Wo es geht und Sinn macht, sind sie komplett ausgestellt oder in der Temperatur reduziert worden.“ So laufe auch zurzeit die Heizung im Rathaus nicht. Eine Klimaanlage gebe es nicht, nachts sei es bis auf die Notbeleuchtung dunkel, die Fenster sind mittlerweile alle isoliert. „Jetzt werden noch zwei defekte Türen mit einer einfachen Verglasung ausgetauscht. Wir versuchen, solche Stellen zu reduzieren“, erklärt Kober. Auch sei die Anschaffung von E-Bikes und Lastenrad für kürzere Entfernungen in der Umsetzung.

Laternen werden nicht abgeschaltet

Die Suche nach weiterem Einsparpotenzial ist nicht einfach. In den vergangenen Jahren wurden bereits alte Gasheizungen ausgetauscht, die städtische Beleuchtung weitgehend auf LED umgestellt. Straßenlaternen in den Nachtstunden auszuschalten, ist für den Bürgermeister daher keine Option: „Und auch Ampeln können wir nicht einfach ausstellen.“ Das Senken der Wassertemperatur in Freibädern oder die Schließung von Hallenbädern, was in anderen Städten ganz oben auf der Sparliste steht, hat sich in Altena erübrigt. „So sehr ich mir den Betrieb auch wünsche“, sagt Kober, „dass bei uns gerade Hallen- und Freibad nicht vorhanden sind, ist jetzt ein Vorteil.“ Das seien Energiefresser.

Bei aller Unsicherheit über die Zukunft ist er überzeugt: „Wir werden nicht im Dunkeln und im Eiskalten sitzen.“ Sollte der Extremfall eintreten, müsse man schauen, was umsetzbar ist. „Schulen können nicht geschlossen werden und auch Büros kann man nicht extrem runter kühlen“, so Kober mit Blick auf Herbst und Winter. Turnhallen könne man sicher auf die vorgeschriebene Mindesttemperatur herunterfahren, aber beim Warmwasser werde es schon schwierig. „Da muss man aufpassen, dass man kein Legionellen-Problem bekommt.“

Appell an die Bürger

„Wenn jeder im Kleinen ein bisschen macht, ist in der Menge viel erreicht“, appelliert der Bürgermeister auch an alle Altenaer, genau hinzuschauen und zu sparen.

Die Menge an Teuerungen, bei denen die Verdoppelung bis Verdreifachung der Gaspreise nur am Anfang stehe, werde in vielen Haushalten zu großen Problemen führen, fürchtet er.

Brenner: „Keine Panik verbreiten“

Das gilt auch für die Firmen in der Stadt. Stadtverwaltung und Stadtwerke sowie Enervie stehen in engem Kontakt und halten die Verbindung zur Industrie. Vor vier Wochen gab es ein Treffen mit Unternehmen, um sich auszutauschen und zu überlegen, was gemacht werden kann. Für diese Woche ist ein weiteres Online-Meeting mit Industriekunden geplant. „Es ist eine sensible Situation und eine Herausforderung, aber ich bin auch Optimist“, meint der Bürgermeister und ist sich da wohl einig mit Katrin Brenner, der neuen Geschäftsführerin der Stadtwerke Altena. Brenner sagt: „Das Wichtigste ist jetzt vor allem, keine Panik zu verbreiten, sich aber gleichwohl auf alles vorzubereiten.“

Der Gaspreis sei bereits jetzt enorm gestiegen. „Die Kunden werden das spätestens im nächsten Jahr an den gestiegenen Abschlägen merken“, stellt sie fest. Alle Szenarien darüber hinaus seien reine Spekulation, bei denen man nicht wisse, was eintrifft.

Verunsicherung der Kunden zu spüren

Bei den Stadtwerken spürt man die Verunsicherung der Kunden. „Die Zahl der Abschlagsanpassungen wächst wöchentlich, teilweise auch mit dem Hinweis, dass man anpasst, weil man Angst vor hohen Nachforderungen hat“, sagt die Geschäftsführerin. Es ist das, was sie durchaus empfiehlt: Abschläge erhöhen, um möglichen Jahresabrechnungen und Forderungen entgegenzutreten. Jeder Einzelne sollte darüber hinaus sein Verhalten prüfen und nicht nur den Gasverbrauch, sondern auch Strom und Wasser im Blick haben. Tipps dazu gibt es auch auf der Homepage der Stadtwerke (www.stadtwerke-altena.de). Übereinstimmend raten Brenner und Kober dringend dazu, die Energiepauschale von 300 Euro nicht auszugeben, sondern beiseitezulegen, um sie für Nachforderungen zur Hand zu haben. Wer durch die steigenden Energiepreise in finanzielle Not gerät, sollte sich zudem nicht scheuen, eine Überprüfung zu beantragen, rät Brenner.

Kurzfristige Alternativen in der privaten Energieversorgung sieht sie nicht. Das Interesse an Photovoltaik sei rege, eine Umsetzung brauche aber fünf bis sechs Monate. Auch Wärmepumpen seien eine Methode, sich unabhängig zu machen. Brenner gibt aber zu bedenken, dass sie erhöhten Strombedarf erzeugten und man sich da ganzheitlich mit befassen müsse.

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